Rekordhöhen: Spritpreise explodieren zum Ferienstart - DER SPIEGEL
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Rekordhöhen Spritpreise explodieren zum Ferienstart

Es ist immer das alte Spiel: Kaum stehen die Sommerferien vor der Tür, ziehen die Spritpreise an. Doch in diesem Jahr sind die erreichten Höhen mit bis zu 1,26 Euro pro Liter Super schwindelerregend, ein Ende der Preisspirale ist nicht in Sicht.
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Berlin - Am Dienstag zogen die ohnehin hohen Kraftstoffpreise angesichts neuer Öl-Rekordwerte nochmals um fünf bis sechs Cent je Liter an. An Markentankstellen in Großstädten wie Düsseldorf und München wurden am Morgen bis zu 1,26 Euro je Liter Super und 1,12 Euro für Diesel gefordert. Selbst auf dem besonders hart umkämpften Tankstellenmarkt Berlins - dort und in Brandenburg beginnen am Donnerstag die Sommerferien - kostete Super 1,25 Euro und Diesel 1,11 Euro je Liter.

Auch die Aussichten sind nach ADAC-Einschätzung "trostlos". Die Kraftfahrer müssten sich mittelfristig auf ein hohes Niveau einstellen, sagte Sprecher Peter Hemschik der Wirtschaftsnachrichtenagentur ddp.vwd. Auch wegen der Öl-Spekulationen gingen die Spritpreise "eher nach oben denn nach unten". An der New Yorker Ölbörse Nymex war der Ölpreis am Montag auf fast 60 Doller je Barrel (159 Liter) gestiegen.

Die Benzinpreise könnten zum bundesweiten Start der Reisewelle - am 27. Juni beginnt die schulfreie Zeit in Schleswig-Holstein und in Mecklenburg-Vorpommern - nochmals steigen, ergänzte ADAC-Kraftstoff-Experte Jürgen Albrecht. Die Tankstellen passten üblicherweise ihre Preise der Nachfrage an. In den Vorjahren seien Preisanstiege bis zu fünf Prozent festgestellt worden. Überzogen sei derzeit vor allem der Preis für Diesel, kritisierte Albrecht. Dieser könnte bei einer Steuerdifferenz zwischen Benzin und Diesel von 21 Cent und einem Preisunterschied für Verbraucher von 14 Cent rein rechnerisch bis zu sieben Cent billiger sein.

Auch der Automobilindustrieverband VDA sieht in den hohen Preisen gerade zu Beginn der Ferien ein "Ärgernis". Steigende Preise zu Beginn der Reisesaison seien zwar ein bekanntes Phänomen, jedoch sei dies in diesem Jahr besonders ausgeprägt, sagte Verbandspräsident Bernd Gottschalk am Morgen im ZDF. Die deutschen Autohersteller gehen nach seinen Worten von anhaltend hohen Benzinpreisen aus. Das Ziel für die Autoindustrie müsse es daher sein, unabhängiger vom Erdöl zu werden, fügte Gottschalk hinzu. Die Produzenten arbeiteten daran, den Verbrauch ihrer Autos zu verringern. Dabei gehe es nicht so sehr um 3-Liter-Autos, die sich nicht durchgesetzt hätten. Vielmehr müsse der Verbrauch aller Modelle reduziert werden.

Auch bei den Tankstellenpächtern macht sich wegen ausbleibender Kunden wachsender Unmut und auch Zukunftsangst breit. Im Gegensatz zu Milliardengewinnen der Ölunternehmen erwirtschaften viele nur marginale Erträge und diese wiederum bereits seit längerem mehr mit Shop-Artikeln als mit Spritverkauf. Auch dieser Umsatz bricht bei fehlenden Tankkunden jedoch weg.

Von Hans-Peter Nacken, ddp