Tokio Motor Show Das müde Lächeln
Auch in Tokio klangen die Terroranschläge in den USA nach. Von verstärkten Sicherheitsmaßnahmen war zwar nichts zu spüren - immerzu freundlich lächelnde und sich verbeugende Japaner blockierten den Eingang zur Messehalle - doch ähnlich wie auf der IAA in Frankfurt beschränkten sich die Hersteller auf die Präsentation ihrer Produkte.
Bei VW war zu hören, das Organisationskomitee habe gar die Aussteller ermahnt, aus Pietätsgründen die Röcke der Hostessen nicht kürzer werden zu lassen als beim letzten Mal - was die meisten allerdings ignorierten. Zu sehen gab es vor allem Studien der Japaner. Mal schräg und verrückt, mal innovativ und pfiffig.
Auf heimischem Boden trumpfen die japanischen Hersteller auf. Allen voran Toyota, die zusammen mit ihrer Konzern-Tochter Daihatsu nicht weniger als 29 Konzeptfahrzeuge präsentierten. Dazu mehr als ein Dutzend Serienmodelle, die sie demnächst auf den japanischen Markt rollen lassen werden. Entsprechend groß war der Zulauf in der Haupthalle, in der Toyota mit dem größten Stand auch seine Stellung als japanischer Marktführer dokumentierte. Dennoch: auch hier keine Show, keine Musik, kein Trockeneisnebel, keine tanzenden Models.
Selbst Toyota-Präsident Fujio Cho beschränkte sich auf nüchtern trockene Aufzählungen - wobei er bei der Menge der Modelle gegen Ende seiner Ausführungen den eingeblendeten Auto-Dias auf der Großbildleinwand ein wenig hinterherhinkte.
Ähnliche Bilder boten sich bei Honda, Mitsubishi, Nissan und Mazda. Viele abgedrehte Studien, die normalerweise zum bunten Trallalla herausgefordert hätten, wurden still und heimlich ohne großes Tamtam und Tuchwegziehen - teilweise noch vor der offiziellen Pressekonferenz - einfach zur Besichtigung freigegeben.
Dabei hatte es am Morgen noch mit lautem Rennwagengeheul begonnen: Fanfare für VWs Enthüllung seines 600-PS-Supersportwagens W12 Coupé, den Entwicklungsvorstand Martin Winterkorn stolz präsentierte. Um zu zeigen, dass der vor vier Jahren an gleicher Stelle enthüllte Prototyp inzwischen tatsächlich fährt, zeigte Wolfsburgs Ober-Ingenieur unter den Augen seines Noch-Chefs Piëch und Bald-Chefs Pischetsrieder dem staunenden Publikum ein Video über diverse Weltrekord-Fahrten der Rennflunder.
Auch wenn der Applaus danach etwas müde ausfiel, die übrigen deutschen Hersteller hatten dem nicht viel entgegenzusetzen: Audi zeigte das A4 Cabriolet, BMW den 7er, Opel den Astra X-treme und den Frogster und Porsche den 911 Turbo, Targa sowie die Allradvariante 4S.
Einzig Mercedes tanzte aus der Reihe. Was das Journalisteninteresse betraf, machten die Stuttgarter sogar Platzhirsch Toyota den Rang streitig. Als Mercedes-Chef Jürgen Hubbert die Verkaufserfolge der letzten Monate aufzählte, wurde es eng rund um den ungewohnt bescheidenen Stand der Marke. In gewohnt lockerer Art gefiel sich Mister Mercedes diesmal, mit einer Glaskugel in der Hand spielend, in der Rolle des Sehers und präsentierte die schwäbische "Zukunft des Automobils" in Gestalt der F400 Carving-Studie.