Saab sucht Meilen-Millionäre Ewige Treue am Steuer
Fahren Sie einen Saab? Dann sollten Sie rasch auf Ihren Kilometerzähler schauen zumindest wenn das Auto in den USA zugelassen ist und schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat. Denn nachdem Peter Gilbert in Wisconsin kürzlich stolz eine Million Meilen auf dem Zähler seines 17 Jahre alten 900 SPG vermeldete, löste er eine ungewöhnliche PR-Aktion aus. Der schwedische Hersteller schenkte dem Versicherungsvertreter einen nagelneuen 9-5 Aero und verbindet damit den Aufruf an alle anderen Saab-Besitzer: "Überzeugt von der Performance und der Langlebigkeit unserer Autos schenken wir jedem Kunden, der es ebenfalls auf eine Million Meilen bringt, einen neuen Saab", verspricht US-Chef Jay Spenchian.
Mister Spenchian saß auf der Letzten der eine Million Meilen neben Gilbert und staunte nicht schlecht über den guten Zustand von Fahrzeug und Fahrer nach einer Strecke, die immerhin einer 40fachen Erdumrundung entspricht. Doch wundern darf ihn das freilich nicht. Schließlich werden "Saab-Modelle gebaut für Menschen, die gerne und viel Auto fahren", sagt Spenchian und wertet das Eintausch-Angebot als eine Art Bonus für lange Jahre der Treue zur und des Vertrauens in die Marke.
Ehrenerklärung gegen Tachometer-Manipulation
Leicht machen es die Schweden ihren Kunden allerdings nicht. Denn eine hohe Laufleistung alleine und eine Ehrenerklärung gegen jede Manipulation am Tacho sind nicht genug. Denn zusätzlich muss der Besitzer nachweisen, dass er den Wagen nie außer Landes geschafft und vom ersten bis zum letzten Kilometer selbst gefahren hat. Wer seinen Saab aus zweiter oder dritter Hand in die Ewigkeit gerettet hat, fällt damit automatisch aus der Wertung.
Die Kollegen von Saab in Europa beobachten die Aktion in den USA mit großem Interesse, müssen aber den Optimismus möglicher Jubilare etwa in Deutschland bremsen nicht nur, weil ein Kilometer deutlich kürzer ist als eine Meile. "Das ist eine Aktion der amerikanischen Vertriebskollegen, die zunächst ausschließlich für den US-Markt gilt", sagt Saab-Sprecher Patrick Munsch in Rüsselsheim. "Aber wir sind sehr gespannt, wie viele dieser Autos es in den USA gibt." Wie viele es bei uns sind, kann Munsch nur schwer abschätzen. Denn so einfach ist die Suche nach den Dauerläufern nicht.
Die schwierige Suche nach den Treuesten der Treuen
Zwar wissen die Automobilhersteller sehr genau über ihre Kunden Bescheid, "aber darüber gibt es kaum Zahlen", sagt Audi-Sprecher Jochen Grüten in Ingolstadt. Zum einen seien die meisten "Millionäre" längst aus den regelmäßigen Service-Intervallen herausgefahren und deshalb meist keine Stammkunden mehr in der Werkstatt. Und selbst wenn ein Kilometer-König noch regelmäßig zum Wartungstermin kommt, steht der Datenschutz dem Informationsfluss im Wege. "Es ist gar nicht so leicht, an diese Informationen zu kommen. Ohne das Einverständnis des Besitzers ist da nichts zu machen", sagt Grüten und räumt solch einem Unterfangen wenige Chancen ein. "Einen Kunden aus dem süddeutschen Raum allerdings kennen wir. Der Mann hat Anfang des Jahres die Millionen-Grenze überschritten und ist mit seinem Audi 100 immer noch im Außendienst unterwegs."
Wenn sich die Kunden von selbst melden, werden diese Daten natürlich registriert, ergänzt Opel-Sprecher Manfred Daun in Rüsselsheim und weiß aus dem Stehgreif von zumindest zwei Fahrzeugen in Deutschland, die mittlerweile die Millionen-Grenze überschritten haben und noch immer auf der Straße sind: "Wir haben Kontakt zum Besitzer eines Rekord von 1976 und dem Fahrer eines Omega A."
Vor allem Taxifahrer sind mit Dauerläufern unterwegs
Auch bei VW in Wolfsburg ist man in dieser Hinsicht auf die Initiative der Besitzer angewiesen. Allerdings würden solche Jubilare jenseits von 100.000 Kilometern immerhin elektronisch in der Rubrik "Lob Fahrzeuge" erfasst, berichtet VW-Sprecher Jens Bobsien. "Für das Jahr 2006 wurden in unserem System genau 263 solcher Einträge gefunden", sagt er, schränkt die Zahl aber gleich wieder ein. "Aus Erfahrung wissen wird, dass die meisten Jubilare zwischen 300.000 und 500.000 Kilometer erreicht haben."
Über genauere Daten verfügt Matthias Knebel aus dem Mercedes-Museum in Stuttgart. Sein Arbeitgeber hat im letzten Jahr ähnlich wie Saab nach Dauerläufern gesucht und ebenfalls mit der Aussicht auf einen Neuwagen gelockt, wenn der Alte an den Museumsfuhrpark übergeben wird. Viele Autos musste Mercedes dafür allerdings nicht springen lassen. Denn im Sammlungsbestand zählt Knebel gerade einmal vier Oldtimer, die als Meilen-Millionäre durchgehen. Der 280 SE der Eheleute Koschel aus Kalifornien hat in 35 Jahren 1.630.400 Kilometer abgespult, ein 250 D Flughafen-Taxi aus Finnland wurde mit 1.650.000 Kilometern auf dem Zähler eingetauscht, und der 200 D aus einer portugiesischen Taxiflotte hat es mit seinen 1.860.000 Kilometern sogar ins neue Museum geschafft. Das alles ist aber nichts gegen den 76er 240 D von Gregorio Sachinidis, der ab 1976 in Griechenland als Taxi unterwegs war und mit seiner letzten Fahrt nach Stuttgart mehr als 4,5 Millionen Kilometer gelaufen ist. Um das zu schaffen, muss Peter Gilbert seinen alten Saab 900 wohl noch etwas behalten.