Rolls-Royce HP10: Der Millionen-Methusalem - DER SPIEGEL
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Rolls-Royce HP10 Der Millionen-Methusalem

Für Rolls-Royce-Enthusiasten beginnt die Modellgeschichte der Firma oft erst 1906 mit dem Silver Ghost. Doch schon davor gab es Autos der 1904 gegründeten Firma. Eines davon wird demnächst bei Bonhams in London versteigert.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Am 4. Mai des Jahres 1904 schlossen sich der adelige Kaufmann Charles Rolls und der Techniker Henry Royce zusammen, um gemeinsam Autos zu bauen. Damals war das noch eine Sache von wenigen Monaten, denn bereits im Herbst des Jahres war das Modell 10 HP fertig. Auf dem Autosalon in Paris stand ein solcher Wagen mit der Fahrgestellnummer 20154 – und genau dieses Modell soll am 3. Dezember bei einer Auktion in London angeboten werden . Es handelt sich angeblich um das vierte von Rolls-Royce gebaute Auto überhaupt, und um das älteste noch erhaltene Modell der Marke, die kurz darauf durch ihr Sechszylinder-Modell Silver Ghost und ab 1911 mit der legendären Kühlerfigur Spirit of Ecstacy Weltruhm errang.

Der offene Zweisitzer mit weinroten Lederpolstern und schnörkelloser Linienführung ist der Star unter den Autoraritäten, die vom Auktionshaus Bonhams im Olympia in London angeboten werden. Eine Kaufsumme von mehr als eine Million Pfund, also gut 1,3 Millionen Euro, erwartet Stewart Skilbeck, der Oldtimer-Experte von Bonhams. "Es ist das erste Mal seit dieses Auto gebaut wurde, dass es auf dem freien Markt angeboten wird. Wir erwarten daher ein hohes Interesse von Sammlern auf der ganzen Welt."

Wie immer, wenn es um Autoraritäten der obersten Preiskategorie geht, herrscht höchste Diskretion. Vom gegenwärtigen Besitzer der PS-Preziose weiß man nur soviel, dass er den Wagen seit 30 Jahren in seiner Garage stehen hat und dass er aus Großbritannien stammt. Immerhin sind ein paar Details aus den ersten Jahrzehnten des Autolebens von Nummer 20154 bekannt. Im Februar 1905 wurde es in London bei einer Autoausstellung im Olympia gezeigt. Noch im gleichen Jahr besaß ein gewisser Doktor Briggs den Wagen für kurze Zeit – eventuelle wollte er ihn ausführlich Probe fahren.

Einziger Rolls, der bei London-Brighton mitfahren darf

Gekauft hat Mister Briggs das Auto offenbar nicht, denn als erster richtiger Besitzer tritt Kenneth Gillies aus dem Ort Tain in Schottland in Erscheinung. Der wiederum verkaufte den Wagen weiter an Percy Binns aus Harrogate in der Grafschaft Yorkshire. Dort in Yorkshire wurde das Auto 1950 aufgefunden – in einem ziemlich trostlosen Zustand allerdings und mit einer umgebauten Karosserie. Oliver Langton, im Hauptberuf zeitweise Speedway-Rennfahrer, nahm sich des Wagens an und versetzte ihn akribisch wieder in den Originalzustand.

Vielleicht, um die Gebote noch etwas anzuheizen, vielleicht auch, um den Sportsgeist in den potenziellen Käufern zu wecken, erwähnt Stewart Skilbeck gern eine Nebensächlichkeit von Rolls-Royce Nummer 20154: "Dieses Auto ist übrigens der einzige Rolls-Royce, der am prestigeträchtigen Oldie-Rennen London-Brighton teilnehmen darf." Denn dort sind nur Fahrzeuge der Baujahre bis 1905 zugelassen. Und mit einem 1,3-Millionen-Schnauferl für einen Podestplatz um die Wette zu tuckern, das wäre auch für Millionäre noch was Außergewöhnliches.

jüp