Rußfilter-Einbau Autoclubs raten zum Abwarten
Frankfurt/München - Es sei noch unklar, ob es in Gegenden mit hoher Feinstaubbelastung tatsächlich zu Fahrverboten für ungefilterte Diesel-Pkw kommt, sagte Sven Janssen vom Automobilclub von Deutschland (AvD) in Frankfurt. Besitzer älterer Dieselfahrzeuge sollten zunächst warten, wie die jetzt in München erhobene Klage ausgeht.
Die Deutsche Umwelthilfe hatte gestern in München eine Klage wegen überschrittener Feinstaubgrenzwerte eingereicht. Seit Jahresbeginn gilt eine EU-Richtlinie, wonach an maximal 35 Tagen im Jahr höchstens 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft erreicht werden dürfen. München hatte bereits am Ostersonntag den Jahresgrenzwert überschritten. Experten gehen davon aus, dass weitere Städte bald vor der gleichen Situation stehen.
Es bestehe jedoch "kein Grund zur Panikmache", sagt Andrea David, Leiterin des Bereichs Verkehrspolitik und Verbraucherschutz beim ADAC in München. Der Verkehr - inklusive der Abgase von Lastwagen - trage nur zu rund einem Viertel zur Feinstaubbelastung bei. Ein erheblicher Anteil der in Städten gemessenen Feinstäube werde von außerhalb hergeweht. Straßensperrungen und Fahrverbote bewirkten daher keine Verbesserung, sondern provozierten nur Ausweichverkehr und zusätzliche Staus. "Die Frage ist, was einem der Filter nützt", sagt auch AvD-Sprecher Janssen. Wenn von Dieselbesitzern eine Nachrüstung verlangt werde, müsse im Gegenzug auch etwas gegen die übrigen Verursacher unternommen werden.
Regelung zur Kennzeichnung fehlt
Wenn es tatsächlich zu Fahrverboten kommt, ist nach Janssens Ansicht unklar, wie diese umgesetzt werden sollen: "Woran erkennt denn der Polizist, dass ein Fahrzeug einen Rußfilter hat oder nicht?" Laut Janssen gibt es bislang keine Regelung zur Kennzeichnung. Die früheren Smoggesetze hätten immerhin noch die "G-Kat"-Aufkleber für Katalysator-Fahrzeuge vorgesehen. Die Regelung sei aber ausgelaufen und eine neue, die auch gefilterte Diesel einbezieht, nicht in Sicht. Um bei Fahrverboten sicherzugehen, müsste die Polizei jeden Diesel "aufbocken und nachschauen", ob ein Filter eingebaut ist. In den Fahrzeugpapieren ist der Filter nicht eingetragen.
Die Clubs befürworten zwar grundsätzlich die Nachrüstung älterer Diesel "aus ökologischer Sicht", wie es beim Auto Club Europa (ACE) in Stuttgart heißt. Allerdings solle es dafür steuerliche Anreize geben, forderte AvD-Sprecher Janssen. So gebe es bislang lediglich eine Absichtserklärung der Bundesregierung, die Filternachrüstung mit 250 Euro zu fördern. Über die Finanzierung gebe es zudem noch Streit mit den Ländern.
"Wer sich jetzt einen Filter anschafft, kann nicht davon ausgehen, dass er gefördert wird", sagte der AvD-Sprecher. Ob im Jahr 2006 die Förderung eingeführt wird, sei ebenfalls ungewiss. Bei Kosten von rund 650 Euro, die für den nachträglichen Einbau eines Filters fällig werden, rechne sich die Nachrüstung nicht, sagte Janssen.
Bei Neuwagen auf Filter achten
Wegen der Feinstaubdiskussion ein Auto mit ungefiltertem Diesel überstürzt zu verkaufen, hält Andrea David vom ADAC für keine gute Alternative. Diesel hätten nach wie vor gegenüber Benzinern viele Vorteile - zum Beispiel in Sachen Kraftstoffverbrauch.
Für Diesel-Neufahrzeuge ist ein Partikelfilter dagegen laut Janssen schon ein finanzielles Argument: So erhöhe ein ab Werk eingebauter Filter den Wiederverkaufswert des Fahrzeugs erheblich. Da noch immer nicht alle Hersteller für ihre Dieselmodelle Filter anbieten, sollten Neuwagenkäufer entweder genau überlegen, ob sie noch ein Fahrzeug ohne Filter kaufen, mit dem Kauf abwarten oder eben ein anderes Fahrzeug wählen, das den Filter schon besitzt. Auch Gert Schleichert, Leiter der Abteilung "Auto und Verkehr" beim ACE, rät von Neuwagen ohne Filter ab: "Neue Dieselfahrzeuge sollten nur noch dann zugelassen werden, wenn sie dem Stand heutiger Technik entsprechen."
Rußpartikel aus Dieselfahrzeugen gelten neben Emissionen aus Industrie- und Heizungsanlagen sowie Reifen- und Bremsabrieb als eine der Ursachen für die Feinstaubbelastung. Als Gegenmaßnahme sind unter anderem Fahrverbote für Diesel-Pkw ohne Partikelfilter im Gespräch.
Felix Rehwald, gms