Skoda Superb: Aufstieg, zweiter Teil - DER SPIEGEL
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Skoda Superb Aufstieg, zweiter Teil

Skoda ist bislang eine Erfolgsstory: Unter den Fittichen von VW hat es die tschechische Marke in weniger als 20 Jahren vom sozialistischen Planwirtschaftler zum wachstumsstarken Global Player gebracht. Der Stolz darauf manifestiert sich in einem Auto: Dem neuen Superb.
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Große Autos haben bei Skoda eine große Tradition. Zwar muss man schon ziemlich weit zurückblättern, doch bevor die Marke im real existierenden Sozialismus zum Minimalisten wurde, hatte sie durchaus prächtige Limousinen im Programm. Die trugen meist denselben Namen: Superb. Darauf besann man sich vor sieben Jahren wieder und so debütierte im Jahr 2001 ein Skoda Superb. Das Auto war vom VW Passat abgeleitet und sollte Skoda wieder in etwas gediegenere Gefilde befördern.

Nachdem die stattliche Limousine zum Lidl-Tarif 130.000 Mal verkauft wurde und sich in der Mittelklasse ordentlich etablierte, bringt Skoda Anfang Juli die zweite Generation des Flaggschiffs auf den Markt. Der Wagen wirkt stilistisch gereift, greift technisch weitgehend auf VW-Golf-Module zurück und wurde im Vergleich zum Vorgänger noch ein wenig größer und geräumiger. Geblieben ist der Kampfpreis - in diesem Fall sind es 22.990 Euro für die der billigste Superb ins Rennen geht.

Das Top-Modell mit einem 260 PS starken V6-Benzindirekteinspritzer und Allradantrieb gibt es für nahezu konkurrenzlose 34.790 Euro. "Und selbst wenn man das Auto ausstattet wie einen Christbaum, kommt man nur knapp über 40.000 Euro", sagt der deutsche Skoda-Chef Alfred E. Rieck. Mit solchen Aussagen, das weiß er wohl, treibt er den Vertriebsleuten aus Stuttgart, München oder Ingolstadt den Neid ins Gesicht.

Dabei sind es noch nicht einmal Modelle der Nobelmarken, auf die Skoda zielt. "Unsere Wettbewerber heißen Renault Laguna, Citroen C5, Mazda 6, Ford Mondeo oder Opel Insignia", sagt Rieck. "Mit der Oberklasse möchten wir uns gar nicht messen", behauptet er, fügt aber dann an, dass "es das Auto sicher könnte".

Doppelte Tür am Heck als Weltneuheit

Der Superb kann sich sehen lassen, die Ausstattung ist üppig, und das Raumangebot immens: Der Kofferraum fasst rekordverdächtige 565 Liter, bei umgelegter Rückbank schluckt der Superb mehr als mancher Kombi, die Beinfreiheit im Fond ist größer als in der Mercedes S-Klasse, und Lösungen wie die so genannte Twin-Door am Heck sucht man sonst vergebens. Denn nur beim Skoda kann man den Kofferraum wahlweise wie bei einer Limousine öffnen oder - per Extra-Knopfdruck - wie bei einem Fließheckmodell auch das Rückfenster gleich mit anheben. Angesichts dieser Vorzüge hofft Rieck auf deutlich mehr Zulassungen als zuletzt: Nachdem Skoda vom Vorgängermodell in Deutschland pro Jahr zirka 4000 Autos verkaufte, sollen es künftig gut 6000 werden.

Mit der aktuellen Entwicklung ist der Geschäftsführer ohnehin zufrieden. Skoda ist unter den Importmarken in Deutschland die Nummer zwei, und wenn der Gesamtmarkt wie vorhergesagt bei 3,2 Millionen Neuzulassungen stagniert, dürften für die Tschechen etwa 120.000 Kaufverträge drin sein. Trotzdem plant Rieck gerne etwas großzügiger. "Aber schön langsam, damit das Wachstum gesund bleibt und die Rendite stimmt", sagt er und hofft für die Zukunft auf mehr als vier Prozent Marktanteil. "Solide über 4,5 Prozent", lautet seine Zielvorgabe.

Mehr Händler und neue Modelle

Erreichen will Rieck das Wachstum auf zwei Wegen. "Zum einen müssen wir unser Händlernetz weiter ausbauen und weiße Flecken besetzen", sagt der Chef. Von derzeit etwa 540 Betrieben soll der Skoda-Vertrieb hierzulande auf rund 650 Partner wachsen. Zum anderen setzt Rieck auf eine Ausweitung der Produktpalette. Die ist nur noch eine Frage der Zeit. Sowohl der kleine Geländewagen namens Yeti als auch die Kombi-Variante des Superb sollen in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres an den Start gehen.

Rieck denkt schon weiter: "Auch einen Kleinwagen unterhalb des Fabia könnten wir gut gebrauchen, um noch jüngere und sparsamere Kunden anzusprechen." Ob sich das erhoffte Skoda-Mini-Modell allerdings aus dem VW Up destillieren lassen könnte, lässt er noch offen. Natürlich sei es klug, die Kosten für ein solches Projekt auf mehrere Schultern zu verteilen. Doch müsse man erst einmal sehen, mit welcher Technik der VW-Knirps gebaut werde.

Ein paar Details bleiben dann doch VW vorbehalten

Skoda setzt auf solide, nicht aber überbordene Technik. Das zeigt auch der neue Superb, für den Extras aus dem VW-Passat-Angebot wie ein Abstandsregeltempomat oder eine Spurführungshilfe gar nicht erst angeboten werden. Andererseits wird das Bedürfnis nach technischer Veredelung durch Optionen wie eine Einparkautomatik oder schlaue mitlenkende Scheinwerfer abgedeckt.

Skodas Entwicklung dürfte in Wolfsburg nicht nur mit Wohlwollen gesehen werden. Denn die Autos mit bewährter VW-Technik zu Preisen, die allesamt unter denen der vergleichbaren VW-Modelle liegen, ziehen nicht nur potenzielle Kundschaft von Marken wie Opel, Ford oder Toyota ab, sondern natürlich auch solche Kaufwilligen, die sich sonst für die VW-Modelle Passat, Golf oder Polo entscheiden hätten. Immerhin: Das Geld bleibt dann in der Großfamilie.