Sonderangebote Autos bald auch bei Tchibo?
Autos werden in Zukunft möglicherweise auch bei Tchibo, in Kaufhäusern oder im Versandhandel zu haben sein. Zeitungsberichten zufolge plant die EU-Kommission die Abschaffung der so genannten Gruppenfreistellungs-Verordnung (GVO), die den Fahrzeugvertrieb auf Vertragshändler beschränkt und damit das System der kaum veränderbaren Listenpreise sanktioniert.
Nach dem Wettbewerbs-Urteil des Europäischen Gerichtshofs gegen Volkswagen liebäugeln viele deutsche Einzelhändler mit dem Einstieg ins Automobilgeschäft. Für den Fall, dass die Vertragshändler ihr Monopol verlieren, kündigten Baumärkte, Kaufhäuser und Versandhändler den Verkauf von Neuwagen an. Derartige Erwägungen stellen unter anderem Marktkauf, Tchibo und Otto an.
"Wir würden schon heute Autos ins Sortiment aufnehmen", sagte Lothar Pollmann vom Einzelhandelskonzern Marktkauf, zu dem 228 Warenhäuser und Baumärkte in Deutschland gehören. Es scheitere derzeit nur daran, dass die Hersteller sein Unternehmen nicht belieferten.
Auch die Tchibo Holding AG könnte den Verkauf von Automobilen über den Versandhandel und das Internet innerhalb von wenigen Monaten realisieren. Allerdings müssten die Fahrzeughersteller und -händler mitziehen, sagte ein Unternehmenssprecher am Montag. "Wir haben festgestellt, dass der Markenname Tchibo viel transportieren kann", sagte der Sprecher vieldeutig. Zudem würden die Kunden an die Markenkraft glauben.
Der Otto-Versand dagegen hat noch keine Strategie für den Einstieg ins Automobilgeschäft. "Wir beobachten die weitere Entwicklung mit Interesse und Gelassenheit", sagte ein Unternehmenssprecher am Montag. Sollte der Verkauf von Fahrzeugen für die Kunden interessant werden, sei Otto aber sicher "ganz vorne" mit dabei. Wann dies allerdings der Fall sein könnte, sei derzeit nicht absehbar.
Nach einer Europa-Studie der Stiftung Warentest würde freier Wettbewerb auf dem Automarkt die Neuwagenpreise um rund 25 Prozent drücken.