Tuning East: Die Rennpappe macht Ernst - DER SPIEGEL
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Tuning East Die Rennpappe macht Ernst

In der nächsten Woche wird die größte deutsche Automesse des Frühjahrs eröffnet, die AMI in Leipzig. Da die meisten der dort gezeigten Neuheiten bereits bekannt sind, richtet sich das Interesse eher auf die Nischen der mobilen Welt. Zum Beispiel auf getunte Trabis.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es muss nicht immer Glanz und Glamour sein, wenn extravagante oder extraschnelle Autos im Spiel sind. Das Fachblatt "Auto Bild tuning" zeigt in Halle 3 der Auto-Mobil International - kurz AMI - in Leipzig (14. bis 22. April) unter dem verheißungsvollen Titel "Tuning East" außergewöhnliche Auto-Umbauten. Basis für die kühnen Eingriffe waren - der Titel der Schau deutet es an - Fahrzeuge aus ehemals osteuropäischer Produktion zu sehen.

Neben aufgebrezelten Lada- oder Barkas-Modellen werden unter anderem auch extreme Trabant- und Wartburg-Mobile gezeigt. So zum Beispiel ein Wartburg mit sogenanntem Lowrider-Fahrwerk, der sich auf Knopfdruck auf und nieder bewegt und den man per Fernbedienung sogar tanzen lassen kann. Oder ein Trabant mit einem um sieben Zentimeter tiefer gelegtem Dach, in dessen Motorraum eine Wartburg-Maschine implantiert wurde, so dass statt 26 PS nun rund 50 PS bereit stehen.

Richtig arg wird es dann bei einem im Farbton Goldmetallic lackierten Trabant 601, unter dessen Haube ein getunter Motor aus einem Audi TT lauert. Dank eines neuen Turboladers, geschärfter Chips für die Motorsteuerung und einigen andern Eingriffen leistet die Maschine rund 300 PS. Damit schafft der wilde Trabi mehr als 200 km/h und macht so das Spottwort "Rennpappe" zur Realität.

Während vor 1989 die Autofans aus der DDR kaum Möglichkeiten hatten, an Tuningprodukte aus westdeutscher Produktion heranzukommen, und daher ihre Fahrzeuge wenn, dann meist in liebevoller Bastelei ein wenig sportlicher gestalteten, änderte sich dies mit der Deutschen Einheit. "In den neunziger Jahren herrschte in den neuen Bundesländern ein regelrechter Tuning-Hype", sagt Hans-Jörg Köninger, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Automobil-Tuner e.V. (VDAT). "In manchen Regionen waren die Umsätze höher als in vergleichbaren Gegenden im Westen."

Seit einigen Jahren aber habe sich der Markt wieder abgekühlt. Köninger: "Es herrscht nun ein normales Level." In Deutschland wurden im vergangenen Jahr nach Köningers Angaben rund 2,2 Milliarden Euro mit Tuningartikeln umgesetzt - davon knapp ein Viertel in den neuen Ländern.

jüp