Renault Mégane Golf-Gegner aus Gallien
Das Timing zeugt von Selbstbewusstsein. Just während VW die internationale Presse auf Island zu ersten Testfahrten im neuen Golf zu Gast hat, zieht Renault den Schleier von einem der wichtigsten Konkurrenzmodelle des Wolfsburger Bestsellers und veröffentlicht jetzt die ersten Fotos des neuen Mégane. Der Golf-Gegner aus Gallien feiert, wie das Original aus der norddeutschen Tiefebene, seine Publikumspremiere im Oktober auf dem Autosalon in Paris und kommt ebenfalls eine Parallele zu VW noch in diesem Herbst in den Handel.
Während VW den Bestseller allerdings nur dezent retuschiert und hauptsächlich die inneren Werte aufpoliert hat, sieht man bei Renault einen radikalen Kurswechsel. Zu provokant und extravagant war das Design des Vorgängers, als dass der sich an der Spitze der Statistik hätte etablieren können. Zwar war der Mégane inklusive aller Karosserievarianten vorübergehend sogar das meistverkaufte Auto in Europa, doch zuletzt liefen die drei- und fünftürigen Modelle allenfalls noch im Mittelfeld.
Um den Wagen wieder an die Spitze zu bringen, hat Renault das Enfant Terrible in Everybody's Darling verwandelt. Wo bislang Kanten und Knicke die Form vorgaben, wirkt der neue Mégane glatt, schnörkellos und sogar ein bisschen sportlich: Die Motorhaube ist stark gepfeilt, die Scheinwerfer laufen wie beim Mittelklassemodell Laguna bis weit in die Kotflügel, und die Flanke ist eher schlicht gehalten. Einzig die kräftig modellierten Radhäusern und die betonte Schulterlinie fallen ins Auge. Zwar wird das neue Design keine Blicke auf sich ziehen, doch zumindest irritiert diese Form auch nicht.
Eine Form, die niemanden mehr verschreckt
Noch deutlicher wird die Suche nach dem größten gemeinsamen Nenner des kollektiven Geschmacks an der Kehrseite der Karosserie, wo die Franzosen rigoros den Bürzel des Vorgängers gekappt haben. Nun läuft der Fünftürer mit den hoch gesetzten Rückleuchten und der am unteren Rand gepfeilten Heckscheibe mit einem sanften Schwung aus, wie man es auch von den Renault-Modellen Laguna Grandtour und Koleos kennt. Der Vorteil: So wächst das Kofferraumvolumen auf rekordverdächtige 405 Liter.
Auch den Passagieren dürfte der Mégane etwas mehr Platz bieten als sein Vorgänger. Obwohl der Radstand sogar auf 2,64 Meter geschrumpft ist, haben die Entwickler den Wagen um zehn Zentimeter auf 4,30 Meter gestreckt und so mehr Raum für Knie und Koffer geschaffen. Außerdem gibt es ein neues Ambiente, das geprägt wird vom Stilwechsel beim Armaturenbrett: Ähnlich wie im Kleinwagen Twingo rückt der Tacho in die Mitte und wird zur Digitalanzeige, um die sich eine kleine Lichtorgel für Tempomat und Begrenzer schmiegt. Ebenfalls neu sind nach Renault-Angaben eine automatische Parkbremse, die aktiviert wird, sobald der Motor ausgeht, ein schlüsselloses Zugangssystem und viele Ablagen, die zum Teil auch im Wagenboden versteckt sind.
Gewichtszunahme gestoppt - kaum Öko-Technik
Mit dem Generationswechsel beim Mégane folgt auch Renault dem Trend, wonach neue Autos nicht ständig größer und schwerer werden müssen. Obwohl der Wagen etwas voluminöser wurde, verringerte sich das Gewicht um acht Kilogramm. Weil zudem einige Motoren optimiert oder ganz ausgetauscht wurden und zum Teil nun Biodiesel und Ethanol getankt werden dürfen, trägt der Mégane jetzt sogar ein grünes Mäntelchen. Immerhin drei der sechs Dieselmotorisierungen von 85 bis 150 PS bleiben unter einem CO2-Ausstoß von 120 Gramm pro Kilometer. Bei den Benzinern, die eine Spanne von 100 bis 180 PS abdecken, sieht es nicht ganz so umweltverträglich aus. Denn doppelte Aufladung wie bei den TSI-Motoren von VW, Direkteinspritzung wie bei Peugeot oder Audi oder eine Start-Stopp-Automatik wie bei BMW sucht man bei Renault noch vergebens.
Dennoch: Mit dem Mégane haben die Franzosen viel vor. Zunächst wird es das Auto zwar ausschließlich als Fünftürer geben, doch kurz nach dem Jahreswechsel soll ein Dreitürer folgen, der angeblich deutlich näher an Coupés wie den VW Scirocco rücken wird. Außerdem sind ein Kombimodell, eine Stufenheckvariante, das Cabrio-Coupé sowie die Van-Typen Scénic und Grand Scénic fest eingeplant. Und wenn der Boom kleiner Geländewagen die Klimadiskussion unbeschadet übersteht, könnte es auf der Mégane-Plattform auch noch einen kompakten SUV geben. Mit dem Neuen ist also wieder zu rechnen.