Studien in Genf Mut zur Lücke
Wer wissen will, welche Autos demnächst mit großem Tamtam als neue Serienmodelle enthüllt werden, braucht sich nur manche "Studien" anschauen. Längst nämlich sind Fahrzeuge wie der Honda Civic R-Type, Mazda 3 MPS oder der Mitsubishi Concept-X keine puren Ideenskizzen mehr, sondern es existieren feste Pläne, wann und wie diese Fahrzeuge auf die Straßen kommen sollen. Die Bezeichnung "Studie" deutet lediglich an, dass dies wohl nicht mehr in diesem Jahr geschehen wird.
Studienzeit: Die Zukunft gehört uns!
Ganz anders ist die Situation bei den echten Studien. Diese Autos haben vor allem die Funktion, zu reklamieren: Die Zukunft gehört uns! Manche der visionären Vehikel bleiben Showstars für ein paar Tage, andere tauchen irgendwann einmal doch als Serienmodell auf - nach etlichen Häutungen oder zumindest in Teilen. So wird es vermutlich dem Geländeriesen Nissan Terranaut ergehen, dem Sportcoupé Renault Altica oder dem VW Concept A.
Aber was wird aus dem Loremo LS? Das Auto der Münchner Loremo AG basiert auf einem neuen Bauprinzip und wiegt nur 450 Kilogramm: Das Gerüst des Autos besteht aus drei geraden Längsträgern, über die sich eine Kunststoffkarosserie wölbt. Die Passagiere sitzen quasi in einer stählernen Wanne - deshalb erfolgt der Einstieg durch aufklappende Dachelemente, und deshalb die hintere Bestuhlung entgegen der Fahrrichtung. Die Sitzposition Rücken an Rücken ermöglicht nämlich eine aerodynamisch optimale Form.
Die Windschnittigkeit ist ebenso wichtig wie das niedrige Gewicht, denn der Loremo LS - die Buchstaben stehen übrigens für leicht und simpel - ist ganz auf Effizienz ausgelegt. Der 700-Kubik-Zweizylinder-Dieselmotor des Autos verfügt über einen Rußpartikelfilter, leistet 20 PS, beschleunigt das Mobil auf bis zu 160 km/h und verbraucht lediglich 1,5 Liter je 100 Kilometer. Ab 2009 will Loremo das Auto gemeinsam mit einem Partnerunternehmen in NRW fertigen; der Verkaufspreis soll unter 11.000 Euro liegen.
Grasgrüner Zweisitzer mit Flügeltüren
Für diese Summe bekäme man vom Rolls-Royce 101 EX wohl nur ein paar hundert Gramm. Der Wagen ist die majestätischste Studie des diesjährigen Genfer Auto-Salons, ein Landsitz auf 21-Zoll-Walzen und einer Grundfläche von gut elf Quadratmetern. "Das Design drückt schier unendliche Motorkraft aus. Und es verbindet die Romantik der Vergangenheit mit der Technik von morgen", sagt Chefdesigner Ian Cameron. Kühlergrill, Motorhaube sowie der komplette Windschutzscheibenrahmen sind aus gebürstetem Aluminium gefertigt und bilden optisch den Kern des Wagens. Die beiden extragroßen Türen sind hinten angeschlagen, und wohl kein anderes Coupé bietet Fondpassagieren derart viel Bewegungsfreiheit.
Ein Unternehmen wie Rolls-Royce, das nur ein einziges Produkt im Angebot hat, nämlich die Luxuslimousine Phantom, muss wohl hin und wieder durch "Experimentalfahrzeuge" wie den 101 EX auf sich aufmerksam machen. Und aus diesem Grund baut auch der spanische Automobil-Entwicklungsdienstleister Mazel Jahr für Jahr eine Studie, die in Genf präsentiert wird. In diesem Jahr haben die Tüftler aus Barcelona einen grasgrünen Zweisitzer mit Flügeltüren und 487 PS starkem Achtzylindermotor entworfen.
Das Auto trägt den Namen Identity i1 und soll demonstrieren, wie weit das Spektrum der insgesamt 700 Ingenieure des Unternehmens gespannt ist. Ob das Auto jemals ein offizielles Nummernschild tragen wird, ist höchst ungewiss. Dafür aber hat Mazel mal wieder für Aufmerksamkeit gesorgt - Akquise per Autostudie sozusagen.
Das hat ein Unternehmen wie Subaru eigentlich nicht mehr nötig. Dafür aber muss die japanische Allradmarke zusehen, dass sie ihre Modellpalette erneuert und vor allem an Profil gewinnt. Neben dem Engagement in der Rallye-WM sollen Studien dabei helfen. In Genf feiert das Modell B5-TPH Weltpremiere, ein Crossover-Fahrzeug aus Kombi, Geländewagen und Coupé, selbstverständlich mit Allradantrieb und mit Hybridtechnik. Außer einem Benzin-Boxermotor mit 260 PS werkelt noch ein knapp14 PS starker Elektromotor unter der formschönen Blechhaut.
Zur Ehren eines Rennens Peking-Paris
Mit solcherart von Hightech hat der holländische Hersteller Spyker nichts am Hut. Leistung zählt - sowohl für die Supersportwagen als auch für den nagelneuen Super-SUV, den das im Oktober 2000 wieder gegründete Traditionsunternehmen in Genf vorstellt. Noch ist der in Handarbeit gefertigte Koloss eine Studie, doch bereits Ende des nächsten Jahres plant die kleine Firma, die im vergangenen Jahr 48 Autos fertigte, die Produktion des wuchtigen Allradlers.
Der Motor stammt, wie bei den anderen Spyker-Modellen auch, aus dem Volkswagenkonzern: Ein 6-Liter-Zwölfzylinder mit 500 PS, der den Wagen in fünf Sekunden von 0 auf Tempo 100 beschleunigt und ihn bis zu 295 km/h schnell macht. Nicht ganz so flott geht der Name des Autos von der Zunge "D12 Peking to Paris" heißt es, und es soll an ein wagemutiges Rennen von Peking nach Paris im Jahre 1907 erinnern, an dem ein gewisser Monsieur Goddard in einem Spyker-Automobil teilnahm und nach drei Monaten das Ziel erreichte. Nun erhält der tapfere Abenteurer hinterm Lenkrad ein luxuriöses, rollendes Denkmal.