VCD-Studie "Masterplan gegen den Unfalltod"
Berlin - Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe soll mehr für die Verkehrssicherheit tun. Diese Forderung erhebt der Verkehrsclub Deutschland (VCD), der am Dienstag im Berliner Informationsamt der Bundesregierung am Reichstagsufer ein Konzept zur Halbierung der Unfallzahlen im Straßenverkehr bis zum Jahre 2010 vorlegt.
Derzeit sterben durchschnittlich auf Deutschlands Straßen täglich 18 Menschen - bis zu 1400 Menschen werden bei Unfällen verletzt, ein Fünftel von ihnen schwer. Mit dem Programm "Masterplan Vision Zero" sollen Unfallschwerpunkte entschärft, tempobeschränkte Zonen eingerichtet oder innerstädtische Radwege gesichert werden. Andere europäische Länder wie Schweden, die Schweiz und Niederlande setzten "Vision Zero" oder vergleichbare Programme teilweise bereits seit Jahren mit Erfolg ein.
Automobilkonzerne wie DaimlerChrysler entwickeln zur Unfallverhütung derzeit elektronische Erkennungssysteme für Passanten oder Hindernisse auf der Fahrbahn. Ebenso können neuartige Karosserieformen mit verletzungsärmeren Stoßflächen sowie nicht-splitterndes Scheinwerferglas zur Verbesserung der Unfallbilanzen beitragen.
In den Forschungslabors von Ford Deutschland beispielsweise sind Karosserien mit aufklappenden Motorhauben in Erprobung, die den Aufprall von Fußgängern wie in einem Außen-Airbag besser abfedern. Serienmäßig verfügbar sind bereits Wegfahrsperren bei denen der Wagen nur mit angelegten Sicherheitsgurten gestartet werden kann. Eine Technik, die dem kürzlich beim Aufprall seines außer Kontrolle geratenen Fahrzeuges tödlich verunglückten Fotograf Helmut Newton in Los Angeles möglicherweise das Leben gerettet hätte.
Die VCD-Studie beziffert die volkswirtschaftlichen Kosten aller Verkehrsunfälle durch Rettungsdienste, medizinische Versorgung, Sachkosten oder Invalidität sowie der Todesfolgen auf 36 Milliarden Euro jährlich. Im gesamten Bundeshaushalt seien dagegen, so kritisiert VCD-Sprecher Daniel Kluge, lediglich 11 Millionen Euro für Verkehrssicherheit ausgewiesen. Das Bundesverkehrsministerium verweist auf die seit den achtziger Jahren deutlich rückläufige Zahlen der Verkehrstoten in Deutschland - rund 6550 im vergangenen Jahr im Vergleich zu 6842 in 2002.