Volga V12 Coupé: Der Spion, der ihn liebte - DER SPIEGEL
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Volga V12 Coupé Der Spion, der ihn liebte

Natürlich trägt der Chef Sonnenbrille. Auch hier in der Halle, wo gar keine Sonne scheint. Vielleicht sind es das Glitzern und Glänzen des Chroms, vor dem er seine Augen schützt. Vielleicht aber muss eine Sonnenbrille auch einfach deshalb sein, weil es hier um ein "Spy-Style"-Auto geht.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Moskauer Auto-Tuning-Firma A:level zeigte beim Genfer Salon ein Unikat, das man sich eigentlich nur in einem Agentenfilm vorstellen kann. Ein absolut cool gestylter Wagen, zweitürig, flach, gestreckt, schwarz lackiert und mit einem Chrom-Kühlergrill, der wie ein Raubtiermaul aussieht. Von der Seite, so erläutert ein Mitarbeiter, sehe das Auto aus wie ein Torpedoboot. Diese Assoziation muss man nicht haben, doch alles, was sich nach "Spy-Style" anhört, klingt passend zu diesem Auto.

Wie der Wagen entstand, dazu gibt es beinahe poetische Erläuterungen. Die "Mutter" des Fahrzeugs sei der Volga GAZ-21 aus dem Jahre 1957. "Das Symbol der imperialen Epoche der UdSSR", sagt ein Mitarbeiter. Der "Vater" stamme aus Deutschland und trage den Namen BMW 850 CSI. Und nach 17 Monaten Arbeit wurde aus dem Design der Mutter und der Technik des Vaters das Volga V12 Coupé. Ein Unikat, das für einen russischen Auftraggeber gefertigt wurde, der sich das exklusive Auto rund eine Million Euro kosten ließ.

Für das Geld besitzt er nun ein ausgesprochen potentes Fahrzeug. Der 5,6-Liter-V12-Motor leistet 380 PS (279 kW), entwickelt ein maximales Drehmoment von 550 Nm und überträgt seine Kraft via Sechsgang-Schaltgetriebe an die Hinterachse. Die Standard-Beschleunigung von 0 auf Tempo 100 wird in 6,3 Sekunden erledigt, als Höchstgeschwindigkeit schafft der Wagen 250 km/h.

Das Auto ist 4,85 Meter lang, satte 1,92 Meter breit und nur 1,38 Meter hoch. Ebenso flach wie die Karosserie ist auch das Gepäckabteil geschnitten. Lediglich 270 Liter fasst der Kofferraum. Zu klein für Reisegepäck, aber groß genug für zwei Agentenkoffer. Seinem optischen Vorbild, dem GAZ-21, der in Vor-Wende-Zeiten im Osten Berlins als Taxi allgegenwärtig war, gleicht das Volga Coupé vor allem in der Frontansicht. Wesentliche Elemente sind die stieläugigen Rundscheinwerfer, die schmalen Blinker und der charakteristische Haifischmaul-Kühlergrill. Dessen eigentümliche Form wurde, so die Legende, bei einem Zusammenstoß herausgebildet. Damals soll ein Volga in eine Straßenbahn gekracht sein und sie dabei sogar aus den Schienen gehoben haben.