Sportwagen-Fahrertraining Hütchenspiele auf dem Nürburgring
Berlin - Sportliche Fahrer in sportlichen Autos wollen gelegentlich auch einmal sportlich unterwegs sein - ohne dabei Leib, Leben und den Führerschein zu riskieren. Auf abgesperrten Flugplätzen, speziellen Trainingsgeländen und echten Rennstrecken laden unter anderem immer mehr Fahrzeughersteller deshalb zu speziellen Sportfahrerkursen.
Dabei stellen die Hersteller hohe Anforderungen an Vernunft- und Verantwortungsgefühl der Kandidaten und machen darum mindestens den Besuch eines herkömmlichen Sicherheitstrainings zur Teilnahmevoraussetzung. Die längste Tradition haben solche Fahrübungen für Sportwagenfahrer bei Porsche, wo sich nach Angaben von Pressesprecher Stefan Marschall schon seit mehr als 20 Jahren eine eigene Sportfahrschule um die Pflege der Kundenkontakte auf der Rennstrecke bemüht.
Im vergangenen Jahr haben die Schwaben mehr als 30 Kurse etwa auf der Formel-1-Piste im belgischen Spa oder auf dem Lausitzring abgehalten. Die Ausbildung folgt laut Marschall einem Stufenplan: Am Anfang steht für Preise ab 550 Euro ein Basis- oder Aufbautraining, bei dem die Grundlagen vermittelt werden. Danach können die Porsche-Fahrer beim Intensiv- oder Exklusivtraining - für bis zu 200 Euro - mehrere Tage lang kräftig Gummi geben und sich im Anschluss beim Sportfahrerlehrgang für 1250 Euro tatsächlich auf eine Karriere zwischen Boxengasse und Zielflagge vorbereiten. Denn dort winkt nach Fahrschule und Theorie etwa in Flaggen- und Ernährungskunde die offizielle Lizenz des Deutschen Motor Sport Bundes (DMSB) und damit der Freibrief zur Teilnahme an allerlei Rennen vom Markenpokal bis zur Formel 1.
Ebenfalls hoch im Kurs steht die Rundstrecke offensichtlich bei BMW-Fahrern. Denn dort beteiligen sich nach Angaben von Pressesprecher Jochen Müller pro Jahr fast 16.000 Kunden an mehr als 1100 Trainingsveranstaltungen. Besonders sportlich orientierte Fahrer nutzen die ersten Stufen des konventionellen Sicherheitstrainings als Sprungbrett zu den Erlebnisveranstaltungen auf der Rennstrecke, wo es für Preise ab 1045 Euro im BMW 330i oder gar im M3 mit professioneller Anleitung über die Nordschleife des Nürburgrings, den Kurs von Mugello oder die Formel-1-Strecke von Barcelona geht.
Auch Audi in Ingolstadt macht den Motorsport zum Thema seiner Fahrprogramme: Wer bei der "Audi Driving Experience" das Basis- oder Aufbautraining absolviert hat, der darf nach Angaben von Pressesprecher Werner Röser im Audi S4 Avant seinen PS-Idolen nacheifern. Für 1650 Euro geht es dann zum Intensivtraining nach Assen in die Niederlande. Und 1790 Euro kostet das Perfektionstraining auf der Nordschleife, für jeweils 2700 Euro geht es auf den Spuren der Formel 1 über die Circuit de Catlunya bei Barcelona oder die Rennstrecke von Estoril bei Lissabon.
Vergleichsweise neu im Programm ist das Sportfahrer-Event von Mercedes-Benz. Dort können die Teilnehmer in diesem Jahr nach Angaben von Pressesprecherin Konstanze Fiola in Berlin für jeweils 1570 Euro auf dem Hockenheim- und dem Sachsenring zwei Tage lang ihre persönliche Ideallinie suchen, den optimalen Bremspunkt erarbeiten und an ihren Rundenzeiten feilen. Für ausreichende Dynamik ist dabei gesorgt. Denn gefahren wird vor allem mit den leistungsstarken AMG-Modellen.
Neben den PS-lastigen Premium-Herstellern aus Süddeutschland geben sich auch andere Marken wie Opel mit entsprechenden Kursen einen dynamischeren Anstrich. Zum Beispiel kooperiert das Unternehmen in diesem Sommer nach Angaben der Presseabteilung mit dem Dunlop Drivers Cup und stellt für die Sportfahrerkurse auf Salzburg-, Lausitz- oder Nürburgring eine Flotte von Turbo Speedstern zur Verfügung.
Doch nicht nur die sportlich orientierten Automobilhersteller bitten ihre Kunden zu fahrdynamischen Hütchenspielen auf die internationalen Rennstrecken. Wer in der einschlägigen PS-Presse oder im Internet stöbert, findet zwischen Rostock und Konstanz auch zahlreiche private Sportfahrer-Schulen. Dort reicht das Programm vom Kurs zum Erlangen der offiziellen C-Lizenz bis hin zur sündhaft Teuren, aber adrenalinträchtigen Ausfahrt in einem echten Formel-1-Boliden.
Von Thomas Geiger, gms