Urversion des BMW M3: Die Essenz des M - DER SPIEGEL
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Urversion des BMW M3 Die Essenz des M

Heutzutage sind 195 PS in der Mittelklasse nichts besonderes. Als jedoch 1986 der erste BMW M3 mit diesem Wert aufwartete, war das eine Sensation. Der Urenkel des ersten Power-Dreiers hat heute locker doppelt so viele Pferdestärken - der Faszination des Oldies tut das aber keinen Abbruch.
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Er war nicht das erste, nicht das stärkste und auch nicht das meistverkaufte Auto der M GmbH. Trotzdem gibt es kein Modell der BMW-Sporttochter, das einen derartigen Kultstatus erlangt hat wie die erste Generation des M3. Was der Golf GTI für die Kompaktklasse, war der potente Zweitürer 1986 für die Mittelklasse – das Sportabzeichen einer Pkw-Generation. Gebaut auf Basis des 3er BMW (Werkskürzel E30) glänzte das Auto mit Eckdaten, die man damals allenfalls bei Sportwagen erwarten durfte. Heute sind 195 PS und eine Höchstgeschwindigkeit jenseits von 230 km/h in dieser Klasse nichts Besonderes mehr. Doch seinerzeit waren es sensationelle Werte. Von dem Kultstatus des ersten M3 zehrt BMW bis heute: Gerade erst kam die vierte Generation des M3 in den Handel - insgesamt wurden 180.000 Exemplaren der Reihe verkauft.

Auf dem Papier kann der alte M den Vergleich mit den Nachfahren nicht gewinnen. Sogar gegen einen ganz gewöhnlichen 3er-Diesel schaut er ziemlich blass aus. Vier Zylinder, 2,3 Liter Hubraum und ein Sprintwert von 6,7 Sekunden reichen heute im Autoquartett kaum mehr für einen Stich. Doch auf der Straße hat der 21 Jahre alte Racer nichts von seinem Reiz verloren. Im Gegenteil: Nach wie vor sieht der erste M3 besser aus als alle seine Nachfolger.

Kein anderer Sportler eines Werkstuners trägt die tief hängende Frontschürze, die kantig in die Breite gezogenen Kotflügel und den mächtigen Heckflügel mit soviel Stolz wie der im klassischen Misanorot lackierte Urahn der bayerischen Kraftmeier. Damals mögen angehende Schwiegermütter mit dem Kopf geschüttelt und ihren Töchtern noch einmal ins Gewissen geredet haben. Doch heute wirken die M3-Insignien fast so klassisch wie die Flügeltüren des Mercedes SL .

Nur für Hartgesottene: Flockvelours und Hartplastik

Der Innenraum allerdings zeugt von einer Zeit, als die Trainingsanzüge noch aus Baumwolle waren und Sportschuhe noch drei Streifen hatten: Das Cockpit ist eine Orgie aus hartem, schwarzem Plastik, die Türen sind bezogen in jenen Grau-, Blau- und Rottönen, die auch das Logo der M GmbH trägt. Und wo heute lederüberzogene Schalensitze warten, gibt es hier noch Flockvinyl, das sich um die etwas erhöhten Seitenwangen spannt. Das Glanzlicht im innenraum ist der Schalter für die seinerzeit höchst exklusive, weil elektronische Dämpferverstellung. Er sitzt prominent auf dem Mitteltunnel, und ginge heute auch als Backwecker im Retrostyling durch.

Für Menschen wie Michael Klette ist und bleibt der erste M3 ein absoluter Traumwagen: Seine Liebe ist nie erkaltet. Spontan hat er den Wagen, der im Jahr der Premiere fabrikneu 58.000 Mark kostete, "für einen guten Preis" erworben, erzählt der freundliche Herr aus Hemer bei Dortmund. Danach wurde das Auto auf Vordermann gebracht und für mehr als 3000 Euro konserviert. Zwar steckt heute im Cockpit ein anderes Lenkrad, die Felgen stammen vom Tuner und auch die Streben im Motorraum gab es nicht ab Werk. "Doch sonst ist alles Original", sagt Klette und schaut liebevoll auf den altmodischen Zähler, der mittlerweile beinahe 140.000 Kilometer zeigt.

Der alte M3 ist noch immer ein scharfer Feger

Fast täglich kommen neue hinzu. Denn bei aller Liebe ist der M3 für Klette ein Gebrauchsgegenstand, der täglich bewegt wird. Weite Strecken in den Urlaub fliegt er lieber, aber zur Arbeit, zum Nürburgring oder zum M3-Treffen ins Sauerland ist er stets mit seinem roten Renner unterwegs. Zu Beginn solcher Fahrten hält er sich ein wenig zurück, bis das Öl die richtige Temperatur erreicht hat. Doch kaum sind die Warnlampen im Cockpit erloschen, gibt er dem feuerroten Coupé die Sporen, dreht munter über 4000, 5000 Touren und freut sich, dass Wagen noch immer einen scharfen Biss hat.

Klette ist ein bescheidener Menschn. Und so käme es ihm nicht in den Sinn, seinen alten M3 mit dem aktuellen Modell zu vergleichen. Doch einer von Klettes Bekannten hat ihm versichert, dass er nicht nach dem M3 von 2007 schielen muss. Der neue hat mit seinem V8-Motor zwar doppelt so viele Zylinder und mit 420 PS auch mehr als die doppelte Leistung, aber er ist mit 1655 Kilo auch deutlich schwerer. Klettes M3 bringt gerade einmal 1200 Kilo auf die Waage und wiegt damit weniger als ein aktueller BMW 1er. Vor einem Duell mit dem aktuellen Modell müsste sich der Ur-Sportler nicht fürchten. Klette: "Auf einer kurvigen Bergstraße würde das Auto meinem M3 wahrscheinlich kaum davon fahren können."

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