Tokio Motor Show: Exotik auf Rädern - DER SPIEGEL
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Tokio Motor Show Exotik auf Rädern

Koi-Karpfen und Sumo-Ringer, Sushi-Happen und Ikebana-Kunstwerke - Japan ist für Mitteleuropäer eine märchenhafte, seltsame Welt. Was uns aus Japan am vertrautesten ist, sind japanische Autos. Doch bei der Tokio Motor Show treibt auch die PS-Branche skurrile Blüten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die alle zwei Jahre stattfindende Tokio Motor Show gilt als besucherstärkste Automesse der Welt. (Die IAA in Frankfurt hat nicht ganz so viele Besucher, dafür aber deutlich mehr Aussteller.) Mehr als eine Million Menschen werden ab 27. Oktober in der Makuhari Messe in Japans Hauptstadt erwartet. Auch in Frankfurt wurde vor einigen Wochen diese Ziffer angepeilt - bis am ersten Pressetag der IAA, dem 11. September, die Terroranschläge in New York sämtliche Planungen solcher Art über den Haufen warfen und völlig unbedeutend erscheinen ließen.

Auch auf der Tokio Motor Show wird der 11. September Spuren hinterlassen, und das nicht nur wegen der verschärften Sicherheitskontrollen. Die Eröffnungszeremonie wurde abgesagt. Womöglich sind auch die Inszenierungen der Hersteller bei der 35. Auflage der Messe weniger schrill als in den Jahren zuvor. Doch was sich nicht verändern wird, ist die Fülle der Konzeptautos japanischer Hersteller, deren Phantasiereichtum in der Branche ohne Beispiel ist.

Der größte Hersteller aus Nippon, Toyota, zeigt zum Beispiel den Riesen-Roadster FSX, dessen Karosserie in einem gekonnten Stilmix Anleihen vom Cadillac Evoq (hochgestellte Frontscheinwerfer) bis hin zum Fiat Barchetta (knackige Heckpartie) nimmt. Für den Heimatmarkt präsentiert Toyota zudem den Kompaktwagen Ist, ein Auto auf Yaris-Basis.

Überraschend vital präsentiert sich Nissan mit gleich sechs Weltpremieren. Da ist einmal das für den japanischen Markt entwickelte Miniauto Moco, das in Kooperation mit Suzuki gefertigt wird und vor allem "Frauen zwischen 20 und Ende 30" ansprechen soll. Für Europäer interessanter dürfte der Nissan Fairlady Z sein, die seriennahe Studie eines künftigen Sportcoupés, das an die legendäre Z-Baureihe anknüpfen soll - immerhin die bis heute erfolgreichste Sportwagenserie der Welt.

Der Nissan mit dem merkwürdigen Namen mm ist nach Herstelleraussage ein Vorgeschmack auf den demnächst neu erscheinenden Nachfolger des Micra; das Design wirkt etwas naiv und ein bisschen zu putzig. Bei den weiteren Nissan-Neuheiten handelt es sich um eine Pickup-Studie namens Nails, um eine sechssitzige Großraumlimousine mit dem Namen Kino und um ein Infotainment-Konzeptauto unter dem Titel Ideo. Der Clou dieses Fahrzeugs ist ein 1,17 Meter breiter und 28 Zentimeter hoher Bildschirm der das komplette Armaturenbrett ausfüllt. Auf diesem Großmonitor können sich die beiden vorderen Insassen beinahe alles anzeigen lassen, wonach ihnen gerade zumute ist. Dazu sind am und im Auto insgesamt 14 Kameras montiert, die das Verkehrsgeschehen rundum per Objektiv beobachten.

Interessante Ausblicke bietet auch Mitsubishi. Die DaimlerChrysler-Tochter plant eine optische Radikalkur und hat zu diesem Zweck den ehemaligen Maybach-Designer Olivier Boulay als Chefkreativen verpflichtet. Prompt präsentiert die Marke mit den drei Diamanten im Logo vier Studien: Die Autos mit den Codenamen CZ2 und CZ3 sind laut Unternehmen "Vorstufen der neuen Generation von Kompaktautos mit dem neuen, markanten Mitsubishi-Gesicht". Dazu kommt die Vision eines künftigen Kombis, der auf der Messe als Modell Space Liner auftritt und eines geländefähigen Vans, der unter dem Kürzel SUP (Sport Utility Pack) auftritt.

Bei Subaru ist das Konzeptauto WX-01 der Star des Messestands. Der "raumoptimierte Kombi der Zukunft", der äußerlich durch den inflationären Einsatz des Dreiecks als Designelement auffällt, bietet auf drei Sitzreihen Platz für sieben Insassen. Ein Allradantrieb mit einer neuen Steuerung der Kraftverteilung, Scheinwerfer die um die Ecke leuchten können und deutlich weniger Bedienelemente als bislang sind die technischen Eckpunkte des Fahrzeugs, das einen schon recht seriennahen Eindruck hinterlässt.

Schrill und schräg und kein bisschen serientauglich sind die Modelle Covie und Lapin von Suzuki, zwei Kleinwagen mit gegensätzlichem Design: Rund und kugelig der kindliche, zweitürige Covie, bauklötzchenhaft und retrolike der viertürige Lapin. In die Kategorie extrem exaltiert fällt auch Toyotas POD, ein Auto mit vier drehbaren Barsesselchen und der Form eines Riesentoasters. Bei Honda und Mazda übernehmen die Modelle Bulldog und Secret Hideout die Rolle des Auto-Clowns, der den Besuchern ein Lächeln entlockt und so für eine positive Grundeinstellung zur jeweiligen Marke sorgt.

Mercedes, sonst ein Ausbund an Seriosität, hat unter dem Vorwand von Fahrdynamik und -sicherheit ebenfalls einen recht bizarren Prototypen nach Japan verschifft: Den F 400 Carver, dessen durchaus richtungsweisende Technik in einer arg übertriebenen Science-Fiction-Verkleidung steckt.