Umbauten von Castagna Mini maximal
Davon können die BMW-Designer nur träumen. Sicher haben auch sie gute Ideen, was man aus dem Mini alles machen könnte. Schließlich geistern immer mal wieder Skizzen eines kleinen Speedsters, eines Pick-upd oder eines Vans auf Basis des britischen Erfolgsmodells durch die Gazetten. Doch sind den Kreativen in München und Oxford die Hände gebunden. Weil über jeder Variante auch Konstrukteure und Controller brüten und sich alle Autos rechnen müssen, wächst die Familie nur sehr langsam. Und statt phantasievolle Entwürfe zu zeigen, spielen die Designer nun schon zum vierten Mal die Idee vom Kombi durch, der doch längst beschlossene Sache ist.
Mini-Umbauten: Knirpse im Edellook
Es geht auch anders. In Mailand beispielsweise, bei der Carrozzaria Castangna, dürfen die Designer ihre Träume leben und aus dem einen Mini tatsächlich eine komplette Familie machen. Castagna versteht sich als "Coachbuilder", als Karosseriebauer im alten Stil. So, wie das Unternehmen seit 1849 maßgeschneiderte Kutschen gebaut und später, in den goldenen Jahren zwischen den Kriegen edle Blechkleider über gewöhnliche Fahrgestelle gestülpt hat, arbeitet das neu aufgestellte Team um den Architekten Giacchino Acampora auch nun erneut wider den Einheitslook auf der Straße.
Bereits vor einem Jahr präsentierten die Italiener auf dem Genfer Auto-Salon ihre ersten Abwandlungen des Mini. Und nachdem mittlerweile rund 30 Autos gebaut wurden, machen sie nun die Wahl noch schwerer. Denn zum verlängerten Kombi, dem Woody mit Holzapplikationen und dem geländegängigen Freizeit-Mini gesellen sich nun noch ein Pick-up und ein sehr maritim angehauchtes Cabrio, das beim Messedebüt als Yacht auf Rädern gefeiert wurde.
Hybrid-Mini mit zuschaltbarem Elektromotor
Und noch einen weiteren Mini haben die Mailänder den Münchnern voraus: Während BMW mit Mercedes und General Motors am Hybridantrieb forscht und allenfalls ein paar Versuchsfahrzeuge vorweisen kann, gibt es den Mini mit der Kraft der zwei Antriebsquellen in Italien bereits zu kaufen. Dafür paaren die Ingenieure den Benziner mit einem Elektromotor, der mit leistungsstarken Batterien Geschwindigkeiten von bis zu 140 km/h und eine Reichweite von etwa 200 Kilometer schaffen soll. Anders als bei den Hybridideen der Großserienhersteller müssen Mini-Fahrer bei Castagna allerdings den Kraftfluss selbst regeln und per Knopfdruck entscheiden, welcher Motor arbeiten soll.
Technisch markiert der Hybrid-Mini die Avantgarde; doch viel schöner, weil auffälliger, ist der Mini Tender, der die optische Spitze im Umbauprogramm bildet. Ähnlich wie beim Pick-up haben die Italiener dafür die Karosserie auf mehr als 4,30 Meter gestreckt und hinter dem Rücksitz eine offene Ladefläche eingezogen. Dazu wird das Auto nach oben geöffnet, bekommt tief ausgeschnittene Türen, eine umlaufende Reling, hübsche Holzplanken sowie Sitzbezüge im Look eines Matrosenanzugs, so dass der Vergleich mit einem Boot gar nicht so weit hergeholt ist.
Rustikales Ende: Heckklappe aus Weidengeflecht
Wer einen maßgeschneiderten Mini aus Mailand möchte, braucht Geduld. Schon für die Veredelung ohne Karosserieumbau veranschlagen die Italiener zwei bis vier Monate. Für Tender oder Pick-up lassen sich die Karosseriebauer sogar vier bis acht Monate Zeit. Ach ja, und ein bisschen Geld im Sparstrumpf wäre auch nicht schlecht. Schließlich kostet der billigste Kombi etwa 15.000 Euro, und für den Tender beginnt die Preisliste bei 20.000 Euro - "jeweils ohne Basisfahrzeug, versteht sich", sagt ein Mitarbeiter aus Mailand wenig bescheiden. Dafür arbeitet Castagna mit Liebe zum Detail. Lenkräder und Konsolen werden mit Hölzern überzogen, für Schaltsack und Türen gibt es auf Wunsch imitiertes Leopardenfell, und die Heckklappe des Tender wird aus Weidenruten geflochten.
Aber der Mini ist nicht das einzige Aufsehen erregende Modell der Italiener. Vielmehr hat die Carrozzeria in Genf sogar einer Studie von Rolls-Royce die Schau gestohlen. Während sich die Briten mit einem ungewöhnlichen Coupé begnügten, verwandelten die Italiener den Luxusliner in einen Geländewagen. Der hat mit dem Phantom zwar nur noch die Frontpartie gemein. Doch macht das sechs Meter lange und stolze 1,63 Meter hohe "Imperial Landaulet"-Konzept mindestens genauso viel Staat.
Mit rund 800 PS, Luftfederung, variabler Bodenfreiheit und Allradantrieb ist das Dickschiff für den Fuhrpark eines Scheichs geradezu prädestiniert. Allerdings wird man wohl auch das Vermögen eines Öl-Potentaten haben müssen, wenn der angeblich auf einem Porsche Cayenne basierende Wagen gebaut werden soll.