Trend zum Crossover-Konzept: Drei in einem - DER SPIEGEL
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Trend zum Crossover-Konzept Drei in einem

Design-Mischungen aus verschiedenen Fahrzeugkategorien verdrängen bei neuen Autos zunehmend die klassische Limousine. Auf dem Pariser Automobilsalon machen Modelle wie Mercedes Vision R, Audi A3 Sportback oder Nissan Tone den Abschied von der typischen Dreiteilung aus Motorhaube, Passagierabteil und Kofferraum deutlich.
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Paris - Bei vielen Neuheiten wird auf das Crossover-Konzept und nicht mehr auf das Stufenheck gesetzt. In der Kompaktklasse haben Vans und Kombis die konventionellen Baumuster schon seit einiger Zeit zurückgedrängt. Mit den Premieren auf dem Pariser Automobilsalon beginnt nun offensichtlich auch in anderen Segmenten der langsame Abschied von der Limousine.

Ein Beispiel für diese Entwicklung ist die Marke Mercedes-Benz. In Stuttgart hat man nach eigenen Angaben noch vor zehn Jahren mehr als 80 Prozent der Fahrzeuge als Limousine verkauft. Heute wird nur noch jedes zweite Modell mit Stufenheck ausgeliefert. Der Anteil könnte weiter sinken, denn in Paris stellt Mercedes-Benz zwei Fahrzeuge vor, die noch mehr Kunden von der Limousine abziehen dürften: den CLS und den Grand Sports Tourer Vision R.

Den CLS kündigt Mercedes als erstes Coupé mit vier Türen an. "Dieses Fahrzeugkonzept haben wir aus der Symbiose der eleganten Formensprache eines Coupés und der Funktionalität einer viertürigen Limousine entwickelt", sagt Vorstandschef Jürgen Hubbert. Er verspricht, dass man mit dem CLS das eine haben könne, ohne auf das andere verzichten zu müssen.

Topmodell muss keine herkömmliche Limousine sein

Auch mit dem Vision R will Mercedes mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Als Mischung aus Geländewagen, Van und Kombi soll das Auto auf dem Niveau der S-Klasse jene Kunden ansprechen, die zum Prestige auch ein erhöhtes Maß an Praktischem fordern. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen soll die Studie Anfang 2006 als R-Klasse in Serie gehen.

Ähnliche Modelle reifen auch bei anderen Herstellern. So wird über ein C1 genanntes Projekt von Volkswagen spekuliert, das zwischen Passat und Phaeton angesiedelt sein soll. Bei BMW geht es um den "People Mover", für den in München die Bezeichnung Van möglichst vermieden wird. Auch die immer wieder vermutete vierte Baureihe von Porsche sehen Insider aus dem Umfeld des Unternehmens immer wieder in dieser Richtung. Eine Klasse darunter haben Renault mit dem Vel Satis und Opel mit dem Signum bereits vor zwei Jahren deutlich gemacht, dass ein Topmodell keine herkömmliche Limousine sein muss.

Noch viel deutlicher wird dieser Trend in der Kompaktklasse. Dort wird es unter dem Oberbegriff Crossover künftig noch mehr Vielfalt geben. Denn auch im Format von Golf und Astra verwischen die Grenzen, so dass in Paris noch mehr Lifestyle-Kombis wie der Audi A3 Sportback und Kompakt-Vans wie Mazda 5 oder Honda FRV im Rampenlicht stehen.

Für Väter mit Wunsch nach sportlichem Fahrvergnügen

"Vor allem kleinere Marken können nur mit solchen Konzepten gegenüber den etablierten Wettbewerbern bestehen", sagt Patrick Pelata, der bei Nissan in Tokio die Produktplanung und das Europa- Geschäft verantwortet. "Als Herausforderer wollen wir deshalb in der Kompaktklasse all jene Kunden und Bedürfnisse bedienen, für die es bislang kein passendes Angebot gegeben hat. Deshalb wird es von uns in diesem Format nicht mehr das übliche Trio aus Kombi-, Steil- und Stufenheck geben."

Stattdessen setzen die Japaner zunächst auf den jetzt enthüllten Tone. Die Studie geht laut Pelata am Jahresanfang 2006 als Ersatz für den Almera in Serie. Der Tone ist nur knapp vier Meter lang, bietet aber innen dank des großen Radstands von 2,60 Metern und der variablen Sitzlandschaft Platz wie ein größerer Van. Weil die Karosserie flacher ausfällt und sportlicher gezeichnet ist als eine Großraumlimousine, soll der Tone auch Familienväter mit dem Wunsch nach sportlichem Fahrvergnügen ansprechen.

Völlig anderes Raumgefühl

Ähnlich wie Nissan macht es die spanische VW-Tochter Seat. Obwohl in Südeuropa das Stufenheck besonders gefragt ist, haben die Spanier beim Generationswechsel des Toledo auf diese Bauform völlig verzichtet. Stattdessen wird die Limousine zu einem flachen Van, der am Heck nur noch einen kurzen Kofferraum-Stummel trägt. Als Vorteile dieses Konzepts nennt Seat vor allem die Variabilität im Innenraum, das größere Gepäckabteil und ein völlig anderes Raumgefühl.

Den Trend weg von der Limousine bestätigt auch Nick Margetts vom Analyse-Institut Jato Dynamics in Limburg. Natürlich habe die Limousine eine lange Tradition und zahlreiche treue Kunden. Vor allem in der Oberklasse auf dem Niveau von 5er BMW, Audi A8 oder dem Maybach führe am Stufenheck noch lange nichts vorbei.

Doch angesichts vieler attraktiver Alternativen würden in den Klassen darunter die Nachteile dieses Konzeptes immer deutlicher: "Wenn man hinten sitzt, dann sieht man weniger als in einem Van oder Geländewagen. Und spätestens wenn man mehr als ein paar Koffer einladen möchte, wünscht man sich einen Kombi", so der Marktforscher. "Warum soll sich der Kunde auf so eine Einschränkung einlassen, wenn er mit anderen Modellen zwei oder drei Autos in einem haben kann?"

Von Thomas Geiger, gms

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