Totalschaden: Passat Musil - DER SPIEGEL
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Totalschaden Passat Musil

Werbung für Fortgeschrittene: VW lässt Autos sprechen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Was wäre aus dem Land der Dichter und Denker geworden, wenn das Auto schon früher erfunden worden wäre - sagen wir mal so um 1700. Wären die Räuber je geschrieben worden? Faust? Wir zweifeln, spätestens seit wir im Deutschunterricht lesen mussten, was bei Plenzdorf aus dem jungen Werther wurde.

Überhaupt Goethe: Mit einem Passat wäre der niemals nach Italien gefahren. Meint jedenfalls Volkswagen: "Manche Autos sagen: Guten Tag. Mein Besitzer ist sportlich und fährt gern nach Italien in die Ferien", heißt es in der neuen doppelseitigen Anzeige für den VW-Passat. Manche Autos kommen natürlich nicht aus Wolfsburg. Schon gar nicht die, die sagen: "Hey mein Besitzer ist jung, dynamisch und sehr erfolgreich in seinem Beruf" - behauptet zumindest VW.

Und Autos, die sagen "Mein Besitzer hat Geld. Nicht ein bisschen Geld. Er hat richtig viel Geld"? Klar, dass die nicht aus Wolfsburg kommen. Jetzt wird es allmählich eng für den Nischenanbieter Volkswagen. Denn Autos, deren Besitzer Kämpfertypen sind, die sich durchsetzen, gibt es ebenfalls nur bei der Konkurrenz.

Dann wollen wir doch mal schauen, was übrig bleibt: Ältere, erfolglose, unsportliche Männer, die kein Geld haben, wenigstens nicht so richtig viel. Für die gibt’s zum Glück den Passat. Der sagt nämlich: "Mein Besitzer ist erwachsen. Er kann denken. Er kann sprechen. Wofür braucht er ein Auto, das anderen erzählt, wer er ist?"

Chapeau! So viel Bescheidenheit war selten im Hause Piëch. Das Auto für den Mann ohne Eigenschaften. Folgt auf den Golf Bon Jovi nun der Passat Robert Musil? Vielleicht entdeckt der Volkswagen-Konzern am Ende noch die Langsamkeit.

Wir freuen uns einstweilen auf die nächste VW-Anzeigenkampagne: "Und ein Auto sagt: Mein Besitzer ist erwachsen. Er kann denken. Er kann sprechen. Wofür braucht er überhaupt ein Auto?"