Rallye Deutschland: Lenken per Gaspedal - DER SPIEGEL
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Rallye Deutschland Lenken per Gaspedal

Mit rund 250.000 erwarteten Zuschauern ist die Rallye Deutschland das größte hiesige Motorsport-Spektakel. Von Freitag bis Sonntag treten 108 Teams aus 29 Nationen rund um Trier zum zehnten Weltmeisterschaftslauf an - einer Vollgas-Orgie über 1227 Kilometer.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Rallyefahrer, so heißt es immer, sind die Zehnkämpfer des Motorsports. Während andere Vollgas-Experten sich ganz auf eine Disziplin spezialisieren, müssen Rallyepiloten auf Schotter, Sand, Asphalt oder Schnee antreten, bei Tageslicht und bei Nacht, bei Minustemperaturen und Gluthitze. Gastgeber des zehnten WM-Laufes der WRC (World Rallye Championship) ist der deutsche Automobilclub ADAC mit der Veranstaltung rund um Trier, wo am Freitag, Samstag und Sonntag auf insgesamt 19 Wertungsprüfungen (Gesamtlänge 358 Kilometer) der Sieger ermittelt wird.

"Diese WM-Runde besteht eigentlich aus drei Rallyes, eine in den Weinbergen, eine im Übungsgelände Baumholder und eine auf breiten Asphaltpisten im Saarland", sagt Subaru-Fahrer Petter Solberg aus Norwegen, der mit 26 Punkten derzeit auf Rang sechs der aktuellen WM-Tabelle rangiert. Während in den Weinbergen an Mosel und Ruwer auf schmalen Bergpisten um Zehntelsekunden gerungen wird, geht es am Samstag auf den Truppenübungsplatz Baumholder. Dort steht unter anderem die längste Wertungsprüfung auf dem Programm, die den martialischen Namen Arena Panzerplatte trägt und 30,5 Kilometer lang ist; sie muss zweimal absolviert werden.

Wie das Subaru-Team im Vorfeld der Rallye bekannt gab, werden für jede diese Wertungsprüfungen mehr als tausend Gangwechsel benötigt. Das ist insofern wichtig, als bei einem WM-Lauf nur zwei Schaltgetriebe pro WRC-Rennauto zugelassen sind. Und das wiederum bedeutet für die Mechaniker, dass sie die verplombten Getriebegehäuse während der Servicephasen nur per Endoskopie durch die Wellenöffnung warten oder reparieren können. Oder aber es muss doch das Zweitgetriebe eingesetzt werden - eine Prozedur, die eine versierte Techniker-Truppe in weniger als fünf Minuten erledigt.

Bereits fünfmal siegte Sébastien Loeb

Nach der Schlussetappe am Sonntag in und um Trier wird feststehen, ob bei der sechsten WM-Rallye in Deutschland abermals der Franzose Sébastien Loeb mit seinem Citroën C4 WRC triumphiert. Er gewann sämtliche Läufe seit 2002 und scheint eine Art Abo auf den Sieg zu haben. In der WM-Wertung allerdings rangiert Loeb derzeit mit 62 Punkten klar hinter dem Finnen Marcus Grönholm auf Ford Focus WRC, der mit 75 Punkten in Führung liegt.

Ford gewann im vergangenen Jahr - erstmals nach 1979 - die Marken-Weltmeisterschaft und gilt als eines der am besten gerüsteten Teams. Die drei letzten WM-Läufe in Italien, Griechenland und Finnland gewann Grönholm, sein Landsmann und Ford-Team-Kollege Mikko Hirvonen erreichte in Italien und Finnland Rang zwei. So treten die beiden Nordmänner auch in Deutschland mit dickem Selbstbewußtsein an.

Und mit einem Auto, das wie alle anderen WRC-Renner von einem Zweiliter-Vierzylinder-Motor angetrieben wird, der von einem Turbo beatmet wird und offiziell nicht mehr als 300 PS leisten darf. Ford gibt für seinen Renner überdies 550 Nm als maximales Drehmoment an, geschaltet wird über ein sequenzielles Fünfgang-Getriebe, das Mindestgewicht ist auf 1230 Kilogramm festgelegt. Zu den Kosten schweigen die Unternehmen, doch rund 650.000 Euro pro Rallye-Rennauto gelten als realistische Schätzung.

Wem nutzt der Millionen-Aufwand?

Bringt der Aufwand in der Rallye-WM etwas für das tägliche Geschäft? Eine Frage, die auf das vielzitierte Motto "win on sunday, sell on monday" anspielt, das aber von keinem Hersteller bestätigt wird. "Ob wir wegen unserer Rallye-Erfolge mehr Autos verkaufen, weiß ich nicht", sagt Ford-Sprecher Michael Droste. "Fest steht aber, dass wir unser Rallye-Engagement in der Werbung nutzen, um die Sportlichkeit und Zuverlässigkeit unserer Fahrzeuge herauszustellen."

Ein Abstrahleffekt auf die normale Produktpalette könnte auch dadurch entstehen, dass die WRC-Rennwagen in der Regel auf Kompaktautos basieren, die aus dem Straßenbild bestens bekannt sind: Ford Focus, Citroën C4, Subaru Impreza oder Skoda Fabia. Im kommenden Jahr wird übrigens auch Suzuki im WRC-Zirkus mitmischen. Die Japaner treten mit ihrem Soft-Geländewagen SX4 an, das fertige Rallye-Auto soll erstmals während der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) im September präsentiert werden.

Profitieren von der Rallye tut auf jeden Fall die Region Trier. Nach einer Erhebung der Fachhochschule Kaiserslautern generieren Fans und Tross des Vollgas-Spektakels einen Extraumsatz von 20 Millionen Euro. So gesehen gibt es bei der WRC-Rallye Deutschland wohl auch bei der sechsten Auflage an diesem Wochenende ganz viele Gewinner.

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