Rover: "In vielen Ländern überflüssig" - DER SPIEGEL
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Rover "In vielen Ländern überflüssig"

Was sich lange ankündigte, steht nun fest: BMW trennt sich von seiner britischen Tochter. Doch welche Chancen hat Rover als eigenständige Marke auf dem europäischen Markt? Keine guten, meinen Experten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bamberg - "Die Marke ist in vielen europäischen Ländern überflüssig, in Deutschland ist zum Beispiel jede Nische abgedeckt", sagte der Leiter der Bamberger Forschungsstelle Automobilwirtschaft, Wolfgang Meinig. Rover habe zudem keine innovativen Produktideen, so sei der vor einigen Monaten auf den Markt gebrachte Rover 75 in Großbritannien ein Misserfolg. "Eine Marke, die monatelang im Gerede ist, verunsichert Käufer und Händler, das belastet die Marke zusätzlich", sagte Meinig. Die Käufer müssten daher nach Einschätzung des Experten "gigantisch" in Rover investieren.

Die BMW-Verkaufspläne sind nach Ansicht des Wirtschaftswissenschaftlers die logische Folge einer fehlgeschlagenen Integrationspolitik. "Die schlüssige Positionierung der BMW-Gruppe mit den vier Standbeinen BMW, Rover, Land Rover und Mini ist im Markt nicht gelungen", sagte Meinig. Rover sei im Verständnis des Verbrauchers britisch geblieben und werde nicht mit dem Münchner Autobauer in Verbindung gebracht. "Es ist besser, sich einen Verlustbringer vom Hals zu schaffen, wenn er den Konzern zu sehr belastet", sagte Meinig. Allein im vergangenen Jahr war laut Analysten bei Rover ein Minus von mindestens 2,5 Milliarden Mark angefallen.

Den von den britischen Gewerkschaften befürchteten massiven Arbeitsplatzverlust sieht Meinig als durchaus realistisch an. In Großbritannien sei mit dem Verlust von mindestens 20.000 Stellen zu rechnen, einschließlich der Zuliefer auch mit 50.000 Stellen. "Die Arbeitsplätze bei Rover stehen wirklich auf der Kippe."

Die bisher an die Öffentlichkeit gedrungenen Pläne, nach denen BMW nur die Marke Rover verkaufen, Mini und Land Rover aber behalten will, kritisierte der Experte. "Das ist so, als ob man einem Vierbeiner ein Bein amputieren würde und er nur noch drei Beine hat", sagte Meinig. Die Marke BMW sei zudem "als sportlich-dynamische Marke zu stark positioniert, um mehrere Marken brauchen zu können."