Reifen-Wintertest Spuren im Schnee
Winterreifen spielen besonders auf dem deutschen Markt eine große Rolle. Denn während hier zu Lande der Markt für Pkw-Sommerpneus bei knapp 24 Millionen Stück pro Jahr stagniert, brummt das Geschäft mit den Winterreifen: In diesem Jahr stieg das Volumen um mehr als sechs Prozent auf knapp 19,8 Millionen. Um das Potenzial noch besser ausschöpfen zu können, bemühen sich die Reifenhersteller, Autofahrer von den Vorteilen spezieller Saisonreifen zu überzeugen. Das aber ist schwierig, denn wer hat schon die Gelegenheit, sein Auto mit unterschiedlichen Reifen bei gleichen Witterungsbedingungen zu fahren, um sich so ein Urteil zu bilden?
Michelin eröffnete diese Chance jetzt einigen Autojournalisten. Schauplatz war das "Arctic Driving Center", am Polarkreis nahe der finnischen Stadt Roveniemi gelegen. Auf dem abgeschiedenen, inmitten lichter Fichtenwälder gelegenen Arreal, waren mehrere Teststationen aufgebaut. So standen beispielsweise zwei identisch motorisierte Renault Modus auf einer verschneiten, kurvigen Strecke bereit, die mit zwei unterschiedlichen Sätzen Studienreifen bestückt waren. Alle Pneus waren zwar gleich aufgebaut und bestanden aus der gleichen Gummimischung, doch gab es Differenzen beim Profil: Die lamellierten Profilklötze waren in unterschiedlichen Winkeln angeordnet.
Das klingt erst mal belanglos, doch schon nach ein paar Kilometern auf tief verschneiter Strecke in dem einen wie dem anderen Auto wird klar, dass die Reifen das Fahrgefühl komplett verändern: Mit dem einen Reifensatz beschleunigt der Wagen ruhig aus der Kurve heraus, lässt sich präzise einlenken und wirkt auch bei schneller Fahrt gut beherrschbar. Mit den anderen Reifen wird der kleine Renault hibbelig, gerät schneller ins Driften und fühlt sich an wie ein Rallyefeger, obwohl der Tacho höchstens 40 km/h anzeigt.
Den Eindruck, dass minimale Unterschiede zwischen zwei Reifen die Fahreigenschaften bereits deutlich spürbar verändern, setzt sich auch bei anderen Testanordnungen fort. Ob beim Slalom auf verschneiter Piste, bei dem Lenkwinkel und Querbeschleunigung von speziellen Messgeräten aufgezeichnet werden, ob bei Bremsversuchen, beim Berganfahren oder auf Eisplatten in Kurven. Stets bemerkte auch der hier berichtende Reifen-Laie die Abweichungen - und die Messwerte bestätigten zumeist die spontanen Eindrücke am Lenkrad.
Es wundert natürlich nicht, dass stets jene Pneus ein etwas griffigeres, präziseres, sichereres Fahrgefühl vermittelten, die Michelin als Winterreifen verkauft (oder die gängigen Michelin-Winterreifen ähnlich sind). Das war erwartbar. Andererseits wäre alles andere auch eine Überraschung gewesen, denn diese Reifen wurden schließlich über Tausende Testkilometer für genau diese Situationen bei Schneeglätte optimiert.
Eine Überraschung gab es aber dann doch an diesem Testtag, der wegen der kurzen Tageslichtperiode zu dieser Jahreszeit am Polarkreis fast ausschließlich in der Dunkelheit und bei Dämmerlicht stattfand. Nebenan, hinter einem dichten Fichtengürtel, seien Porsche-Entwickler mit einigen Testmodellen zugange, erzählen die Michelin-Leute. Was dort getestet wird? Einer sagt, er habe einen stark abgeklebten Prototyp bemerkt, der wie ein geschrumpfter Porsche Cayenne ausgesehen habe. Ein "Cayennle" in den finnischen Wäldern? Wird die geheimnisvolle vierte Porsche-Baureihe etwa ein kompakter SUV? Es ist nur ein Gerücht - aber ein plausibles. Oder hat uns der Michelin-Mann zum Abschluss noch mal richtig aufs Glatteis geführt?