US-Messe Deutsche Autobauer erobern Detroit
Draußen liegt der Schnee zum Teil knietief, und auch drinnen in der schon leicht patinierten Cobo-Arena herrscht eine eher kühle Atmosphäre. Die North American International Auto Show, die größte Automesse der USA, ist in diesem Jahr außergewöhnlich luftig bestückt die wirklichen Neuheiten stammen fast allesamt aus Deutschland. Während die Gastgeber General Motors, Ford und Chrysler eine wenig inspirierte Vorstellung abliefern, fahren Audi, VW, Mercedes und BMW beim ersten Auswärtsspiel des neuen Autojahres einen haushohen Punktsieg ein. Passend dazu war Matthias Wissmann, Chef des deutschen Branchenverbandes VDA, der erste Redner bei der offiziellen Eröffnungszeremonie.
Den Anfang machte Mercedes schon am Sonntagabend, als beim Neujahrsempfang des Unternehmens nicht nur die elektrisch angetriebene B-Klasse-Studie Blue Zero und der offene SLR Stirling Moss vorgestellt wurden. Den Gästen wurde auch ein erster Blick auf die neue E-Klasse gewährt.
Kaum waren am Montagmorgen die Hallen geöffnet, präsentierten die anderen deutschen Herstellern im Halbstundentakt ihre Neuheiten. VW enthüllte in Motown den Entwurf eines kleinen Roadsters, der als direkter Gegner des Mazda MX-5 konzipiert ist und die brave Marke aus Niedersachsen weiter aufpeppen soll. Zudem könnte ein Serienauto dieses Typs in ein Segment vorstoßen, das VW bislang vernachlässigt hat.
Außerdem heizen die Wolfsburger mit dem Zweisitzer die zaghafte Dieseleuphorie in den USA etwas an. Denn hinter den Sitzen steckt ein 180 PS starker Selbstzünder, der dank eines Stickoxid-Katalysators auch in den USA fahren darf. Die Fahrleistungen: 6,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h und eine Höchstgeschwindigkeit von Tempo 221 sind allemal genug für manchen Adrenalinrausch. Der Verbrauch soll, unter anderem durch eine Start-Stopp-Automatik, bei 4,3 Liter liegen.
Ob VW den Roadster tatsächlich baut, ist noch unklar
Zwar sei über die Zukunft dieses Autos noch nicht entschieden, so das offizielle Statement über den 3,99 Meter kurzen Zweisitzer mit dem leuchtend orangefarbenen Verdeck. Doch im Gegensatz zu Studien wie dem EcoRacer oder dem Concept R sei dieser Roadster kein Einzelgänger, sondern zeige auch, welche Möglichkeiten die neue Kleinwagen-Architektur rund um den Polo biete. "Wenn das Auto ankommt, gibt es eine gute Chance, dass es sich auch rechnet", sagt VW-Sprecher Bernd Schroeder. In zwei Jahren wäre ein Serienstart zu Preisen ab etwa 22.000 Euro angeblich möglich.
Auch Audi gibt sich in Detroit visionär und enthüllt neben dem R8 mit zehn Zylindern das Concept Sportback, das gleich vier Autos den Weg bereiten soll. Zum einen ist der schmucke Viertürer mit der fließenden Dachlinie und der großen Glasklappe am Heck der Vorbote des für dieses Jahr eingeplanten A5 Sportback und außerdem stilistischer Ausblick auf den nächsten A8. Zum anderen trägt der 4,95 Meter lange, 1,93 Meter breite, aber nur 1,40 Meter hohe Beau unter dem Blech bereits die Plattform des nächsten A6. Und schließlich ist er ein Platzhalter für das große Coupé A7, mit dem Audi auf Autos wie den Mercedes CLS reagieren will.
BMW und Mini präsentieren offene Modelle
Im Motorraum sitzt ein drei Liter großer TDI-Motor mit AdBlue-Katalysator, der auf 225 PS und 550 Nm kommt, in weniger als sieben Sekunden auf Tempo 100 sprintet, 245 km/h erreicht und im Mittel angeblich 5,9 Litern verbraucht. Der Verzicht auf die üblichen Spielereien bei dieser Studie könnte ein Hinweis sein, dass ernsthafte Absichten hinter dem Auto stecken. Bis auf die LED-Scheinwerfer mit dem variablen Leuchtbild und das beinahe durchgehende Glasdach gibt es nichts Glamouröses, das nicht rasch in Serie umzusetzen wäre.
Über die Frage, ob Serienstart ja oder nein, muss bei BMW keiner mehr diskutieren. Die Premieren der Bayern sind zwar nicht ganz so spektakulär, aber dafür bald Realität auf unseren Straßen. Denn sowohl das neue Mini Cabriolet als auch die nächste Generation des Roadsters Z4 mit Stahldach statt Stoffmütze sollen bereits im Sommer 2009 die ersten Kunden gewinnen.
Kein Patentrezept, aber noch ganz gute Geschäfte
Zwar weiß auch bei den deutschen Herstellern keiner, wie es auf dem weltweiten Automarkt im Allgemeinen und auf dem amerikanischen im Besonderen weiter gehen wird. Patentrezepte gegen die anhaltende Zurückhaltung der Kunden konnten die Herren Zetsche, Winterkorn, Reithofer oder Stadler in Detroit nicht aus dem Hut zaubern. Doch während es für die US-Autofirmen ums nackte Überleben geht, fahren die Deutschen zumindest in der Statistik voraus.
Während der gesamte US-Markt um fast 20 Prozent einbrach, gingen die Verkaufszahlen der Autos made in Germany um lediglich sechs Prozent zurück. "Insgesamt waren das im vergangenen Jahr 890.000 deutsche Pkw in den USA", sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann. Damit stieg der Marktanteil der deutschen Hersteller um einen Punkt auf nun fast sieben Prozent, und das Wachstum setze sich voraussichtlich fort, erklärte Wissmann, der bereits für 2010 mit einer Erholung des US-Marktes rechnet. Seine Prognose: "Zehn Prozent Marktanteil der deutschen Hersteller sind mittelfristig machbar."