Trends aus Detroit: Sparflämmchen und dicke Dinger - DER SPIEGEL
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Trends aus Detroit Sparflämmchen und dicke Dinger

Die Autoindustrie steckt in der Klemme: Einerseits muss mit Leistung und Luxus der Kaufreiz stimuliert werden. Andererseits hemmen hohe Benzinpreise und nachlassende Wirtschaftskraft den Absatz. Die Folgen des Spagats sind auf der Detroit Motor Show zu besichtigen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Über den Hybrid spricht man nicht, den hat man einfach. Diesen nur etwas überspitzten Eindruck hinterlässt ein erster Rundgang über die Motor Show in Detroit, die am Sonntag (Ortszeit) mit dem ersten von drei Pressetagen eröffnet wurde. Nachdem die Hybridtechnik im vergangenen Jahr an gleicher Stelle zum Hype geriet, ist die Kombination von Benzin- und Elektromotoren bei vielen Herstellern inzwischen schon fast eine Selbstverständlichkeit. Zwar gibt es die Technik noch längst nicht bei allen Unternehmen in Serie, doch melden immer mehr Marken, dass die Serienfertigung von Hybridfahrzeugen unmittelbar bevorsteht.

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Detroit-Trends: Sparen und Protzen

Foto: Tom Grünweg

Weil der Benzinpreis - der in den USA noch immer kaum halb so hoch ist wie in Deutschland - nach Einschätzung von Ford-Chef Bill Ford mittlerweile viele US-Kunden an der Tankstelle tatsächlich schmerzt, werden bei der ersten große Automesse des neuen Jahres auch eine Reihe anderer, technisch leichter umsetzbarer Kraftstoffalternativen ins Gespräch gebracht. So trommeln Saab und Ford für den Ethanol-Antrieb, für den man lediglich eine neue Programmierung der Motorsteuerung und ein paar andere Kunststoffteile im Kraftstofftrakt benötigt.

Und Mercedes will einmal mehr den Zündfunken für den Diesel über den Atlantik springen lassen. Der jüngste Ansatz: Die Schwaben filtern aus dem Dieselabgas künftig mit einem Speicherkatalysator oder einer katalytischen Reduktion unter Beigabe einer Harnstofflösung auch die Stickoxide. Damit werden ihre Commonrail-Motoren nach eigenen Angaben zu den "saubersten Dieseln der Welt".

Solche Superlative kommen in den USA gut an. Allerdings hat Diesel dort einfach keinen guten Klang, weshalb Mercedes auch sprachlich an den Stellschrauben dreht: Das Harnstoff-Additiv heißt AdBlue und das für den Herbst angekündigte erste Serienmodell mit dieser Technologie wird nicht das übliche Kürzel E 320 CDI tragen, sondern den viel klangvolleren Namen Bluetec.

Sportwagen, Luxusmodelle und Geländegiganten

Während die Autohersteller auf der einen Seite den Hybridantrieb forcieren, immer neue Sparwunder präsentieren, mit alternativen Kraftstoffen die Abhängigkeit von fossilen Energiequellen und teuren Öl-Importen mindern und den Diesel salonfähig machen, tun sie auf der anderen Seite so, als wären die Ölquellen unerschöpflich. Mit dem gleichen Eifer wie für ihre Sparvisionen schwärmen die Verantwortlichen auch für ihre neuen Sportmodelle, Luxuslimousinen und Geländegiganten.

Auch hier sind die deutschen Hersteller ganz vorn dabei. So enthüllt Mercedes auf der Motorshow den S 65 AMG mit einem 612 PS (450 kW) starken Zwölfzylindermotor, der kaum unter 14 Litern zu fahren sein dürfte. Audi schickt nach dem S8 nun den neuen S6 ins Rennen, der von einem Zehnzylinder mit 420 PS (309 kW) angetrieben wird und nach Werksangaben 13,4 Liter verbraucht. Und auf dem Porsche-Stand dreht sich ein Cayenne Turbo S, dessen Durchschnittsverbrauch Porsche mit 15,7 Litern angibt.

Ähnlich das Bild bei den US-Herstellern. Chrysler zeigt als Studie den von einem Hemi-V8-angetriebenen Luxusliner Imperial, der aussieht wie eine moderne Interpretation des klassischen Straßenkreuzers und wahrscheinlich ebenso durstig ist. Direkt daneben steht ein ebenfalls achtzylindriger Entwurf für einen neuen Dodge Challenger, der ähnlich wie der 475 PS (352 kW) starke Shelby GT 500 auf Ford-Mustang-Basis alles andere als ein sparsames Auto ist. Und auch die neuen GM-Geländewagen Cadillac Escalade, Chevrolet Tahoe und GMC Yukon bestätigen mit garagensprengendem Format und üppigem Gewicht vermutlich alle gängigen Vorurteile über die Trinksitten der amerikanischen Offroad-Giganten.

Es geht aber offensichtlich auch anders. Obwohl das Straßenbild vor und die Stände in der Halle noch immer von den sogenannten Trucks dominiert werden, macht die Industrie den vom Ölpreis verängstigten Kunden jetzt plötzlich kleine oder zumindest kompakte Autos schmackhaft. Als neue Serienmodelle treten künftig Fahrzeuge an wie der Ford Edge, der Dodge Caliber, der Jeep Compass sowie der kommende Volvo C30 oder Japan-Importe wie der Honda Jazz alias Fit. Die Industrie setzt für die Zukunft tatsächlich auch auf "Downsizing", wie die Studien kleiner, preiswerter und teilweise sogar sparsamer Sportwagen zeigen. Modelle wie der Ford Reflex, der Nissan Urge, der Mazda Kabura oder die schon in Los Angeles gezeigte VW-Studie GX3 gehören in diese Kategorie.

Trotz des milden Zwergenaufstands ist und bleibt der Geländewagen die alles bestimmende Gattung dieser Messe. Allerdings werden die Allradler optisch wie technisch immer runder und weicher. Ein paar wenigen kernigen Offroadern wie dem Toyota FJ Cruiser oder auch dem neuen Mercedes GL stehen zahlreiche weichgespülte Fahrzeuge gegenüber, die in den USA allein schon auf Grund ihrer dezent gerundeten Karosserien und ihrer Pkw-ähnlichen Fahrwerke als Crossover-Modelle gelten. Paradebeispiele dafür sind das technisch weitgehend identische Trio Ford Edge, Lincoln MKX und Mazda CX-7 ebenso wie der neue Hyundai Santa Fe oder der Jeep Compass.

Audi-Studie Roadjet: Crossover um jeden Preis?

Trotz allem wurden in Detroit schon am ersten Pressetag auch einige Studien enthüllt, bei denen tatsächlich mehrere Fahrzeuggattungen gekreuzt wurden. So mischt Hyundai beim Modell Talus einen Geländewagen mit einem Coupé. Und Audi kombiniert beim Roadjet auf der Suche nach einer sportlichen Verpackung für ein besseres Platzangebot in der Liga zwischen A4 und A6 Stilelemente von Coupé, Kombi und Van.

Stilistisch gehen die Designer dabei zwei grundverschiedene Wege: Einige schwimmen sich frei und entwickeln einen neuen Stil. Andere wenden den Blick erst einmal zurück und zitieren vor allem Modelle von gestern. Nicht umsonst kommen einem der Toyota FJ, der neue Lamborghini Miura, der Dodge Challenger oder der Chrysler Imperial irgendwie bekannt vor.

Obwohl sich die Messegäste in Motown nun wirklich nicht über einen Mangel an Neuheiten beklagen können, formuliert das Fachmagazin "Automotive News" einige Wünsche an die Hersteller: Pünktlich zum Branchengipfel in den USA stellte das Blatt eine Liste mit Fahrzeugen zusammen, die endlich aus Europa auf den US-Markt importiert werden sollten. Dazu zählen neben dem Opel Zafira und dem Citroën C6 - vor allem wegen des guten Preis- Leistungsverhältnisses - unter anderem der Dacia Logan und der Skoda Octavia RS.