Regeln für Rettungsgasse Platz da!
Rettungsgasse (auf der A2, Archivbild)
Foto: Peter Steffen/ picture alliance / Peter Steffen/dpaBei einem Unfall auf der A7 bei Kassel mussten Rettungskräfte am Wochenende zwei Kilometer weit zu Fuß zur Unfallstelle laufen. Der Grund: Fahrzeuge versperrten ihnen den Weg. Die Verkehrsteilnehmer hatten es versäumt, eine Rettungsgasse zu bilden. Glücklicherweise wurde bei dem Zwischenfall niemand verletzt. Im Ernstfall könnte ein solches Versagen der Verkehrsteilnehmer tragische Konsequenzen haben.
Ein Überblick darüber, wie Verkehrsteilnehmer korrekt eine Rettungsgasse bilden - und welche Konsequenzen drohen, wenn sie die Regeln nicht befolgen.
Wann muss eine Rettungsgasse gebildet werden?
Sobald die Fahrzeuge "mit Schrittgeschwindigkeit fahren" oder sich "im Stillstand befinden". Das gilt "auf Autobahnen sowie auf Außerortsstraßen mit mindestens zwei Fahrstreifen in einer Richtung". So steht es in § 11 Absatz 2 der Straßenverkehrsordnung. Die neueste Version besteht seit Dezember 2016. Die Rettungsgasse ist also Pflicht, auch wenn es keine Notfallsituation gibt.
Wie muss man sich als Autofahrer korrekt verhalten?
Eine Rettungsgasse muss laut dem Gesetz "zwischen dem äußerst linken und dem unmittelbar rechts danebenliegenden Fahrstreifen für eine Richtung" gebildet werden. Auf einer Autobahn mit drei Spuren in einer Richtung muss also zwischen der Überholspur und der mittleren Spur Platz gelassen werden. Selbst bei vier Spuren ist die Rettungsgasse seit der Neufassung des Gesetzes nicht mehr für die Mitte vorgesehen, sondern für den Raum zwischen Fahrzeugen auf der linken Spur und der Spur direkt rechts daneben.
Die Vorgabe ist eigentlich ganz einfach, in diesem Video des ADAC wird sie erklärt:
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Welche Strafe droht bei Missachtung?
Wenn Verkehrsteilnehmer keine Rettungsgasse bilden, können sie mit einem Ordnungsgeld von 20 Euro bestraft werden. Das ist beispielsweise im Vergleich zu Österreich extrem günstig: Dort kostet es 726 Euro, die Rettungsgasse nicht zu bilden und sogar 2180 Euro, wenn die Rettungsfahrzeuge direkt behindert werden - zum Beispiel dann, wenn Verkehrsteilnehmer selbst die Rettungsgasse befahren. In solchen Fällen droht in Deutschland sogar eine strafrechtliche Verfolgung.
Passieren Vorfälle wie jetzt bei Kassel öfter?
"Es ist schon noch so, dass die Rettungsgasse häufig fehlt", sagt Matthias Mänz von der Polizei Nordhessen. Auch Markus Egelhaaf von der Dekra Unfallforschung sagt, dass es hier noch Verbesserungsbedarf gebe.
Wie funktioniert die Rettungsgasse in anderen europäischen Ländern?
Auch wenn die Rettungsgasse in der Praxis offensichtlich nicht immer umgesetzt wird: Vom Gesetz her ist Deutschland hier Vorreiter. Die Regelung wurde bereits zu Beginn der Achtzigerjahre eingeführt. In Österreich ist die Rettungsgasse erst seit 2012 Pflicht, sie ist genauso wie in Deutschland zu bilden. Das gilt auch für Slowenien und die Schweiz.
In Tschechien hingegen muss die Rettungsgasse bei Fahrbahnen mit mindestens drei Fahrspuren zwischen der rechten und der links angrenzenden Fahrbahn gebildet werden. In Frankreich und Spanien müssen Verkehrsteilnehmer Einsatzfahrzeugen ermöglichen vorbeizufahren, klare Anweisungen gibt es aber nicht. Einige weitere europäische Länder wie Italien oder die Niederlande haben gar keine speziellen Vorschriften für eine Rettungsgasse.
Was wird dafür getan, dass Verkehrsteilnehmer wissen, wie es geht?
Durch die Gesetzestextänderung ist das Thema Rettungsgasse erneut durch die Presse gegangen. Aber auch hier könnte man laut DEKRA-Mann Egelhaaf "noch mehr machen". Wieder dient Österreich als Vorbild: Dort gibt es auf Autobahnen Plakate und Banner, die an die Rettungsgasse erinnern und zeigen, wie sie zu bilden ist. Aber auch in Deutschland gibt es Aufklärungskampagnen - wie die des Miniaturwunderlands in Hamburg:
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