Totalschaden: Wenn Männer reisen - DER SPIEGEL
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Totalschaden Wenn Männer reisen

Vom Phaeton spricht bei VW kaum noch einer, der neue Passat steht stattdessen im Zentrum der Marketingbemühungen. Es gilt, die Limousine als Geschäftswagen zu positionieren, deshalb hat VW jetzt einen Katalog mit den "Accessoires des mobilen Mannes" zusammengestellt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Als Kronzeugen zitieren die Wolfsburger den Unternehmensberater Roland Berger. "Das viele Reisen in meinem Beruf hat einen hohen Lästigkeitswert." Nun wissen wir nicht, womit Herr Berger so viel und so lästig reist, nehmen aber mal an, es wird ein Auto sein - die Marke tut hier erst mal nichts zur Sache -, sonst ergäbe dieses Zitat in der Pressemitteilung eines Automobilherstellers ja überhaupt keinen Sinn. Geschäftsreisen im Auto sind also lästig, doch zum Glück haben die VW-Leute Abhilfe parat, nämlich die Produkte der "Volkswagen Business Collection".

Da ist zum Beispiel ein Gepäcktrolley (79,90 Euro), der dank "innovativer Inlineskate-Rollen" besonders "souverän und leise durch jede Hotellobby" kullert. Eine dazu passende Businesstasche aus 1680-D-Polyester in Mokkabraun (49,90 Euro) ist selbstverständlich wasserfest, und die Seidenkrawatte in einem "sommerlichen Latte-macchiato-Ton" (29,90 Euro) hat genau "die Kragenweite des anspruchsvollen Geschäftsreisenden". Im Vorwort des Katalogs mit dem Titel "Technik überzeugt" heißt es, Mann solle sich verblüffen lassen von der "Hochwertigkeit der eingesetzten Materialien". Na aber bitteschön, das ist doch wohl eine Selbstverständlichkeit.

Ganz und gar nicht selbstverständlich ist es jedoch, dass sich VW ausschließlich auf die "Accessoires des mobilen Mannes" kapriziert. Fahren Business-Frauen keine Volkswagen? Oder sind geschäftsreisende Damen weniger zimperlich und brauchen keine speziellen Wohlfühl-Accessoires? Oder trifft weder das eine noch das andere zu, sondern ist es einfach so, dass Frauen - ob mit dem Zusatz Business oder nicht - grundsätzlich nicht auf die Idee kommen, ihre Reiseutensilien bei einem Automobilhersteller einzukaufen? Vermutlich ja. Und das dürfte sich nicht einmal dann ändern, wenn eine Frau Kanzlerin aller Autos würde.