Smart Repair: Die billigere Alternative
Smart Repair Der billige Ausputzer
Landsberg/Darmstadt - Sie gehören zu den Lappalien, über die man sich so richtig ärgern kann: Kleine Kratzer oder Schrammen am Auto. Doch auch, wenn sie immer wieder ins Auge stechen und den Wagen ziemlich ungepflegt aussehen lassen, verzichten die meisten Fahrzeugbesitzer darauf, die Schönheitsfehler beseitigen zu lassen. Der Grund: Die hohen Kosten. Denn in der Regel muss die betroffene Stoßstange, der Kotflügel oder die Tür komplett lackiert werden, und das kostet schnell einen vierstelligen Betrag.
Doch oft ist solch ein großer Aufwand gar nicht wirklich nötig. In vielen Fälle schafft eine billigere Alternative genauso gut Abhilfe: die so genannte Smart Repair. Das ist der Sammelbegriff für eine einfachere Reparaturvariante, die aber trotzdem mehr als ein Provisorium darstellt.
Das Spektrum der Smart-Repair-Möglichkeiten reicht von den Rädern über die Karosserie bis zum Innenraum. Repariert werden können neben Lackkratzern auch kleine Beulen, Macken im Glas oder Löcher in Sitzbezügen. Entscheidend dabei ist, dass die kaputten Teile dafür nicht extra ausgebaut werden müssen. Dellen in der Autotür können zum Beispiel über Drähte und Druckwerkzeuge ausgebeult werden - und zwar so, dass nachher kaum noch etwas davon zu sehen ist. "Teilweise sind das richtige Künstler", lobt Manfred Groß vom ADAC Technik Zentrum in Landsberg die Arbeit mancher Smart-Repair-Spezialisten.
Mittlerweile finde man diese Fachleute nicht mehr nur in kleinen und freien Werkstätten, wie es früher der Fall gewesen sei, fügt der ADAC-Mann hinzu: "Auch große Lackierereien und Autohäuser bieten häufig Smart Repair an." Allerdings lohne es sich, immer mindestens zwei möglichst verbindliche Kostenvoranschläge einzuholen. Denn einzelne Werkstätten beurteilen den gleichen Fehler oft sehr unterschiedlich.
Finanziell rechnet sich Smart Repair indes auf jeden Fall, sagt Ollek: "Bei einer Stoßstange kann eine komplette Lackierung zwischen 450 und 650 Euro kosten - mit alternativen Methoden zahlt man je nach Schaden nicht mehr als 150 Euro." Außerdem werde durch den geringeren Lackverbrauch die Umwelt geschont.
Für oberflächliche Kratzer im Lack sind diese Schnellreparaturen zum Beispiel oft eine gute Lösung: Mit einer speziellen Airbrush-Technik werden die Vertiefungen ausgefüllt, Klarlack sorgt für beinahe unsichtbare Übergänge zum Originallack. Aber eben nur beinahe, wie Groß betont: "Auch noch so gutes Smart Repair stellt nichts hundertprozentig wieder her." Das kann zum Beispiel bei Leasingfahrzeugen Schwierigkeiten machen, bei denen derart ausgebesserte Teile meistens nicht als vollwertig repariert gelten.
Aus technischer Sicht haben die Leasinggesellschaft damit durchaus Recht. "Wenn ein Kratzer im Lack bis aufs Blech geht, macht man ihn mit Smart Repair nur unsichtbar", erklärt Hans-Georg Marmit von der Sachverständigenorganisation KÜS. "Durchrosten kann das Material dann immer noch." Das hängt damit zusammen, dass die Füllung sich nicht richtig mit den alten Lackschichten verbindet. An den Rändern des Kratzers kann also möglicherweise Feuchtigkeit eindringen und das blanke Blech darunter angreifen.
Wenn es um Ausbesserungen an Leichtmetallfelgen geht, will auch der TÜV ein Wörtchen mitreden. Grundsätzlich gilt: alles was über das bloße Kaschieren kleiner Kratzer hinausgeht berührt unmittelbar die Sicherheit und ist deshalb verboten. Tiefer als einen Millimeter dürfen die Macken nicht sein, genauere Angaben dazu machen im Zweifelsfall die Hersteller. Ausbesserungen der Frontscheibe sind dagegen erlaubt, allerdings darf die zu reparierende Stelle nicht im Sichtfeld des Fahrers liegen - und nicht zu groß sein.
Generell rät KÜS-Experte Marmit, bei Smart-Repair-Angeboten sorgfältig abzuwägen - zumal viele Werkstätten keine Garantie auf diese Leistungen geben: "Fragen Sie sich immer: Ist das wirklich eine gute, langfristige Lösung oder habe ich damit in einem Jahr wieder Ärger?", rät Marmit. Wer sein Auto noch ein paar Jahre behalten will, sollte deshalb im Zweifelsfall lieber konventionellen Methoden und einer Fachwerkstatt vertrauen.
Sehr beliebt sind Mini-Reparaturen allerdings, um den Wert von Gebrauchtwagen zu trimmen: "Es ist unglaublich, welch große Rolle der optische Eindruck beim Verkauf eines Wagens spielt", sagt Groß. Der ADAC hat die Probe aufs Exempel gemacht und einem zwei Jahre alten Opel Astra mit 47.000 Kilometern auf dem Tacho eine Smart-Repair-Behandlung für 600 Euro gegönnt. Eine lohnende Investition, wie sich herausstellte: Auf dem privaten Automarkt hätte der aufgemöbelte Wagen nach Berechnung der Gutachter 12.800 Euro eingebringen können - rund 1000 Euro mehr als vor der Schönheitskur.