Rallye Deutschland Drifts auf der Panzerplatte
Von Montag bis Mittwoch dieser Woche hatten die Teams die Gelegenheit, die Wertungsprüfungen abzufahren. Der Fahrer lernt das Terrain kennen, der Copilot protokolliert jede Welle, Kurve, Kehre mit der dazugehörigen Geschwindigkeit und dem gefahrenen Gang. Beim Rennen dann liest der Beifahrer aus diesem "Gebetbuch" sekundengenau die Daten herunter, nach denen der Fahrer mit maximaler Geschwindigkeit über die Strecke jagt. Blindes Vertrauen und höchste Präzision sind gefragt. Das gilt natürlich auch für andere Motorsport-Disziplinen, doch das besondere bei einer Rallye ist die Erkennbarkeit der Fahrzeuge. Trotz dichter Beklebung mit Sponsoren-Aufklebern sind die World-Rallye-Cars (WRC-Autos), die 30 Top-Autos der lärmenden Meute, rein formal als durchaus durchschnittliche Alltagsmodelle zu identifizieren.
p Das lockt die Autohersteller in den Rallye-Zirkus. Sechs Hersteller sind derzeit engagiert: Ford, Peugeot, Citroën, Subaru, Hyundai und Skoda. Letzterer tritt beim WM-Lauf in Deutschland sogar mit zwei unterschiedlichen WRC-Modellen an: Dem Skoda Octavia und, als Premiere, dem neuen Skoda Fabia WRC. Zwei Renn-Fabia werden bei der Rallye Deutschland starten - ein besseres Marketing hätte sich Skoda nicht wünschen können.
Denn im September kommt das zivile Pendant des Rennmodells, der Fabia RS, zu den deutschen Händlern. Ein Kleinwagen mit Vierzylinder-Turbodieselmotor, 130 PS (96 kW) Leistung, einer Höchstgeschwindigkeit von 204 km/h und zum Preis von 18.980 Euro. Damit die sportaffine Klientel das forsche Wägelchen ernst nimmt und kauft, hoffen die Verantwortlichen auf überzeugende Auftritte des Fabia WRC während der Rallye Deutschland. Ohrenbetäubende Starts, rasante Drifts und beherzte Flugeinlagen - wo sonst ergibt sich diese Gelegenheit, potenzielle Kunden derart zu beeindrucken?
Imagepolitur für Skoda
"Rallye ist der ideale Motorsport für Skoda", sagt Sprecher Friedbert Weber. "Das Produkt ist erkennbar und der Imagegewinn ist viel mehr als Sportlichkeit. Denn Rallye-Autos müssen auch zuverlässig und hart im Nehmen sein." Seit die VW-Tochter bei den WM-Läufen präsent ist, registrieren die Verantwortlichen ein zunehmendes Interesse der Kunden an sportlichen Autos.
Die sind bei Skoda dünn gesät. Bislang gab es lediglich den Octavia RS, das Straßen-Pendant zum bisherigen WRC-Auto der Marke. Demnächst eben auch den Fabia RS. Ford, Peugeot und Subaru bieten ebenfalls leistungsstarke Alltagsfahrzeuge an, die den Rallye-Rennern dieser Marken nachempfunden sind. Citroën und Hyundai halten sich dagegen zurück. "Ein supersportliches Serienauto würde einfach nicht zu unserer Marke passen", heißt es bei Citroën. Die rund 50 Millionen Euro, die ein Werksteam für ein Engagement in der Rallye-WM locker machen muss, scheinen sich auch ohne Auto-Ableger zu rentieren. Image und Kundenbindung werden nämlich auch von bunten Aufklebern, Kappen, T-Shirts und tollen Kalenderfotos beeinflusst.