Seat Wo ist die Nische?
Bernd Pischetsrieder, ehemaliger BMW-Vorstandschef und seit seinem Eintritt in den Volkswagen-Vorstand dort für Qualität sowie für die Marke Seat verantwortlich, kann zumindest einige Attribute benennen, die Seat charakterisieren sollen: sportlich, emotional, frech, preiswert.
Von VW-Chef Ferdinand Piëch gab es vor einigen Jahren die Ansage, Seat solle als Konkurrent zu Alfa Romeo aufgebaut werden. Ziemlich vage. Sicher scheint, dass die Wolfsburger ihre iberische Tochter gerne als durchtrainierte Schönheit sehen würden.
Nur jeder Fünfte kennt Seat
Noch ist es ein weiter Weg dahin. Denn die Marke hat keinen rechten Klang in Deutschland. Nur jeder Fünfte hier zu Lande wisse, so heißt es, was Seat überhaupt ist. Dass sich das ändern muss, wenn Seat eine dauerhafte Chance haben möchte, ist klar. Allen voran steht Chefdesigner Walter de Silva, der von Alfa Romeo zu den Spaniern kam, in der Pflicht, unverwechselbare und zugleich massenkompatible Autos zu formen.
Wie die neue Designsprache buchstabiert wird, deutet der aktuelle Seat León an. Ebenso die Studien Salsa und Salsa emócion, die bei den Automessen des vergangenen Jahres in Genf und Paris gezeigt wurden. Bei der IAA in Frankfurt im kommenden September soll ein weiterer Meilenstein in der Erneuerung der Seat-Formen präsentiert werden.
Junge Kundschaft
Und im Dezember schließlich, bei der Motorshow in Bologna, wird das erste Serienauto der neuen Linie vorgestellt werden: der Kompaktwagen Ibiza. Insgesamt fünf Jahre werde es dauern, so die Planung von Pischetsrieder, bis die komplette Modellpalette renoviert ist.
Danach, so die Theorie, wird Seat im Volkswagen-Universum einen Platz zwischen Skoda und VW eingenommen haben. Etwas sportlicher positioniert als die beiden eher hausbackenen Traditionsmarken, aber auf keinen Fall so auffallend wie Audi. Es gilt, eine feine Balance zwischen diesen Massenmarken herzustellen, so dass die gefürchtete Kannibalisierung, die Konkurrenz zwischen Marken eines Konzerns, möglichst nicht eintritt. Seat kann vor allem mit seiner jungen Kundschaft wuchern. Das Durchschnittsalter liegt bei 38 Jahren - ein Traumwert für Automobilhersteller.
Teurer Imagewandel
Entsprechend "jung" wird auch das künftige Modellprogramm aussehen, in dem sich mit großer Wahrscheinlichkeit Coupés, Cabriolets, Sportwagen und ein Geländemobil wiederfinden werden. Kräftige Motoren und sportliche Fahrwerke, das deuten bereits die aktuellen Cupra-Modelle an, sollen das technische Erscheinungsbild prägen.
Bis es soweit ist, wird es noch ein Weilchen dauern. Und zudem kostet der Imagewandel eine Menge Geld. Allein für Forschung und Entwicklung sollen bis zum Jahr 2004 insgesamt 1,5 Milliarden Euro ausgegeben werden. Doch Investitionen allein verändern noch kein Markenbild - das braucht vor allem Zeit.