Einzigartige Auktion: Aus jedem Jahr ein VW Käfer
Einzigartige VW-Sammlung wird versteigert Herr Holmgren macht die Halle leer
Fragt jemand Bengt Holmgren nach dem Lieblingsauto aus seiner Sammlung, wird es für ihn schwierig. Einen einzelnen Favoriten hat der 73-Jährige nicht, immerhin kann er sich zu einer Auswahl durchringen. Sie umfasst vier luftgekühlte Volkswagen: einen unrestaurierten Käfer, Baujahr 1950, je einen Käfer der Baujahre 1956 und 1960, beide mit weniger als 10.000 Kilometern auf dem Tacho, und einen VW 1500 Variant, Baujahr 1965, mit 3000 Kilometern.
Die Autos gehören noch ihm, werden aber am kommenden Wochenende zusammen mit 61 anderen VWs im schwedischen Dorf Pålsboda, 200 Kilometer westlich von Stockholm, versteigert . Wehmütig wird sich Bengt Holmgren dann von einer weltweit einzigartigen Sammlung alter Volkswagen verabschieden, deren Grundstein 1959 gelegt wurde.
Einzigartige Auktion: Aus jedem Jahr ein VW Käfer
Sein Vater Ivar arbeitete als Landbriefträger mit einem blauen 1959er Käfer als Dienstwagen. Mit 18 kaufte sich der Sohn einen neuen, roten 1962er Käfer und legte darin im ersten Jahr 60.000 Kilometer zurück.
Bengt hatte inzwischen das Busunternehmen "Holmgrens Bussar" gegründet und war in ganz Europa unterwegs. Anfang der Neunzigerjahre lief das Geschäft nicht mehr rund, und Holmgren gab einige Fahrzeuge ab.
Mit dem Erlös kaufte er dem in Borås ansässigen VW-Händler Ulf Larsson 46 Autos mit luftgekühlten Motoren ab. Diese Technik ist bei Pkw inzwischen von der effizienteren Wasserkühlung abgelöst. Eine etwa 1500 Quadratmeter große Halle sollte das neue Zuhause der Wagen werden, und 1993 eröffnete Bengt Holmgren ein weltweit einmaliges VW-Museum .
Die meisten Wagen sind in unrestauriertem Zustand
Einmalig ist es nicht nur, weil es dort ein Käfer-Exemplar aus jedem Jahr zwischen 1948 und 1975 gibt. Zudem befinden sich die meisten Wagen im unrestaurierten Originalzustand. Das hat nicht einmal Wolfsburg zu bieten.
Holmgren hat seine Sammlung über die Jahre auf ganz eigene Art erweitert. "Autos zusammenkaufen und restaurieren kann jeder, der genügend Geld hat. Ein Originalauto zu finden und sich mit dem Besitzer zu einigen, kann Jahre dauern", beschreibt er sein Erfolgsrezept. "Die persönliche Chemie muss stimmen, und eine Portion Demut kann auch nicht schaden." Geld sei bei solchen Geschäften nicht das Wichtigste.
Im Video: Der VW-Käfer - Das erste Auto für alle
Volkswagen Schweden wollte Autos nicht haben
Für ihn ist es auch nicht wichtig, bei der nun bevorstehenden Auktion "die letzte Krone herauszuquetschen". Er möchte einfach mehr Zeit für seine Familie und sein Hobby, den Motorsport, haben. Ihm wäre es lieber gewesen, wenn die Sammlung als Ganzes von einem neuen Besitzer übernommen worden wäre, beispielsweise von Volkswagen Schweden. Daraus ist aber nichts geworden.
Also nimmt er einzeln Abschied von seinen Lieblingen, zu denen es so viele Geschichten gibt.
Praktisch ungefahren ist das jüngste Exemplar der Sammlung: Der Ùltima Edición, Baujahr 2003, hat erst 25 Kilometer auf dem Tacho. Er ist laut Holmgren der einzige Wagen aus der letzten, in Mexiko produzierten Käfer-Bauserie, der nach Schweden gelangt ist. Zunächst wurde er König Carl XVI. Gustaf angeboten, einem bekennenden Autofan. Nachdem der Monarch verzichtet hatte, griff Holmgren für umgerechnet 11.000 Euro zu.
Zu einem Käfer gehört ein Spaten
Da ist auch der 1950 gebaute Käfer, der am 3. Januar nach Björnlunda ausgeliefert und später von einem VW-Händler in Vetlanda gekauft wurde. Zwar zeigt der Tacho schon 77.608 Kilometer an, doch der Wagen ist immer noch unrestauriert. Zu dem Auto gehört ein Spaten - gefertigt aus den Blechen, die beim frühen, so genannten Brezelkäfer für die geteilte Heckscheibe ausgestanzt worden sind.
Eine tragische Geschichte steckt hinter dem am 22.04.1965 erstmals zugelassenen VW 1500 Variant. Der Sohn eines Landwirts aus der Provinz Östergötland hat sich den Wagen 1965 gekauft. Die damals eingesetzten Pflanzenschutzmittel haben aber sein Nervensystem so stark geschädigt, dass er den größten Teil seines Lebens im Rollstuhl verbringen musste. Er konnte den Wagen nie selbst fahren, aber ein hilfsbereiter Nachbar ist mit ihm jedes Jahr die 20 Kilometer zum TÜV gefahren und hat mit ihm drei Ausflüge unternommen. So sind ganze 3006 Kilometer zusammengekommen.
Es sind auch solche Anekdoten, die die angebotenen VWs begehrt machen. Kurz vor der Auflösung des Museums strömten die Besucher noch einmal in Scharen nach Pålsboda. An einem Wochenende war die Schlange am Eingang 30 Meter lang.
Im Video: Autostadt Wolfsburg - Wagen für das Volk