Totalschaden: Bitte recht freundlich - DER SPIEGEL
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Totalschaden Bitte recht freundlich

Es machte ein paar Mal "Klick!", und die ganze Geheimnistuerei um die neue Mercedes E-Klasse war für die Katz. Die Erlkönigjäger haben wieder zugeschlagen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Was für den Prominenten der Paparazzo, ist für den Autobauer der Erlkönigjäger. Bei dieser Unterart des Fotografen handelt es sich um besonders geduldige Exemplare. Sie sitzen oft tagelang bei Eiseskälte hinter Schneewehen am Rande des nordschwedischen Arjeplog oder in brütender Hitze hinter einem Felsklotz im amerikanischen Death Valley oder an sonst einem unwirtlichen Ort dieser Welt, wo Autos herumfahren, von denen die Öffentlichkeit möglichst (noch) nichts wissen soll. Es ist nun aber der besondere Ehrgeiz von Erkönigjägern, gerade einen solchen Erlkönig vor das Objektiv zu bekommen. Denn dafür zahlen die Auto-Fachblätter beinahe so viel Geld wie die Klatschpresse für - sagen wir - einen blanken Promi-Busen.

Das ganze ist eine Art Katz-und-Maus-Spiel: Die Autohersteller versuchen die Fotografen auszutricksen, lassen ihre künftigen Fahrzeuge nur bei Nacht und Wind herumkurven und pappen dann auch noch dicke schwarze Klebestreifen über die interessantesten Stellen der Karosserie. Die Fotografen wiederum versuchen die Autohersteller auszutricksen, besorgen sich superstarke Teleobjektive, kundschaften die geheimen Testrouten aus, lauern hinter Werkstoren und treiben sich stets in der Nähe von Entwicklungszentren und Versuchsstrecken herum. Manchmal reicht es auch, wenn sie jemanden kennen, der jemanden kennt, der was weiß.

So ungefähr könnte es auch im Falle des jüngsten Erlkönig-Coups gewesen sein. Die neue Mercedes E-Klasse, die wohl erst im März 2002 in die Verkaufsräume rollen soll, wurde jetzt in New York abgelichtet. Völlig ungetarnt, mit frisch poliertem schwarzen Lack, scharf und exzellent konturiert. Das Auto befand sich dort zu Dreharbeiten für den Action-Film "Men in Black II". Und wem fällt bei Filmaufnahmen schon auf, wenn jemand seinen Film voll macht. Man muss nur wissen, wo und wann das Auto schön brav dasteht und aus seinem Vier-Augen-Gesicht recht freundlich lächelt, um sich fotografieren zu lassen. Kein Problem, wenn man jemanden kennt, der jemanden kennt, der was weiß. Bei Mercedes, so meldet das Fachorgan "auto, motor und sport", werde der Vorfall nun untersucht. Wenn es gut läuft, haben wir da schon das Drehbuch für "Men in Black III".