Runter vom Gas Die Kunst des Ferrari-Einfahrens
"Wir empfehlen, Motor und Getriebe auf den ersten 1000 Kilometern schonend zu behandeln, das heißt, die Maschine nicht über 5000 Touren pro Minute zu drehen", sagt ein Ferrari-Sprecher. "Solange die Öltemperatur noch niedrig ist, sollte sogar bei 4000 Umdrehungen Schluss sein." Das verlangt den ganzen Mann am Steuer: Einen Beinahe-Rennwagen im gemächlichen Trab zu halten, ist für manchen Fahrer wesentlich schwerer, als ihn im Galopp über die Piste zu jagen.
Die Empfehlungen, die bei nahezu allen Herstellern ähnlich lauten, mögen Technik-Enthusiasten überraschen - werben die Hersteller doch ständig mit noch perfekteren Triebwerken, noch exakterer Produktion, noch geringeren Toleranzen. Aber selbst bei modernen Fertigungsmethoden können minimale Unregelmäßigkeiten in der Struktur und auf der Oberfläche des Werkstoffs auftreten. Diese nur Bruchteile von Millimetern messenden Erhebungen, Gussnähte oder Späne auf beweglichen Teilen in Motor und Antriebsstrang stehen einem wirklich reibungslosen Lauf entgegen. Das Rezept gegen solche Miniatur-Hindernisse lautet: Behutsamkeit in den ersten Betriebsstunden.
Audi und VW empfehlen zum Beispiel in ihren Betriebsanleitungen, man solle während der ersten 1000 Kilometer kein Vollgas geben und auch das letzte Viertel des Tachometers meiden. Außerdem rät Audi, nicht gleich bei den ersten Fahrten mit dem neuen Wagen einen Anhänger anzukuppeln. Auch von Porsche gibt es Tipps für den Neuwagenkäufer: Drehzahl unter 5000 Touren halten, die Belastung des Triebwerks häufig wechseln und die Anforderungen an den Motor langsam steigern. Ähnliches rät Opel den Neuwagen-Käufern. Immerhin kann aber Sprecher Manfred Daun Entwarnung geben für den Fall, dass der Bleifuß doch einmal zu schwer wird: "Wer gleich mit Vollgas losfährt, erreicht zwar möglicherweise nicht die maximale Leistung des Motors, aber er macht zumindest nichts kaputt."
Allerdings sollten die Einfahrhinweise bis zum Ende durchgelesen werden. Denn nach der Schonzeit in der ersten Einlaufphase, so empfehlen die Betriebsanleitungen unisono, sollten die Anforderungen an den Motor allmählich bis zur Höchstgeschwindigkeit gesteigert werden. Andernfalls könnte es passieren, dass sich die Maschine im Bummelgang einrichtet und die letzten Prozente ihres Potenzials niemals ausnutzen wird.