Triumph Sixty8: Das Prinzip Handyschale - DER SPIEGEL
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Triumph Sixty8 Das Prinzip Handyschale

Individualisierung gilt als höchste Stufe der Fahrzeugindustrie, die auf Stückzahlen setzt, diese aber mit der Aura des Einzigartigen ausstatten möchte. Autohersteller haben darin bereits Erfahrung, nun folgt auch die Motorradmarke Triumph dieser Strategie.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Drang, durch minimale Änderungen aus einem Massenprodukt ein Unikat zu machen, ist offenbar stark. BMW beispielsweise rühmt sich, dass kaum zwei Modelle der 1er-Baureihe, die jedes Jahr das Werk in Regensburg verlassen, exakt gleich sind. Die Vielzahl an Ausstattungsdetails, Farbkombinationen und Extras macht es möglich. Peugeot trieb die Individualisierung noch ein Stückchen weiter, indem für den Kleinwagen 1007 spezielle Panelen angeboten werden, mit denen sich die Sitze oder Türverkleidungen im Innenraum des Autos mit ein paar Handgriffen umgestalten lassen. Das Prinzip Handyschale fürs Auto - und nun auch fürs Motorrad.

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Triumph Sixty8: Schnell noch das Motorrad umziehen

Die englische Marke Triumph nämlich, 1887 von den beiden Deutschen Siegfried Bettman und Mauritz Schulte zunächst als Fahrradmanufaktur gegründet und nach eigenen Angaben der älteste Motorradhersteller der Welt, hat dieses System jetzt für das Retrobike Bonneville weiterentwickelt. "Sixty8" heißt die Produktreihe in Anspielung auf die 68er, jene Zeit also, in der die britische Motorradindustrie und auch Triumph ihre für dann lange Zeit letzten erfreulichen Tage erlebte. In diesem Fall aber soll Sixty8 den Geist jener Jahre beschwören, als Beatmusik, Freiheitsdrang und coole Motorräder das Lebensgefühl Hunderttausender Jugendlicher bestimmten.

Das Modell Triumph Bonneville galt damals als Ikone des britischen Motorradbaus. Seit 1959 wurde der sogenannte Cafe-Racer gebaut. Sein Name erinnerte an die Rekordfahrt einer frisierten Triumph Thunderbird auf dem Bonneville Salzsee in den USA, die 1956 eine Geschwindigkeit von 345 km/h erreichte. Rund eine Viertelmillion Bonneville-Bikes wurden in der Folge gebaut. Und so war es, nach dem Neustart der Marke Triumph im Jahre 1990 nur eine Frage des richtigen Zeitpunkts, bis die Bonneville eine Wiedergeburt erfuhr.

Mitsurfen auf der Retro-Welle: Triumph Bonneville

Die Retro-Welle um die Jahrtausendwende schien optimal zu sein. 2001 fuhr die neue "Bonnie" vor, mit modernem Elektrostarter, aber im klassischen Look. Der 800-Kubik-Zweizylindermotor der Maschine leistet 61 PS, doch was bei diesem Motorrad viel mehr zählt als die Fahrleistungen ist der Geist, in dem es daherkommt: retro pur.

Triumph weiß natürlich, dass vor allem Nostalgiker diese Maschine lieben. Menschen mit einem Hang zur "Es gibt sie noch, die guten alten Dinge"-Einstellung. Und sie bekommen nun die Chance, ihre klassisch-gestylte Bonneville ein wenig zu individualisieren. Mit Lederkappen für den Scheinwerfer, frischen Sitzbezügen für den Sattel, Abdeckungen für Tank oder Motorverkleidung.

"Mit leicht austauschbaren Clips, Ledersitzüberzügen und vielem mehr entwerfen Sie je nach Bedarf Ihre Bonneville täglich neu - ganz ohne technisches Wissen oder Können", locken die Briten ihre Kunden. Dabei wird betont, dass dies "keineswegs nur der Versuch eines Revivals" sei, sondern die zeitgemäße Interpretation der alten Tage. Schließlich gibt es für die Bonneville auch spezielle Taschen für Laptop und iPod.