Renault Laguna Vive la Mittelklasse
2007 ist das Jahr der Mittelklasse. Nachdem die Autoindustrie sich zuletzt vor allem auf Kleinwagen und Nischenmodelle gestürzt hat, konzentriert sie ihre Energie in dieser Saison auf ein Segment, das 2006 mit rund 880.000 Verkäufen in Europa immerhin einen Marktanteil von 22,4 Prozent hatte. Natürlich gebührt dabei die meiste Aufmerksamkeit der neuen Mercedes C-Klasse und der jüngsten Generation des Ford Mondeo, die seit ein paar Wochen verkauft werden, sowie dem nächsten Audi A4, der seinen Einstand im September auf der IAA geben wird.
Doch spielen die Deutschen dieses Premierenstück nicht alleine. Insbesondere Renault will auf dieser Bühne künftig wieder präsenter sein und fährt ebenfalls auf der IAA die dritte Auflage des Laguna aus den Kulissen. Um die Kunden auf den Verkaufsstart von Limousine und Kombi im Oktober einzustimmen, gewähren sie den ersten Blick auf ihren Hoffnungsträger in der Mittelklasse schon jetzt.
Das ist auch bitter nötig. Schließlich muss Renault Überzeugungsarbeit leisten, wenn ein paar frankophile Familienväter und Flottenfahrer zurückerobert werden sollen und der Wagen in Deutschland vom Image des Ladenhüters befreit werden soll. Das Rezept dazu ist ein Kurs mit minimalem Risiko: Das Auto wird ein wenig größer, ein wenig moderner und ein wenig sparsamer aber die Zeit der Revolution scheint erst einmal vorbei.
Das Design wirkt gefällig, nicht polarisierend: Vorn gibt es eine lange, weit nach unten gezogene Motorhaube, große Scheinwerfer und einen breiten Lufteinlass in der Frontschürze. In der Seitenansicht zieht den auf 4,70 Meter gewachsenen Wagen ein breites Fensterband auch optisch in die Länge, während dessen Chromeinfassung für einen Hauch von Noblesse sorgt. Und am Heck glänzt nun auch der Franzose mit modernen LED-Rückleuchten.
Auf Knopfdruck flachlegen
Dazu gibt es einen frisch möblierten Innenraum, der besonders gut gedämmt ist und vornehm wirkt: So kommen je nach Ausstattungsniveau Dekorelemente in anthrazit, in Metall-Optik oder aus Holz zum Einsatz. Beim Topmodell gibt es grundsätzlich Leder und bei der Sportversion sogar ein unten abgeflachtes Lenkrad. Viel mehr Informationen zum Interieur gibt es noch nicht: Nur auf die neue Klimaanlage, die zweite Generation des schlüssellosen Zugangssystems, einen neuartigen Seitenairbag mit doppelter Kammer und zweistufiger Auslösung sowie eine praktische Mechanik für die Kombi-Rückbank, die sich auf Knopfdruck flachlegt, weisen die Franzosen bereits hin.
Unter der Haube müssen sich die Kunden zunächst noch mit einer kleinen Auswahl begnügen. Gab es beim aktuellen Modell je drei Benziner und Diesel, startet der Nachfolger erst einmal mit nur vier Motoren, die allerdings deutlich sparsamer sein sollen zumal der Wagen trotz des größeren Formats ein paar Kilo leichter geworden ist.
Auf die Spitze getrieben haben die Franzosen den Sparwillen mit einem 1,5 Liter großen Common-Rail-Motor, der sonst den Clio und den Modus antreibt und auf 110 PS kommt. Er verbraucht nur 5,1 Liter, was einem CO2-Ausstoß von 136 Gramm entspricht und damit exakt auf dem Niveau des sparsamsten VW Passat liegt. Was den Niedersachsen das Etikett "Blue Motion" wert ist, reicht auch den Parisern für ein spezielles Logo. Dort tragen Saubermänner künftig das Prädikat "Eco2".
Noch gibt es Lücken im Datenblatt
Weil 110 PS für so einen großen Wagen ein wenig knapp sein könnten und Renault das Fahrwerk angeblich viel dynamischer und direkter ausgelegt hat, wird bei den anderen Motorvarianten an der Leistung nicht weiter gespart. Der zweite Diesel schöpft aus zwei Litern Hubraum immerhin 150 PS und verbraucht 6,0 Liter. Und die beiden Benziner starten mit 140 und 170 PS. Beide haben zwei Liter Hubraum, wobei der schwächere als Sauger und der stärkere als Turbo konstruiert wurde und eine neue Sechsgang-Automatik bekommt.
Wie schnell der Laguna damit wird und wie viel er verbraucht, behalten die Franzosen noch für sich. Bis zur Markteinführung im Oktober bleibt ja noch Zeit, um die Lücken im Datenblatt zu füllen. Und auch die Preise werden noch nicht verraten. Viel Spielraum hat Renault ohnehin nicht. Wenn der Wagen besser laufen soll als der Vorgänger, darf er kaum teurer werden. Viel mehr als 22.000 Euro für die Limousine und 24.000 Euro für den Kombi werden wohl kaum drin sein.
Der neue Laguna ist zugleich auch ein Gradmesser für den Erfolg des neuen Konzernchefs Carlos Ghosn. Schließlich ist der Wagen das erste Modell, auf das der inzwischen gar nicht mehr so strahlende Manager-Star nach der Machtübernahme maßgeblich Einfluss nehmen konnte. "Mit dem neuen Laguna beginnt ein neues Zeitalter", tönen die Franzosen stolz und wiederholen das Versprechen aus dem "Vertrag 2009": Darin hat sich Renault verpflichtet, "dass der neue Laguna bei der Produkt- und Servicequalität zu den besten drei Modellen seines Segments zählen wird." Die Latte liegt hoch, und wenn der Laguna sie reißt, könnte sogar Herr Ghosn tief fallen.