Südtirol Tour der tausend Kehren
Zunächst einmal gilt es, eine Grundsatzentscheidung zu treffen: im oder gegen den Uhrzeigersinn? Das ist zwar reine Geschmacksache und ändert nichts an der grundsätzlichen Faszination der insgesamt 55 Kilometer langen Strecke, die sich über vier Pässe an den mächtigen Sella-Stock schmiegt. Immerhin ist die höchste Erhebung des Massivs der Piz Boé mit 3151 Metern. Es gibt mehrere anspruchsvolle Wanderrouten und Klettersteige auf und durch die Sella, doch auch eine Umrundung im Auto ist ein echtes Bergerlebnis.
Wer von der Brennerautobahn kommt, erreicht die Runde am besten durch das Grödnertal. Hier, in St. Ulrich, wurde 1892 der Vater aller Bergfexe, Luis Trenker, geboren. Sein Denkmal ist im kleinen, gepflegten Park des Ortes zu finden. Kurz hinter Wolkenstein, dem letzten Ort im Tal, ist es dann tatsächlich soweit: nach links übers Grödnerjoch (und damit im Uhrzeigersinn) oder nach rechts hinauf zum Sattel zwischen Sella und Langkofel (und damit gegen den Uhrzeigersinn). Man würde in diesem Fall auch gleich mit dem höchsten Pass des Quartetts beginnen, das Sella-Joch schwingt sich bis auf 2257 Meter empor.
Von hier aus geht es in zahlreichen Serpentinen rhythmisch hinab ins Fassatal nach Canazei. Kurz vor dem Ort jedoch zweigt bereits die Straße ab, die über den zweiten Pass der Runde führt: den Pordoi Pass, mit 2239 Metern Höhe nur unwesentlich niedriger als das Sella-Joch, landschaftlich aber mindestens ebenso reizvoll.
In der Ferne glitzernde Schneefelder
Im Norden stehen die Steilaufschwünge der Sella Spalier, im Süden glitzern in der Ferne die Schneefelder auf der schattigen Felsbastion der Marmolada. Spätestens hier, in einer der hochgelegenen Parkbuchten des Pordoi-Passes, ist die Zeit für den ersten Stopp gekommen. Das Panorama genießen, eine Stärkung zu sich nehmen und Arme und Beine ausschütteln.
Der Talort im Südosten der Sella-Ronda heißt Arabba, und hier wird die Strecke zunächst einmal etwas milder, ehe sich die Straße über den Campolongo-Pass (1875 Meter) nach Corvara windet. Diese Abschnitt ist landschaftlich weniger spektakulär als die vorangegangenen Kilometer, dafür aber deutlich grüner, freundlicher und nervenschonender.
Steigungen von 17 Prozent gehören dazu
Der vierte und letzte Pass der Runde ist dann wieder eine Bergstraße allererster Güte. Das Grödner-Joch (2121 Meter) windet sich über kahle Abhänge hinauf zur Passhöhe, wo an sonnigen Tagen ziemlicher Trubel herrscht. Erstens wegen des großen Restaurants, zweitens wegen der imposanten Aussicht und drittens, weil von hier aus zahlreiche Wanderwege auf den Sella-Stock oder in die gegenüber gelegene Geisler-Gruppe führen. Vom höchsten Punkt führt die Straße an den Nordhängen der Sella in weiten Schwüngen zurück zum Ausgangspunkt.
Kurvengierige und Pass-Sammler können die Sella-Ronda gen Osten hin noch um zwei weitere herausragende Bergstraßen erweitern. Zwischen Arabba und Corvara kann ein weiter Bogen geschlagen werden über den Giau-Pass (2236 Meter) und den Falzarego-Pass (2105 Meter). Der Übergang zwischen beiden ist mit Steilstellen von bis zu 17 Prozent Steigung gespickt - ein Abenteuer auch für versierte Motoristen. Die Bergfans kommen dann vor allem auf der Passhöhe des Falzarego wieder zu ihrem Recht. Das weite Plateau bietet eine einmalige Aussicht auf die Dolomiten und die majestätischen Felsen der Tofana.