Saab 9-3 Es geht wieder was
Das Entwickeln von Autos sei ein ernstes Geschäft, erklären die Hersteller gerne. Man dürfe sich keine Flops mehr erlauben und müsse deshalb hoch konzentriert an die Arbeit gehen. Doch manchmal lachen sie auch in den Entwicklungsabteilungen.
Saab liefert jetzt den Beweis: Als Diplom-Ingenieur Ekkehard Schwartz, bei den Schweden der Chef der Fahrwerksentwicklung, gebeten wurde, die Kernbotschaft des neuen Fahrzeugs zu beschreiben, griff dieser zu einem Blatt Papier und zückte einen roten Stift. Dann zeichnete Schwartz nicht etwa eine Mehrlenker-Hinterachse auf, sondern ein Männchen in der Position eines Autofahrers, das aus vollem Halse lacht.
Das schon leicht knittrige Blatt Papier nutzt Saab jetzt, um die von Grund auf erneuerte Modellreihe 9-3 zu vermarkten: Schwartz habe die zentrale Botschaft des Autos hingekritzelt, erläutern die Schweden. "Der pure Fahrspaß ist alles, um das es geht."
Das sagt natürlich gar nichts. Denn diesen Satz nimmt so ziemlich jeder Autohersteller für seine Produkte in Anspruch. Die GM-Tochter Saab nun also auch. Das neue Mittelklassemodell spricht die Formensprache vieler zuletzt präsentierter Viertürer: Weil der Wagen möglichst sportlich wirken soll, läuft die C-Säule in einem eleganten Schwung aus, wodurch der Dachbogen gestreckt, einigermaßen elegant und durchaus auch sportlich wirkt.
Mit 4,63 Meter Länge ist der neue 9-3 gegenüber dem Vorgänger äußerlich nicht gewachsen. Durch einen Zuwachs in der Breite und beim Radstand wuchs jedoch der Platz für die Passagiere. Erste Bilder des neuen Modells zeigen ein modern geformtes Auto, bei dem sich die Designer offenbar vor allem um das Styling der Frontpartie gekümmert haben. Von vorne sieht der Wagen frisch und interessant aus, von der Seite und von hinten eher konventionell und unauffällig.
Beim Antrieb halten sich die Schweden gar nicht erst mit kleineren und dafür sparsamen Aggregaten auf. Drei 2-Liter-Vierzylinder-Benzinmotoren werden angeboten, die mit Leistungen zwischen 150 und 210 PS (110 bis 147 kW) aufwarten. Ergänzt wird die Palette durch einen 2,2-Liter-Turbodiesel mit 125 PS (92 kW). Alle Modelle sind mindestens 200 km/h schnell, zur Kraftübertragung stehen ein Fünf- und ein Sechsgang-Schaltgetriebe sowie eine Fünfgang-Automatik zur Verfügung.
Sehr aufwändig wurde das Fahrwerk gestaltet, die Lenkung sehr direkt ausgelegt. Saab verspricht deshalb einen "Fahrspaß, der die bisherigen Maßstäbe dieser Klasse neu definiert". Wer es selbst erfahren möchte, muss sich noch ein wenig gedulden. Ab Mitte September soll der Wagen bei den deutschen Händlern stehen.
In den dann noch verbleibenden Wochen des Jahres 2002 erhofft sich Saab einen ordentlichen Zuwachs der Verkaufszahlen. "Ich gehe von insgesamt deutlich mehr als 9000 Zulassungen aus", sagt Deutschland-Geschäftsführer Johannes Cürten. Im vergangenen Jahr setzte Saab hierzulande 8158 Fahrzeuge ab.
Damit die Wachstumsperiode anhält, sind für die kommenden Jahre weitere Versionen des Saab 9-3 geplant. Dazu gehören vermutlich ein Kombimodell und eine etwas höher gelegte, geländegängige Version. Auch ein Cabrio auf Basis des neuen 9-3 ist in Vorbereitung, doch bis dahin wird das bisherige Modell weiter gebaut und angeboten.
Umgekrempelt wird nicht nur die Modellpalette, sondern auch der Vertrieb. Inzwischen wurden in Deutschland 50 Händlerbetriebe nach den neuen "Unlimited"-Standards des Unternehmens auf Vordermann gebracht. Weitere 30 sollen bis Jahresende folgen. Und natürlich sogenannte City-Center in Toplagen von Großstädten. In Berlin und Dresden gibt es sie bereits, in Hamburg und in München werden im August zwei weitere Betriebe eröffnen.