Tuner und der TÜV Spaßbremse trifft Tiefstapler
"Uns ging es vor allem darum, den Leuten die Schwellenangst zu nehmen", sagt Martin Gille, der eine Prüfstelle des TÜV Rheinland leitet. "Bei uns kamen so viele Autofahrer mit ihr en umgebauten Fahrzeugen an, es gab so viele Schwierigkeiten und wir waren immer die Buhmänner, dass wir gesagt haben: So kann es nicht weitergehen." Gille beschreibt die Situation, die wohl allen mit dem Thema Auto-Tuning Befassten hinlänglich bekannt sein dürfte: Erst wird geschraubt und geschweißt bis zum Gehtnichtmehr. Dann sagt der TÜV: "Das geht so nicht."
Wie gut, dass Gille vor seiner TÜV-Karriere selbst einen VW Golf GTI nach allen Regeln der Kunst tunte. So kann er sich in die Gefühlslage der Männer in ihren tiefergelegten Kisten einfühlen. Vor drei Jahren organisierte er in der Prüfstelle Niederzier (bei Aachen) erstmals einen Tuning Day. Die Veranstaltung sollte Auto-Freaks und TÜV-Prüfer zusammenbringen, was dank der Unterstützung des örtlichen GTI-Clubs auch klappte. "Inzwischen gibt es jedes Jahr einen Tuning Day und die Resonanz ist hervorragend", resümiert Gille.
Der TÜV geht auf die Tuning-Fans zu, um gleich mehrere Ziele zu erreichen. Zum einen geht es um Information und Aufklärung, bevor das brave Serienmodell umgemodelt wird. "Manche unserer Kunden haben eine Odyssee von Prüfstelle zu Prüfstelle hinter sich, bis irgendein Umbau endlich eingetragen wurde. Das wäre meist nicht nötig gewesen, wenn sich die Leute vorher bei uns über das Machbare informiert hätten", sagt Gille. Zudem soll der autoverrückten Klientel die Sorge genommen werden, der TÜV könne ein Auto stilllegen. "Das tun wir definitiv nicht. Uns ist viel wichtiger, dass die Leute unsere technischen Empfehlungen annehmen und die Mängel an ihren Autos beseitigen." Und schließlich soll auch das Buhmann-Image des TÜV korrigiert werden.
Tuning im grünen Bereich
Der TÜV Rheinland ist auch involviert in die vom Bundesverkehrsministerium initiierte Aktion "Tune it! Safe", der sich der Verband der Deutschen Automobil Tuner und die Messe Essen, Veranstalter des heute beginnenden Tuning-Messe Essen Motor Show angeschlossen haben. "Wir unterstützen die Kampagne, weil wir nur gemeinsam mit dem Tuning-Fans mehr Sicherheit auf die Straße bekommen", sagt Jürgen Brauckmann, Vorstand Mobilität des Prüfdienstleisters.
Auch auf der Essen Motor Show suchen die TÜV-Leute den Kontakt zur Szene. Auf einem Gemeinschaftsstand mit der Nürburgring GmbH steht ein gempimpter VW Polo Kombi, der Hobbyschrauber Daniel Pöhlchen aus Heinsberg gehört. Das bedeutend tiefer gelegte Auto mit Flügeltüren, weiß lackierten Sternfelgen mit vergoldeten Radkappen, 19-Zoll-Bildschirm im Kofferraum und dem Farbton Liquid Silver soll die Freizeit-Tuner anlocken.
Man wolle einerseits demonstrieren, was alles legal machbar sei, heißt es beim TÜV Rheinland. Andererseits aber auch auf die Grenzen hinweisen. Denn nicht alle Umbauten an dem Show-Auto sind zulässig - und genau das soll dazu anregen, mit den Tuning-Fans ins Gespräch zu kommen.