Trabi absurd Rennpappe in Beton
Zwickau Der gelbe Trabi scheint mit dem hinteren Teil in einen Betonbottich gefallen zu sein: Heck, Dach und Flanken sind von einer grauen, rauen Masse überzogen. Sein Kollege, von derselben Betonfirma ausstaffiert, trägt sogar eine Mischmaschine auf dem Buckel. Der Trabi als Werbeträger aber nicht nur die Marketingleute haben Phantasie: Auf dem Internationalen Trabantfahrer-Treffen, das am vergangenen Wochenende zum 13. Mal in Zwickau stattfand, tummelten sich liebevoll aufgemotzte Umbauten aller Art.
So wurde ein dunkelblauer Zweitakter in Baden-Württemberg zur allradgetriebenen "Bigfoot"-Variante ausgebaut. Und ein Fan aus Gotha setzte kurzerhand eine Datscha auf eine himmelblaue Trabi-Basis: mit Spitzengardine, Blumenkasten und DDR-Fahne eine Reminiszenz an vergangene Zeiten. Sogar ein Rekordträger war dabei und erhielt den Preis für den originellsten Umbau: Das kleinste rollende Schank-Mobil der Welt wurde bereits ins Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen. In dem bunt bemalten Trabi wird Bier der lokalen Brauerei Mauritius aus winzigen Zapfanlagen gezapft, unter anderem natürlich das Bier "Trabi de luxe".
Die Veranstalter sind mit dem Erfolg des Treffens sehr zufrieden, sagt Sprecherin Annegret Ernst. 20.000 Besucher kamen zu dem dreitägigen Fest, und über 1700 Exemplare des Kultmobils standen auf dem Gelände. Die Teilnehmer und Gäste kamen aus ganz Deutschland, aus Europa und sogar aus Brasilien. Den Abschluss bildeten am Sonntag Konvoi-Fahrten von achtmal rund 50 Trabis quer durch Zwickau bis auf das Gelände der Volkswagen Sachsen GmbH in Mosel.
15 Jahre nachdem der letzte Trabi in Zwickau vom Band lief, nimmt die Zahl der Veteranen aus DDR-Zeiten langsam ab. Doch laut Kraftfahrt-Bundesamt sind in Deutschland immer noch 58.073 Trabanten angemeldet. Allerdings wird die Pflege immer aufwendiger, die Preise für Ersatzteile, aber auch für gut erhaltene Exemplare steigen. Auf dem Treffen wurde beispielsweise ein schmuckes Cabrio für 5500 Euro angeboten.
abl