Saab 9-X Bio-Hybrid: Grünes Schweden-Häppchen - DER SPIEGEL
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Saab 9-X Bio-Hybrid Grünes Schweden-Häppchen

Egal ob Geländewagen, Van oder ganz normales Auto: Je kleiner die Karosserie, desto größer sind derzeit die Absatzchancen. Das hat auch Saab verstanden: Schon am Vorabend des Genfer Autosalons enthüllte die Marke die Studie eines neuen Kompaktwagens.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

In den letzten Jahren hat es oft so ausgesehen, als werde Saab bereits abgewickelt. Doch glaubt man Jan Åke Jonsson, dann ist das genaue Gegenteil der Fall. "Wir sind eine Marke im Aufbruch", sagt der Vorstand der schwedischen General Motors-Tochter. Als Beweis für diese Aussage rollte Jonsson vor allen anderen Herstellern am Vorabend des Genfer Autosalons bereits die zweite Designstudie binnen nicht einmal drei Monaten ins Rampenlicht.

Auf der Motorshow im Januar in Detroit zeigte Saab den bereits ziemlich seriennahen Geländewagen 9-4X. In Genf jedoch serviert die Designabteilung ein überraschend kleines Schweden-Häppchen. Denn im edlen Parc des Eux Vives im Südosten der Stadt wurde die brandneue Studie 9-X enthüllt, die einen Ausblick darauf gibt, wie die Schweden ihre Marke in Zukunft auch in Richtung Kompaktklasse öffnen könnten.

Dafür hat Saab, ganz ähnlich wie Volvo mit dem C30, einen schmucken Dreitürer für die sportlich-feine Ecke des Kompaktsegments entworfen, der sich angesichts des Formats die Plattform mit dem nächsten Opel Astra teilen könnte. Stilistisch orientiert sich die Studie an der vor zwei Jahren am selben Ort enthüllten Sportwagenstudie AeroX, die Saab als Referenz für alle neuen Modelle deklariert.

Von diesem Renner übernimmt der 9-X deshalb den markanten Kühlergrill, die beiden großen Scheinwerfer sowie die typische, weit in die Seiten gezogene Frontscheibe, die an das Visier eines Pilotenhelmes erinnern soll. Dazu bekommt das Auto eine glatte Flanke mit kurzen Überhängen, eine gewölbten Dachlinie, unsichtbare Türgriffe, Kameras statt Außenspiegel und 21-Zoll-Räder im Turbinen-Design. Zudem ein Heck, das wirkt, als wäre es mit der Guillotine abgehackt worden.

Pfiffiges Ladesystem im Heck

Für die Kehrseite haben die Designer eine zweigeteilte Klappe und ein pfiffiges Ladesystem entworfen: Wird die untere Hälfte über einen gewissen Winkel geöffnet, fährt automatisch ein elektrischer Ladeboden aus. Schon vorher allerdings tauchen aus dem rutschfesten Gummiboden Alustäbe auf, über die Koffer und Taschen fast von selbst gleiten sollen. Schließt man die Klappe wieder, tauchen die Gleitschienen ab und die Ladung ist automatisch auf dem Gummiboden fixiert.

Auch für das Cocpkit des Viersitzers haben sich die Designer etwas neues Einfallen lassen. Die Mittelkonsole mit ihren angewinkelten Kontrollanzeigen ist verschwunden und wird ersetzt von einer Instrumententafel, die aus dem oberen Türrahmen fließt und sich um den Fahrer wölbt. Nur noch Klimaanlage und Innenbeleuchtung steuert man über ein Sensorfeld in der Konsole. Statt auf Tacho und Drehzahlmesser blickt der Fahrer auf eine bogenförmige Acrylscheibe, in die fünf Bildschirme mit grünen 3-D-Grafiken eingelassen sind. Dazu zählen auch ein Infotainment-Bildschirm und ein Bedienfeld in der Fahrertür.

Der bewegliche Spoiler hilft auch beim Bremsen

Mit der Studie betonen die Schweden nicht nur optisch ihre Wurzeln im Flugzeugbau. Auch bei der Aerodynamik wollen sie dies demonstrieren, um Luftwiderstand und Verbrauch zu senken So, wie ein Flugzeug Start- und Landeklappen einsetzt, bekommt der 9-X einen pfiffigen Dachspoiler. Er fährt bei Tempo 70 ebenso aus wie der im hinteren Stoßfänger verborgene Diffusor und verlängert die Dachlinie. Bei starken Bremsmanövern stellt er sich steil auf. Dann erhöht er einerseits den Anpressdruck und vergrößert anderseits mit einem Reflektor die dritte Bremsleuchte.

Natürlich folgt auch der Antrieb dem neuen Ideal von sportlicher Sparsamkeit. Deshalb trägt die Studie den Beinamen Bio-Hybrid. Das steht bei den Schweden für die Kombination aus einem für den Einsatz des Bio-Ethanol-Kraftstoffs E85 optimierten Verbrennungs- und einem Elektromotor. Rein elektrisch kann das Auto aber nicht fahren. Der E-Motor ersetzt den Anlasser, übernimmt die Start-Stopp-Automatik, hilft beim Beschleunigen und erzeugt beim Bremsen oder im Schubbetrieb Strom, der in einer Lithium-Ionen-Batterie gespeichert wird.

Mit E85 leistet der 1,4-Liter-Motor 200 PS

Obwohl der Vierzylinder nur 1,4 Liter Hubraum hat, kommt er dank eines Turbos auf eine stattliche Leistung: Mit normalem Benzin schafft er 170 PS und 230 Nm. Tankt man E85, klettern die Werte 200 PS und 280 Nm. Zusätzlich angeschoben vom Elektro-Booster sprintet er in 7,9 Sekunden auf Tempo 100 und schafft immerhin 216 km/h – und das bei einem sehr vernünftigen Verbrauch von 4,9 Litern im Benzinbetrieb. Beim Einsatz von E85 klettert dieser Wert zwar auf 6,4 Liter, doch sinkt wegen des saubereren Kraftstoffs der CO2-Ausstoß von 117 auf 105 Gramm pro Kilometer.

Seit der Präsentation des AeroX ist der Genfer Salon für Saab zu einer wichtigen Bühne für Designstudien geworden. Und auch wenn der AeroX und 9-X stilistische Gemeinsamkeiten haben, gibt es doch einen wesentlichen Unterschied. "Der AeroX wird definitiv ein Einzelstück bleiben und dient allenfalls als stilistisches Urmeter für künftige Modelle", heißt es bei den Schweden. Die neue Studie dagegen hat wohl beste Chancen, den Weg auf die Straße zu finden.

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