Sächsische Schweiz Sandstein-Slalom
Wer das Gebiet zuerst einmal auf der Straßenkarte studiert, dem werden die grünen Linien auffallen, mit denen die meisten Straßen der Gegend auf der Karte garniert sind. "Landschaftlich schöne Strecke" bedeutet die Markierung, und schon wird klar, warum diese felsige Gegend nicht nur ein Paradies für Kletterer und Wanderer ist, sondern ebenso ideal ist für eine erfrischende Fahrt in einem Auto mit guter Straßenlage.
Elbtal: Schattige Alleen, bizarre Felstürme
Die wichtigsten Orientierungspunkte sind Dresden, die sächsische Landeshauptstadt im Norden des Gebietes, und die Elbe, die kleine, aber umso feinere Gebirge diagonal durchschneidet. Für einen ersten Überblick und vor allem, um einen Eindruck von der Einzigartigkeit der Landschaft zu erhalten, bietet sich ein Besuch auf der Bastei an, einem Felsensemble hoch über dem Elbtal, nicht weit von Hohnstein entfernt, einem hübschen, verwinkelten und an steile Hänge geschmiegten Städtchen. Die Bastei also gehört zum Pflichtprogramm für Besucher der Sächsischen Schweiz. Von hier bietet sich ein prächtiger Blick auf die Tafelberge Lilienstein, Pfaffenstein und Hoher Schneeberg sowie auf den Königstein, der von einer gewaltigen Festung gekrönt wird, die heute mehrere sehenswerte Museen beherbergt.
So könnte eine empfehlenswerte Tour durch das Elbsandsteingebirge aussehen: Von Hohnstein aus über Sebnitz - zu DDR-Zeiten eine Hochburg der Plastikblumen-Herstellung - und Hertigswalde nach Saupsdorf und Hinterhermsdorf. Wer hier eine Pause einlegen möchte, sollte zur oberen Schleuse wandern und dort eine Kahnfahrt mitmachen. In der kühlen Schlucht zwischen den bemoosten Felsen wähnt man sich in einer Zauberwelt - oder in der Filmkulisse von Winnetou III, was kein Wunder ist, denn Radebeul, die Heimat des Winnetou-Schöpfers Karl May, liegt nicht weit entfernt.
Von Hinterhermsdorf dann geht es ein kurzes Stück zurück nach Saupsdorf und hier nach links Richtung Bad Schandau. Es folgen rund 15 Kilometer, die zu den schönsten dieses ganzen Landstrichs zählen. Es ist die Straße durchs Kirnitzschtal, entlang an mehreren Mühlen, vorbei an Hunderten von Kletterfelsen, am Wanderparkplatz zum Lichtenhainer Wasserfall und zahlreichen einladenden Gasthäusern. Es gibt praktisch keine Gerade auf diesem Stück Straße, Kurve folgt auf Kurve, und ab etwa der Hälfte der Strecke ist ganz besonders hohe Aufmerksamkeit gefordert, denn auf der schmalen Chaussee fährt auch noch eine Straßenbahn, die schon manchen Autofahrer böse überrascht hat.
Es gilt also, die Tempobeschränkung auf 60 km/h absolut ernst zu nehmen. Der Slalom durch die Sandstein-Formationen macht dennoch einen Heidenspaß, denn Kurven und Straße sind so eng, dass es keiner hohen Geschwindigkeiten bedarf, um lustvoll am Volant zu kurbeln. Das Kirnitzschtal endet in Bad Schandau, dem hübsch hergerichteten Kurort an der Elbe. Von hier aus gelangt man über eine Brücke auf die andere Seite des Flusses, und dort beginnt die Fahrfreude von neuem. Die Empfehlung: In Königsstein Richtung Bielatal abbiegen und von dort über Rosenthal nach Bahratal in Richtung Altenberg. Oder über Bad Gottleuba in die Uhrmacherstadt Glashütte und dort im Ort rechts ab über Luchau, Schmiedeberg, Frauenstein und Freiberg nach Tharant auf die "Silberstraße", die zurück nach Dresden führt.
Ein wichtiger Tipp für Reisende in dieser Gegend ist, ein paar feste Wanderschuhe im Kofferraum dabeizuhaben. Denn an die lauschigsten Plätze und auf die kühnsten Aussichtskanzeln gelangt man natürlich nicht mit dem Auto, sondern nur zu Fuß. Das mag zwar gerade hier, wo die Senkrechte dominiert, durchaus anstrengend sein, lohnt aber allemal die Mühen. Entspannen kann man sich dann ja wieder im Wagen, bei heruntergekurbelten Fenstern oder - noch besser - geöffnetem Cabriodach, wenn eine neue Etappe des Slaloms durchs Sandsteinlabyrinth beginnt.