Rückrufwelle GM beordert erneut 3,4 Millionen Autos in die Werkstatt
Technikcenter von GM: Reparaturkosten in Höhe von zwei Milliarden Dollar
Foto: Bill Pugliano / AFPDetroit - Der US-Autobauer General Motors kommt nicht aus den schlechten Schlagzeilen. Nach einem erneuten Massenrückruf wegen mangelhafter Zündschlösser muss GM nun insgesamt etwa 20 Millionen Autos reparieren. Das ist die zweifache Jahresproduktion des Konzerns. Die veranschlagten Kosten für die Reparaturen steigen wegen der jüngst entdeckten Probleme um 300 Millionen auf zwei Milliarden Dollar - umgerechnet etwa 1,5 Milliarden Euro.
General Motors hatte am Montag die Rückrufe Nummer 39 bis 44 in diesem Jahr gestartet. Betroffen sind diesmal 3,4 Millionen Autos - überwiegend Limousinen der Marken Chevrolet, Buick und Cadillac der Jahrgänge 2000 bis 2014. Fahrzeuge der Europatochter Opel sind nicht darunter.
Auch bei dem jüngsten Rückruf können infolge eines Zündschlossproblems Bremskraftverstärker, Servolenkung und Airbags ausfallen. GM wisse von acht Unfällen mit sechs Verletzten, erklärte der Konzern in Detroit.
Für GM bedeuten die erneuten Rückrufe einen immensen Schaden - wirtschaftlich, aber auch fürs Image. Zündschlossprobleme bei 2,6 Millionen Kompaktwagen hatten die Rückrufwelle Anfang des Jahres ausgelöst. Laut GM habe das Problem zu 13 tödlichen Unfällen geführt; Verbraucherschützer gehen von einer deutlich höheren Anzahl aus. Besonders prekär: Ingenieure kannten das Problem seit mehr als zehn Jahren, unternahmen aber nichts.
Für GM bedeutet der Rückruf einen finanziellen Kraftakt
Für die seit Jahresbeginn amtierende Konzernchefin Mary Barra bedeutet das Rückruf-Desaster die erste große Bewährungsprobe. Sie hat Aufklärung versprochen und lässt nun gezielt nach Mängeln fahnden. Manche Autos müssen gleich wegen mehrerer Fehler in die Werkstätten, was die Gesamtzahl etwas verzerrt.
Die Aufarbeitung früherer Fehler stellt für GM einen finanziellen wie logistischen Kraftakt dar: Im ersten Quartal hatte der Konzern 1,3 Milliarden Dollar für Reparaturen zur Seite gelegt und deshalb einen Gewinneinbruch verbucht. Im zweiten Quartal werden weitere 700 Millionen Dollar fällig. Für einige Modelle sind Ersatzteile derzeit nicht in ausreichender Stückzahl vorhanden und müssen erst noch hergestellt werden. Dies wird Monate dauern.
An diesem Mittwoch muss sich die Konzernchefin erneut den Fragen von Kongressabgeordneten in Washington stellen. Thema ist der Bericht des Anwalts Anton Valukas, der im Auftrag der GM-Führung den Fall des verschleppten Zündschlossrückrufs untersucht hatte. Dabei kamen schwere Mängel ans Licht.
Gegen GM laufen zahlreiche Klagen von Unfallopfern
Der Konzern feuerte aufgrund des Berichts 15 Mitarbeiter. In einer emotionalen Rede bat Barra anschließend um Entschuldigung bei den Unfallopfern oder deren Hinterbliebenen und versprach eine Entschädigung. "Das hätte niemals passieren dürfen", sagte die Managerin damals. "Wir haben unseren Job einfach nicht gemacht."
GM musste wegen der Schlampereien mit den Zündschlössern bei den Kompaktwagen bereits eine Strafe von 35 Millionen Dollar zahlen. Zudem laufen zahlreiche Klagen gegen das Unternehmen von Autobesitzern und Unfallopfern oder deren Familien. Die weitaus größte Zahl der problematischen Wagen wurden in den USA verkauft, dahinter folgen Kanada und Mexiko.