Radio Flyer Bollern wie die Großen
Radio-Flyer-Kinderkarren: Schöner bollern
Die Analogie zum Automobilbau drängt sich auf. Etwa zur gleichen Zeit, als die großen Autohersteller entstanden, gründete der aus der Nähe von Venedig stammende und mit 16 Jahren aus Italien in die USA eingewanderte Antonio Pasin in Chicago eine kleine Holzbearbeitungswerkstatt. Liberty Coaster Company nannte er den Einmannbetrieb, in dem er abends und nachts Handkarren baute, die er tagsüber verkaufte. Liberty Coaster hießen die ersten hölzernen Bollerwagen, die vor allem bei Kindern rasch populär wurden.
Die Firma hatte ihren Markt gefunden. Roller, Schaukelpferde und Dreiräder folgten und bei der Weltausstellung in Chicago 1933 sorgte ein rund fünf Meter hoher Riesen-Bollerwagen für Aufsehen - den Pasin wegen seiner Begeisterung für die beiden Innovationen Radio und Flugzeug Radio Flyer nannte. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Produktion von Spielzeuggefährten vorübergehend eingestellt, das Unternehmen stellte stattdessen 5-Gallonen-Benzinkanister her - sogenannte Blitz Cans.
Als nach 1945 die Fertigung wieder auf Spielzeuge und Schubkarren umgestellt wurde, nahm sich das Familienunternehmen (heute leiten die Antonios Enkel Robert und Paul Pasin die Firma) immer wieder die Autoindustrie zum Vorbild. In der Werbung der fünfziger Jahre hieß es beispielsweise, der Radio Flyer sei das einzige Fahrzeug, das noch öfter verkauft werde als ein Ford. Und als in den sechziger Jahren Baby-Boomer-Cars wie Ford Mustang oder Dodge Challenger auf den Markt kamen, baute Radio Flyer (wie die Firma inzwischen heißt) knallrot lackierte Muscle-Kettcars.
Parallel zum Geländewagen-Hype gab es Offroad-Bollerwagen
In den siebziger Jahren ergänzten Kinder-Ski-Bobs und Dreiräder im Easy-Rider-Look das Sortiment, in den achtziger Jahren kehrte der Retro-Stil ein, in Form von hölzernen Bollerwagen - ein Trend, der sich in der folgenden Dekade mit der Neuauflage von Spielfahrzeugen aus früheren Tagen noch verstärkte.
Inzwischen gibt es sogar eine Bollerwagen-Entsprechung für die vor allem in den USA so beliebten SUV: Der All-Terrain-Wagon ist mit großen Ballonreifen und sogar Stoßdämpfern ausgestattet, es gibt Getränkehalter, diverse Dachaufbauten und sogar ein separates Gepäckfach.
Anders als die Autoindustrie fährt Radio Flyer prächtig mit diesen Modellen. In diesem Jahr, dem 92. seit Gründung der Firma, gehörte Radio Flyer Inc. zu den 5000 am stärksten wachsenden Unternehmen in den USA. Und der Prototyp Cloud 9 (siehe Fotostrecke) zeigt, dass auch künftig mit attraktiven Bollerwagen aus Chicago zu rechnen ist.