Renault Ondelios Bereit zum Abheben
"Der Ondelios zeigt, wie Automobile mittelfristig aussehen könnten", sagt Renault-Designdirektor Patrick Le Quément. Es wäre schön, wenn er damit richtig läge, denn die wuchtige Studie, die unter seiner Federführung entstand und die beim Autosalon in Paris (4. bis 19. Oktober) enthüllt wird, ist ein Fahrzeug zum Schwelgen. 4,80 Meter lang, 1,60 Meter hoch und eine Form, die durchaus ein bisschen an einen Flugzeugrumpf erinnert. Außerdem gibt es imposante Flügeltüren, die auf jeder Seite den Innenraum nahezu komplett öffnen.
Dort sind sechs Einzelsitze in drei Reihen angeordnet und bis auf den Fahrerplatz sind sie alle mit einem Multimedia-System ausgerüstet. Die Studie Ondelios soll die Zukunft des Reiseautos demonstrieren. Zum Wohlbefinden an Bord soll ein Panoramaglasdach beitragen, ebenso das reduzierte Interieur, das eher als Wohnlandschaft denn als Auto-Innenraum gestaltet wurde.
Vor allem aber haben die Renault-Ingenieure auch an ein einigermaßen ökologisches Reisemobil gedacht, als sie den Ondelios konstruierten. Um Gewicht zu sparen sind die Scheiben ringsum nicht aus Glas, sondern aus Polycarbonat. Die Karosserie wiederum besteht aus Kohlefaser, ein Werkstoff, den Renault sonst nur bei den Formel-1-Rennwagen verwendet. Und um Strom zu sparen, kommen bei dem Autos ausschließlich LED-Scheinwerfer an Bug und Heck zum Einsatz - was außerdem die Gestaltungsfreiheit der Designer vergrößert.
Angetrieben wird das Konzeptauto von einem Trio, das aus einem 2-Liter-Vierzylinder-Turbodieselmotor mit 205 PS sowie zwei je 27 PS starken Elektromotoren besteht. Im Normalfall rollt der Wagen mit Dieselkraft, wird aber beim Beschleunigen von den Elektromotoren unterstützt. Zudem fungieren die beiden E-Maschinen immer dann, wenn das Tempo gedrosselt wird, als Generatoren und speisen Strom in die bordeigene Lithium-Ionen-Batterie; diese elektrische Energie wird dann wieder zum Losfahren genutzt. Außerdem soll der Elektromotor an der Hinterachse den Wagen immer dann zum Allradler machen, wenn die Vorderräder durchdrehen und das Auto aus der Spur zu schlingern droht.
CO2-Ausstoß soll bei 120 Gramm je Kilometer liegen
Dank des Hybridsystems, so Renault, verbraucht die Studie im Durchschnitt 4,5 Liter Dieselkraftstoff je 100 Kilometer, was 120 Gramm CO2 je Kilometer entspricht. Für ein Auto dieser Statur ist das kein schlechter Wert, zumal die Entwickler ein Spurtvermögen von 0 auf Tempo 100 in 7,8 Sekunden errechnet haben.
Es passt also alles. Bis auf die Tatsache, dass der Ondelios eben eine Studie ist, und wohl auch bleiben wird. Dass mittelfristig ein Renault einmal so ähnlich aussehen könnte, wie es Designchef Le Quément prophezeit, ist nur ein schwacher Trost. Denn der Konzeptwagen wirkt ja nicht wegen einiger grafischer Details so gut, sondern aufgrund des Gesamtpakets. Das aber wird es in dieser Form niemals geben.
jüp