Smart und Maybach: Tuning in allen Klassen - DER SPIEGEL
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Smart und Maybach Tuning in allen Klassen

Individualität, so predigen die Autohersteller ohne Unterlass, sei das A und O für eine erfolgreiche Modellpolitik. Die Listen der Sonderausstattungen werden immer länger und die Möglichkeiten des Tunings immer weiter ausgeschöpft. Wie groß die Spannbreite ist, demonstriert derzeit die Mercedes Car Group.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Beim Genfer Automobilsalon stehen, nur wenige Meter voneinander entfernt, die beiden jüngsten Tuning-Produkte der Mercedes-Markengruppe. Sie markieren zugleich die beiden am weitesten voneinander entfernten Pole der Produktpalette: auf der einen Seite der Smart Forfour Brabus, auf der anderen der Maybach 57 Spezial. Ein frisierter Kleinwagen und eine Highendlimousine im Vollgastrimm - die zwei Wagen sollen Kunden ganz unterschiedlicher Einkommensklassen, aber mit vergleichbaren sportlichen Ambitionen ansprechen.

Der Mercedes-Haustuner Brabus in Bottrop, der bereits den zweisitzigen Smart mit einem 75-PS-Motor aufmöbelte - der den Autozwerg so auf bis zu 190 km/h beschleunigt - hat sich nun den viertürigen Forfours vorgenommen. Dabei wird dem 3,75 Meter kurzen Auto ein 1,5-Liter-Benzinmotor mit Turbolader eingepflanzt, der 177 PS (130 kW) mobilisiert. So wird eine Höchstgeschwindigkeit von 221 km/h ermöglicht und ein Sprint von 0 auf Tempo 100 in 6,9 Sekunden. Der Preis für die Rennsemmel ist ähnlich schrill wie das Auto selbst: 24.900 Euro.

Multimillionär am Steuer

Dabei ist klar, dass einige Zeitgenossen über eine solche Summe nur lächeln. Sie blättern knapp das 17-fache dessen auf den Tisch und erhalten dafür das derzeit feinste, ab Werk getunte Automobil: den Maybach 57 Spezial, kurz 57 S genannt. Der Wagen sei gedacht für "ambitionierte Selbstfahrer", erklärte Mercedes-Chef Eckhard Cordes bei der Präsentation in Genf. Normalerweise sitzt am Steuer eines Maybachs ein Chauffeur und der Besitzer thront im Fond. Nicht so beim 57 S, denn das maximale Drehmoment von 1000 Newtonmeter wird der Herr Multimillionär dann doch lieber selbst dosieren wollen.

Der 6-Liter-Zwölfzylinder-Biturbo-Motor wurde vom Mercedes-Haustuner AMG überarbeitet und leistet nun 612 PS (450 kW). Bei 275 km/h schiebt ein elektronischer Begrenzer dem weiteren Vortrieb einen Riegel vor. Wer das Gaspedal voll durchtritt, reitet in exakt fünf Sekunden von 0 auf 100 km/h. Von außen ist die Potenz des Wagens nur zu ahnen: Es gibt zwar ein "57 S"-Emblem, 20-Zoll-Räder, verchromte Auspuffendrohre und auch das Fahrwerk wurde im Vergleich zum normalen Maybach um eineinhalb Zentimeter tiefer gelegt, doch lässt sich dies nur bei genauer Inspektion der Karosse feststellen.

Ab September werden die ersten 57 S-Exemplare die Manufaktur in Stuttgart verlassen, zum Stückpreis von mindestens 417.600 Euro. Kleine Rechenspielerei zum Schluss: Bei welchem Auto, glauben Sie, erhält man mehr PS pro Euro? Hier die Lösung: Der Smart schlägt den Maybach um Längen. Wer den muskulösen Kleinwagen kauft, zahlt 140 Euro pro PS. Wer den Maybach ersteht, muss für jede Pferdestärke 682 Euro hinlegen. Manchmal stimmt's: Less is more.

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