Proliferation der Airbags Alle Neune
2,99 Meter kurz, drei Sitzplätze plus ein Extraplätzchen für ein Kind und Details wie Klimaanlage oder ESP sind serienmäßig das neue Minimobil Toyota iQ ist ein Auto ganz neuen Zuschnitts, eine Art Smart für vier. Pkw-Zwerge dieses Formats gelten gemeinhin als vergleichsweise unsichere Autos. Der Toyota iQ allerdings soll, so hört man, fünf Sterne im Euro-NCAP-Crashtest erhalten. Kein Wunder, denn der Knirps ist das erste Auto mit neun Airbags.
Wenn man die Luftsäcke von vorn nach hinten durchgeht, beginnt es erst einmal ganz konventionell. Bei einem Frontalaufprall beispielsweise werden vier Airbags ausgelöst, je zwei für Fahrer und Beifahrer. Im einzelnen sind das der im Lenkrad befindliche Fahrerairbag und der Knieairbag, der im iQ dank der kurzen Lenksäule besonders nah an den Fahrerknien plaziert ist. Zum Schutz des Beifahrers werden ein herkömmlicher Airbag in der Armaturentafel und ein Sitzpolster-Airbag schlagartig aufgeblasen. Letzterer soll das Durchrutschen unter dem Beckengurt verhindern und den Beifahrer in der Position fixieren, in der die Sicherheitssysteme am wirkungsvollsten sind.
Aufgrund der leicht versetzten Sitzposition im Toyota iQ ist der Beifahrer-Airbag besonders groß. Um dennoch die Schutzwirkung voll entfalten zu können, wird er durch einen Hybridgasgenerator befüllt. Beim Auslösen werden die Edelgase Argon und Helium, die in einem Druckgasbehälter gespeichert sind, blitzartig in die Hülle aus Kunstfasergewebe geblasen. Das geschieht noch ein paar Millisekunden schneller als bei einem herkömmlichen Gasgenerator mit Festtreibstoff.
Erstmals kommt ein Heckairbag zum Einsatz
Wird der iQ nicht frontal, sondern von der Seite getroffen, sorgen links wie rechts die beiden vorderen Seitenairbags sowie zwei seitliche Kopfairbags für den Schutz der Insassen. Damit steigt die Anzahl der Airbags bereits auf acht. Noch immer fehlt aber ein Luftkissen, und zwar jenes, dass weltweit erstmals im neuen Toyota-Kleinstwagen zum Einsatz kommt.
Es handelt sich um einen Heckairbag. Dieses Schutzkissen wird bei einem Aufprall von hinten aufgeblasen. So sollen die Köpfe der iQ-Besatzung vor dem gefährlichen Kontakt mit der hinteren Dachkante geschützt werden. Schließlich ist in dem äußerst kompakten Wagen kaum mehr als eine Handbreit Platz zwischen dem Hinterkopf des Fondpassagiers und dem harten Ende des Innenraums. In diese Lücke schiebt sich bei einem Crash dann der neunte Airbag, der über Sensoren im hinteren Stoßfänger ausgelöst wird.
Ein kleines Auto braucht viel mehr Sicherheitstechnik
"Das ist auch gut so", sagt Hubert Paulus, Ingenieur und Experte für Fahrsicherheit des ADAC. "Die meisten großen Autos verfügen zwar über ein komplettes Airbag-System, doch gerade die kleinen Wagen müssten mit mehr Sicherheitstechnik ausgestattet sein." Deren Knautschzonen seien nämlich zu klein. "Das ist ein Sicherheitsnachteil gegenüber Limousinen, und deshalb sind zusätzliche Airbags sinnvoll. Und auch wenn vom neuen Heckairbag noch keine Testergebnisse vorliegen, bin ich mir sicher, dass er seine Entwicklungskosten wert ist", sagt Paulus.
Obwohl mit nunmehr neun Airbags der Autoinnenraum schon ausreichend gepolstert erscheint, wird es in Zukunft wohl weitere Prallkissen geben. Nach Angaben von ADAC-Mann Paulus stecke vor allem im Kopfairbag noch großes Verbesserungspotential. Zum Beispiel deshalb, weil die herkömmlichen Luftpolster vor den Seitenscheiben viele kleinen Passagieren gar nicht schützen. Ganz einfach, weil die Kinder zu klein sind und bei einem Unfall häufig unter den Luftkissen hindurchrutschen. Und auch für die Fußgänger besteht bei einem Zusammenstoß mit einem Auto bislang noch kein ausreichender Schutz.
Drei weitere Airbag-Varianten in der Entwicklung
Aus diesem Grund arbeitet die Zulieferfirma Autoliv bereits an drei weiteren Airbag-Varianten, die vor allem dem Schutz von Passanten dienen sollen. Der Windschutzscheiben-Airbag ist einer von ihnen; er soll zwischen Motorhaube und Frontscheibe hervorquellen und bei einem Zusammenstoß mit einem Fußgänger die Motorhaube anheben und zugleich die harten Bauteile in diesem Bereich des Fahrzeugs auspolstern.
Weiterhin arbeitet das Unternehmen an einem speziellen Airbag für SUV-Modelle. Aufgrund der meist hohen und kastenförmigen Frontpartie der Geländewagen sind diese Modelle besonders gefährlich für Fußgänger. Ein sogenannter Bonnet Leading Edge Bag, also ein Airbag am vorderen Ende der Motorhaube, soll sich dank spezieller Sensoren bereits einige Millisekunden vor dem Zusammenstoß mit einem Fußgänger aufblähen und so den Aufprall abfedern. Und auch der Bumper Bag wird speziell für SUVs entwickelt. Unmittelbar vor einem Crash mit einem Passanten soll er sich wie eine Ballonwurst schützend zwischen den Beinen und dem Stoßfänger des Autos entfalten.