Rußpartikelfilter: Fragezeichen im Nebel - DER SPIEGEL
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Rußpartikelfilter Fragezeichen im Nebel

Zwar hat die Regierung in Berlin die Partikel-Plaketten beschlossen, und die Produktion von Nachrüstfiltern läuft auf Hochtouren. Doch ob und wann der Einbau lohnt, bleibt umstritten. Neuwagenkäufer von Dieselmodellen haben es da meist einfacher.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die von der Bundesregierung verabschiedete "Verordnung zur Kennzeichnung emissionsarmer Fahrzeuge" sollte für Ruhe in der Diskussion um den Rußpartikelfilter sorgen. Doch in den Qualmwolken hinter betagten Dieselfahrzeugen hängen noch immer Fragezeichen, und das nicht nur, weil die Verordnung erst noch durch den Bundesrat muss. Viele Verbraucher sind weiter verunsichert, weil nach wie vor nicht über eine Steuerbegünstigung für Fahrzeuge mit oder eine Strafsteuer für Selbstzünder ohne Filter abgestimmt wurde. So fällt vielen die Entscheidung für eine Nachrüstung noch immer schwer.

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Rußpartikelfilter: Stochern im Dieselqualm

Foto: AP

Vom Kabinett verabschiedet ist eine Regelung, wonach alle Fahrzeuge entsprechend ihrer Schadstoffemissionen mit einem weißen Aufkleber gekennzeichnet werden können. Diese Plakette wird in den Emissionsstufen 1 bis 5 ausgegeben und soll als Anhaltspunkt für Fahrverbote bei erhöhter Feinstaubbelastung gelten. Die für Feinstaub gültigen Grenzwerte wurden im letzten Jahr in rund 30 deutschen Städten überschritten. Und in diesem Jahr hatten am 21. Februar bereits zwölf Messstationen 25 der 35 pro Jahr erlaubten Überschreitungen registriert, so dass auch 2006 wieder mit Fahrverboten zu rechnen ist. Welche Autos dann noch in die Innenstädte dürfen, entscheiden die nach Landesrecht zuständigen Behörden individuell.

Als sicher gilt jedoch: Je höher die Zahl auf der Plakette, desto unwahrscheinlicher ein Fahrverbot. Und mit der 5 auf der Scheibe hat man auf jeden Fall freie Fahrt. Die Aufkleber, für die ein Preis von einem Euro diskutiert wird, gibt es bei den Landesbehörden und bei allen für die Abgasuntersuchung zugelassenen Stellen - also auch bei rund 30.000 Werkstätten.

Viele Steuerfragen sind allerdings noch offen. So wird ein Steuerbonus von 250 Euro diskutiert, mit dem die Autofahrer zur Nachrüstung motiviert werden sollen. Weil die Kassen in Berlin chronisch leer sind, sollen dieses Geld all jene Diesel-Fahrer aufbringen, die auf eine Umrüstung verzichten und deshalb eine Strafsteuer entrichten - doch entschieden ist das noch nicht.

Experten raten: Abwarten mit der Nachrüstung

Selbst der umweltfreundliche Verkehrsclub Deutschland (VCD) als vehementer Befürworter des Rußpartikelfilters tut sich schwer mit Ratschlägen. "Natürlich wäre es wünschenswert, wenn jetzt so schnell wie möglich alle Diesel umgerüstet würden", sagt Gerd Lottsiepen, der verkehrspolitische Sprecher des Vereins. "Doch meinem besten Freund würde ich zum Abwarten raten", gesteht er. Vor allem deshalb, weil noch technische Fragen offen sind. Lottsiepen: "Bislang wird nur die Nachrüstung von den sogenannten offenen Systemen diskutiert. Damit bekommt man zwar auch die 4 auf der Partikel-Plakette. Doch sind diese Anlagen längst nicht so effektiv wie ein geschlossener Filter."

Geschlossene Filter jedoch werden im Moment noch nicht zur Nachrüstung angeboten, außerdem wären sie mit rund 1000 Euro teuerer für den Autobesitzer als offene Systeme. "Wenn es dafür eine erhöhte Förderung von 600 Euro gäbe, dann wäre der Unterschied zum offenen System nicht mehr so groß." Und die Hersteller würden sich für eine serienmäßigen Produktion entscheiden. "Deshalb brauchen wir aus Berlin schnellstmöglich eine Entscheidung", sagt der VCD-Sprecher, "damit es mit der Umrüstung endlich losgehen kann."

Auch Marktbeobachter raten zur Zurückhaltung. "Man sollte genau prüfen, ob sich das lohnt", sagt zum Beispiel Ferdinand Dudenhöffer von der Fachhochschule Gelsenkirchen. "Als Grundregel gilt: Je älter das Auto, desto weniger Sinn macht die Filternachrüstung." Stattdessen empfiehlt er in solchen Fällen eher den Kauf eines Neuwagens mit der Abgasnorm Euro 4 und bereits installiertem Rußpartikelfilter. "Das ist die absolut umweltfreundlichere Alternative. Und wer dann noch auf dem Land wohnt, kann die Plaketten-Spielerei getrost vergessen."

Eine Filternachrüstung kostet etwa 650 Euro

Wer sich allen Unklarheiten zum Trotz schon heute für die Nachrüstung mit einem offenen Filter entscheidet, kann jetzt zumindest einen Termin bei der Werkstatt machen. Denn nachdem die Zulieferer das gesamte letzte Jahr auf eine Entscheidung der Regierung gewartet und die Produktion gestoppt hatten, laufen die Maschinen bei Unternehmen wie TwinTec oder HJS auf Hochtouren. Dort gibt es nun Nachrüstlösungen für bis zu 250 verschiedene Fahrzeugtypen, die zu Preisen ab etwa 650 Euro innerhalb einer Stunde in den Abgasstrang eingebaut werden. Die Systeme mindern den Rußpartikelausstoß um 30 bis 40 Prozent und kommen damit über die Hürden, die Berlin für die beste Emissionsplakette aufgestellt hat.

Viel leichter haben es Neuwagenkäufer. Wer sich heute für einen Diesel entscheidet, wird in aller Regel gleich einen Rußpartikelfilter mitbestellen. Wenn er nicht ohnehin schon zur Serienausstattung gehört. Denn klar ist, dass neue Autos ohne Filter unter einem überdurchschnittlichen Wertverlust zu leiden haben. Außerdem müssen sich Diesel-Neuwagenfahrer mit Filter keine Gedanken über Fahrverbote machen. "Den von der Verordnung vorgeschriebenen Rußpartikel-Grenzwert von 0,005 Gramm pro Kilometer erfüllen alle Mercedes-Pkw mit ihrem serienmäßigen Filter", sagt Rudolf Thom, Zertifizierungsexperte bei Mercedes in Stuttgart. "Wer in diesem Fall eine Plakette beantragt, bekommt auf jeden Fall die Stufe 5 und hat immer freie Fahrt."