Stilmix "Crossover" auf zwei Rädern
Crossover - bei den Autos steht dieser Begriff für die Mode der Zukunft. Er bezeichnet Automobile, die Vorteile verschiedener Fahrzeuggattungen in einem einzigen Exemplar zusammen fassen. Jetzt zeigt sich, dass dies nicht nur auf vier Rädern möglich ist.
Wie also sieht der neue Fahrradtyp aus? "Wenn man sich ein Dreieck aus einem Rennrad, einem Mountainbike und einem Trekkingrad vorstellt, dann steht das Fitnessbike genau in der Mitte", erklärt Manfred Neun, Geschäftsführer des Herstellers Epple in Memmingen.
Die Initialzündung für den Trend zum neuen Rad war die Vorstellung eines Prototypen durch die Firma Paul Lange aus Stuttgart im vergangenen Jahr. Der Importeur für Teile des Schaltungsspezialisten Shimano war auf die Idee gekommen, ein sportliches Modell auf die Räder zu stellen, das statt des nach unten gebogenen Rennrad-Lenkers eine gerade und flache Lenkstange trug. An der wiederum fand sich aber eine für ein Rennrad typische Schalteinheit. Die eigentlich simple und nahe liegende Idee zog alsbald Kreise. Heute hat schon eine große Zahl der Radhersteller solche Crossover-Gefährte im Programm.
Gründe für die schnelle Ausbreitung und den erwarteten Erfolg gibt es viele. So liebäugelt zwar mancher "Normal-Radler" mit einem filigranen Rennrad oder einem schicken Mountainbike. "Aber nicht jeder Freizeitradler traut sich auf ein solches Fahrrad", sagt Konrad Weyhmann vom Importeur Paul Lange. Die Mischung beider Typen dagegen findet ihren Zuspruch.
Und nicht zu vergessen: Der Boom des Mountainbikes begann Ende der achtziger Jahre. "Mittlerweile", so Manfred Neun, "haben viele Mountainbike-Fahrer festgestellt, dass sie die meiste Zeit auf der Straße fahren. Außerdem sind sie in der Zwischenzeit natürlich auch älter geworden, wünschen sich teilweise mehr Komfort und eine angenehmere Sitzposition."
So neu wie sie scheint, ist die Idee zum Mischen der Stile jedoch nicht. "Solche Räder sind bei uns seit 1994 im Programm. Damals allerdings war der Markt noch nicht so stark", sagt Holger Miene, Geschäftsführer des Herstellers Checker Pig in Bad Mergentheim (Baden-Württemberg). Erst 1999 ging es langsam bergauf, und nun erwartet man den wirklich großen Andrang. "Damals gab es je nach Hersteller auch noch große Unterschiede bei der Ausrichtung", so Manfred Neuen. Es habe eben einige Zeit gedauert, bis sich die Hersteller auf die Zielgruppe ausgerichtet hätten.
Doch wirklich einheitlich sehen die Räder auch heute noch nicht aus. "Einige der Fitnessräder sind näher am Rennrad, manche näher am Mountainbike", sagt Manfred Neun. Zu den einheitlichen Merkmalen zählen der flache, gerade Lenker und große 28-Zoll-Räder, während herkömmliche Mountainbikes meist auf 26-Zöllern laufen. Dann jedoch geht es stilistisch auseinander: Es gibt einerseits Rahmen nach Rennradart mit längerem Radstand und andererseits welche im Mountainbike-Stil. Ähnlich sieht es bei den Reifen aus: Mal wird auf schmale Straßenpneus nach Rennradart gesetzt, mal eine Variante gewählt, die auch Feldwegtauglich ist.
Allen "Crossover"-Rädern gemein ist die sportlich-bequeme Sitzhaltung. Und die soll von der angepeilten Zielgruppe honoriert werden, zu der nicht unbedingt die sehr jungen Biker gehören. "Zu der Zielgruppe gehören Menschen zwischen 30 und 60 Jahren, und zwar Leute mit Qualitätsanspruch", sagt Holger Miene. Diesem Anspruch gemäß sind die Fitnessbikes auch keine Sonderangebote. Laut Miene liegt der Einstandspreis bei 700 bis 750 Euro, es können aber auch bis zu etwa 2500 Euro bezahlt werden.
Damit auch die etwas gesetztere Kundschaft sich noch einmal jung und ein bisschen wild fühlen kann, werden die Bikes meist in betont sportlicher Minimal-Aufmachung angeboten: Schutzbleche oder Beleuchtung zählen nicht zum Standard. Doch wer in vielen Jahren bei Regen- und Nachtfahrten deren Vorzüge kennen gelernt hat, kann das passende Zubehör ebenso wie Gepäckträger gleich im Set mit ordern.