Rollersharing: Der eigentliche Scooter-Boom - DER SPIEGEL
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Im Schatten der Tretroller Das Geschäft mit den Leihmotorrollern

E-Tretroller sind eines der kontroversesten Themen des Jahres. Gleichsam im Windschatten boomt dabei ein ganz anderes Geschäft: das Sharing von E-Motorrollern.
Boomende Scooter: Elektroroller der Sharing-Anbieter Coup und Emmy
Boomende Scooter: Elektroroller der Sharing-Anbieter Coup und Emmy

Boomende Scooter: Elektroroller der Sharing-Anbieter Coup und Emmy

Foto: Kay Nietfeld/ DPA
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45 km/h schnell, viele Kilometer Reichweite, fahrbar mit dem Autoführerschein - diese Faktoren machen elektrische Motorroller extrem praktisch. Erfolgreich sind die kleinen Zweiräder jedoch vor allem als Sharing-Fahrzeuge. So stieg die Zahl der Leihmotorroller im Jahr 2019 weltweit um 164 Prozent. Auch in Deutschland wuchs der Markt stark: um rund 42 Prozent.

Das zeigt der Global Scooter Sharing Market Report 2019 des Rollerherstellers Unu , in den die Aktivitäten von 54 Anbietern aus 21 Ländern eingeflossen sind. 4187 Sharingroller sind den Autoren zufolge in Deutschland unterwegs - vor allem elektrisch. Weltweit sind 70,6 Prozent der Flitzer Elektrofahrzeuge. Rechnet man den indischen Markt heraus, beträgt der Anteil der Stromer an den Mietroller-Flotten sogar 99 Prozent.

"Wenn es ein ideales Fahrzeug für den E-Antrieb im Sharingmodus gibt, dann ist es der Motorroller", sagt Andreas Knie, Verkehrsforscher am Wissenschaftszentrum Berlin. "Er ist bezahlbar, die Akkus können einfach getauscht werden und sind groß genug für eine ordentliche Reichweite." Der Roller schließe damit die Lücke zwischen Fahrrad und Auto, so Knie: "Das ist ein seriöses Verkehrsmittel, das Strecken zwischen 3 und 15 Kilometern gut überbrückt."

Dieses Rezept scheint weltweit zu funktionieren. So stieg die Zahl der Nutzer der Studie zufolge global von 350.000 im Jahr 2017 auf knapp 4,8 Millionen 2019. Die Branche wächst vor allem in zwei Regionen: in Europa, wo Portugal (253 Prozent), Italien (281 Prozent) und Belgien (385 Prozent) starke Zuwächse verzeichneten. Größter Wachstumstreiber ist jedoch Indien, das im Jahr 2018 noch keine nennenswerte Rolle spielte - wo nun aber zwischen 15.000 und 20.000 Leihroller unterwegs sind. Damit verwies das Land Spanien und seine 13.500 Roller auf den zweiten Rang.

"Das starke Wachstum in Indien ist ein Sondereffekt", schränkt Verkehrsforscher Andreas Knie jedoch ein. Die Menschen dort seien an Roller gewöhnt, gleichzeitig sei der Verkehr sehr dicht - dadurch seien kleine und flexible Fahrzeuge beliebt. "Außerdem gibt es dort viele Kunden, die den Bus nicht nutzen wollen, aber kein eigenes Auto haben", so Knie.

Das Wachstum auf dem indischen Markt spiegelt sich auch in den Zahlen der einzelnen Städte wider. So wuchs die Zahl der Sharing-Roller in Bangalore mit über 15.000 Rollern genauso stark wie in allen anderen Städten. Europas Scooter-Hauptstädte sind Paris und Madrid mit rund 6300 Fahrzeugen. Doch auch Berlin liegt mit 2300 Rollern auf einem europäischen Spitzenplatz.

"Das ist das fortschrittlichste Verkehrsmittel, das wir derzeit haben", sagt Verkehrsforscher Knie. "Aber es ist eben auch ein Schönwetterfahrzeug, im Winter ist die Nutzung in Deutschland relativ schwierig." Das könnte hierzulande dem Wachstum Grenzen setzen - wenn es nicht wirtschaftliche Risiken tun. Zwar liegt die Nutzungsrate der Roller der Studie bei gut geführten Anbietern zufolge derzeit bei acht Ausleihen pro Tag mit einer Nutzungsdauer von rund 15 Minuten.

Das sei auch ideal, erklärt Knie. "In der Realität sind diese Werte aber wahrscheinlich noch nicht dauerhaft erreichbar. Und es fehlt hier bisher auch ein passendes Geschäftsmodell, denn die meisten Anbieter dürften noch nicht profitabel sein, vor allem da die Geräte teurer als E-Tretroller oder Fahrräder sind." Deshalb werde sich der Markt konsolidieren, so Knie.

Derzeit gibt es noch eine Vielzahl an Anbietern. So sind in 20 Städten mehrere Firmen aktiv. Die höchste Auswahl haben Nutzer der Studie zufolge in Madrid, wo gleich sechs Sharingfirmen um Kunden kämpfen. Insgesamt zählten die Autoren 54 Anbieter, die in 88 Städten aktiv sind. Doch die meisten dieser Anbieter sind vergleichsweise klein. So betreiben mit Vogo, eCooltra, Bounce, Cityscoot und dem Bosch-Start-up Coup fünf Anbieter 56 Prozent der gesamten Sharing-Flotte.

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Der für die Verkehrswende entscheidende Faktor lasse sich in so einer Studie jedoch nicht abbilden, erklärt Verkehrsforscher Knie: "Die Roller müssen digital in die Apps für den öffentlichen Nahverkehr integriert werden." Ansonsten werde das System durch die vielen Anbieter zu unübersichtlich. "So ein Angebot macht nur Sinn, wenn ich es sofort erfassen und auch nutzen kann", so Knie.

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