Schienenauto: Draisine der Zukunft - DER SPIEGEL
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Schienenauto Draisine der Zukunft

Ein "Schienenauto" könnte in den Augen von Verkehrslogistikern die stetig zunehmende Verkehrsdichte im Ruhrgebiet entzerren helfen. In gut einem Jahr sollen die ersten vollautomatisierten "Draisinen" in Dortmund unterwegs sein.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Angestoßen wurde das Projekt "Schienensystem vollautomatisiert" von der Projekt Ruhr GmbH, die im Auftrag der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen den Strukturwandel im Ruhrgebiet vorantreiben soll. Johannes Peuling, Leiter des Bereichs Logistik, hält das derzeit in der Planung befindliche Projekt für "revolutionär". Das Credo des Verkehrsplaners lautet: "Es gibt Innovationsmöglichkeiten auf der Schiene, die gegenüber der Straße wettbewerbsfähig sind."

Zum Beispiel das "Schienenauto". Im Herbst nächsten Jahres soll es erstmals rollen, und zwar vollautomatisiert auf einer 8,1 Kilometer langen Strecke zwischen dem Logistikzentrum Dortmund-Ellinghorst und dem Containerterminal im Dortmunder Hafen. Die Idee hinter dem Projekt klingt so einfach wie logisch: Sind Gleisanschlüsse von der Eisenbahn nicht mehr rentabel zu bedienen, werden sie stillgelegt, und das bedeutet zusätzlichen Güterverkehr auf den ohnehin schon verstopften Straßen des Ruhrgebiets.

Die Projekt Ruhr GmbH will solche vorhandenen Gleisanschlüsse wieder wirtschaftlich sinnvoll nutzen - mit einem vollautomatisierten Schienenfahrzeug in Containergröße. Dieses "Schienenauto" fährt nach dem Beladen selbständig bis zur nächsten Weiche, wo es sich automatisch an einen Güterzug ankoppelt. Am passenden Abzweig koppelt sich das "Schienenauto" dann wieder ab und fährt aus eigener Kraft weiter bis zur Entladestation.

Eine Zentrale steuert über Sensoren die Wege der "Schienenautos", bei denen es sich um modifizierte Modelle des von Siemens entwickelten "Cargomovers" handelt. Als Antrieb sind ein kombinierter Diesel-Elektro- oder ein reiner Elektroantrieb denkbar. Funktioniert das System im Testbetrieb im Herbst nächsten Jahres so, wie sich das die Planer vorstellen, könnte ab Sommer 2006 das "Schienenauto" im Regelbetrieb die angeschlossenen Betriebe bedienen.

Derzeit sind 16 Unternehmen am Projekt "Schienenauto" beteiligt. Darunter die Logistikfirma Fiege, das Ikea-Zentrallager und die Deutsche Gasrußwerke GmbH. Die Infrastruktur wird von der Dortmunder Eisenbahn GmbH bereitgestellt, daran wird in den kommenden Monaten vorrangig gearbeitet.

Peuling mag über die Höhe der Gesamtinvestition keine genaue Auskunft geben, sagt aber immerhin, sie liege im "unteren zweistelligen Millionenbereich". Dafür gibt es schon weitreichende Pläne, falls die "Schienenautos" ab 2005 tatsächlich störungsfrei und effizient über jetzt noch brachliegende Gleise rollen: "Der nächste Schritt", sagt Peuling, "wird dann der Personenverkehr in automatischen Shuttlewaggons sein."