Stadtmobil Murray T: Der Schmalspur-Stromer - DER SPIEGEL
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Stadtmobil Murray T: Schmalspurig in die Zukunft

Stadtmobil Murray T Der Schmalspur-Stromer

Der Südafrikaner Gordon Murray ist ein Mann der Extreme: Früher entwickelte er Formel-1-Rennwagen und Supersportwagen wie den McLaren F1, jetzt plant er, mit einem futuristischen Schmalspurauto den Stadtverkehr zu revolutionieren.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Nissan Landglider, Peugeot BB1 oder die Electric Networked Vehicles (kurz: EN-V) von General Motors - wer die in Blech und Kunststoff geformten Studien für das Stadtauto der Zukunft vor Augen hat, für den sind aktuelle Kleinstwagen wie Smart oder Toyota iQ schon ziemlich antiquierte Konzepte. Denn in der Zukunft, so lautet die übereinstimmende Botschaft der Minimal-Studien, müssen Autos nicht nur mit Energie geizen, sondern auch mit möglichst wenig Platz auskommen. Denn auch die Ressource Raum wird in den wachsenden Mega-Citys immer knapper.

Das Problem der mitunter kurios gestylten Zukunftswägelchen ist, dass sie allesamt nicht richtig ernst genommen werden. Der in England lebende Südafrikaner Gordon Murray jedoch will das ändern. Der Ingenieur und Designer, der früher Formel-1-Rennwagen und legendäre Sportwagen wie den McLaren F1 auf die Räder stellte, meldet sich nun nach einer langen Auszeit zum Nachdenken mit einem revolutionären Autokonzept zurück: T.25 und T.27 heißen die beiden Prototypen, die in Shalford in der Grafschaft Surrey entstanden sind und ab 2011 den Stadtverkehr revolutionieren sollen.

Der jetzt erstmals öffentlich vorgestellte Prototyp bricht mit vielen Vorstellungen, die bislang vom Auto existieren. Schmal wie ein Motorrad und wendig wie ein Stehroller von Segway soll der aerodynamisch verkleidete Wunderwagen sein. Das Modell T.25 ist lediglich 1,30 Meter breit, daher passen zwei der Vehikel nebeneinander auf eine Fahrspur. Und aufgrund der Länge von 2,50 Metern kann die Verdichtung weiter gesteigert werden. "In Spitzenzeiten lässt sich so die Kapazität der Straßen verdreifachen", sagt Murray.

Das gilt auch für den Parkraum. Wird der Prototyp quer zur Fahrtrichtung abgestellt, passen drei T.25 auf die Fläche, die für ein konventionelles Auto vorgesehen ist. Das Rangieren mit dem T.25 sollte übrigens ein Kinderspiel werden. Mit einem Wendekreis von sechs Metern ist das Mobil fast so handlich wie ein Motorrad und jedem normalen Auto mehrere Meter voraus.

Einige Ideen stammen aus dem Rennwagenbau

Murrays neues Stadtauto sieht ganz anders aus als die ehemaligen Rennfahrzeuge aus seiner Werkstatt - trotzdem gibt es durchaus Gemeinsamkeiten. Im Innenraum des T.25 zum Beispiel sitzt der Fahrer vorne in der Mitte und die beiden Passagierplätze befinden sich rechts und links nach hinten versetzt - ähnlich wie beim McLaren F1. Allerdings lassen sich im Stadtwagen die zusätzlichen Sitzgelegenheiten verschieben oder ganz wegklappen, so dass sechs unterschiedliche Konfigurationen möglich sind und der Stauraum von 160 bis 720 Liter variierbar ist.

Auch bei der Konstruktion des Autos profitierte Murray von den Erfahrungen aus der Königsklasse des Motorsports. Es kommt zwar kein teures Karbon zu Einsatz, sondern Recycling- Kunststoff, der sich über einen extrem stabilen Gitterrohrrahmen spannt, das Ergebnis aber ist vergleichbar: das Wägelchen nämlich wiegt weniger als 600 Kilogramm und damit nahezu halb so viel wie ein Smart.

Im übernächsten Schritt soll das Wägelchen elektrisch fahren

Natürlich braucht ein so revolutionäres Auto auch einen neuen Antrieb. Deshalb denkt Murray - wie derzeit alle Visionäre - an einen Elektromotor. 34 PS und eine Lithium-Ionen-Batterie sollen für einen Sprintwert von weniger als 15 Sekunden, ein Spitzentempo von 105 km/h und einen Aktionsradius von 160 Kilometern reichen. Allerdings trägt der Elektro-Prototyp das Kürzel T.27 und ist erst als übernächste Ausbaustufe geplant.

Davor will Murray das Projekt T.25 realisieren, das konventionell motorisiert ist. Als treibende Kraft steckt ein 0,7 Liter großer Dreizylindermotor im Heck, der auf 51 PS und 57 Nm kommt. Als Fahrdaten werden ein Beschleunigungsvermögen von 0 auf Tempo 100 von 16,2 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 145 km/h angegeben; der soll bei 3,8 Litern liegen.

Neues Fertigungskonzept soll die Kosten deutlich senken

Zum neuartigen Fahrzeug hat der Erfinder auch gleich ein neues Fertigungskonzept entwickelt. Auf der Website des Unternehmens  sind Bilder zu sehen, nach denen das Auto dank einer drastisch reduzierten Zahl der Einzelteile wesentlich einfacher zu fertigen ist als herkömmliche Wagen. Der Vorteil: Die Fabrik beansprucht lediglich ein Fünftel der Fläche eines herkömmlichen Werkes, kostet 80 Prozent weniger und emittiert deutlich weniger CO2. So fängt die Umweltverträglichkeit schon vor dem Fahren an.

Ganz alleine ist Murray mit den Ideen übrigens nicht. Peugeot, Nissan oder General Motors wollen ihre eingangs erwähnten Konzeptautos auch irgendwann in Serie bauen. Und auch die deutschen Hersteller sind mittlerweile hellhörig geworden in Sachen Stadtmobil. Der BMW-Konzern hat kürzlich bestätigt, dass sein ominöses "Project i" tatsächlich in ein Fahrzeug münden wird, das 2013 auf den Markt kommen soll.

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