Volvo Bi-Fuel: Lächeln und sparen - DER SPIEGEL
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Volvo Bi-Fuel Lächeln und sparen

Die Relevanz des Themas alternative Kraftstoffe steigt parallel zu den Benzinpreisen. Insofern ist das Timing von Volvo nahezu perfekt: Die Schweden stellen jetzt zwei ihrer Modelle als Bi-Fuel-Varianten vor - die Autos laufen mit Erdgas oder Benzin.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Schweden sind damit die bislang Ersten, die Fahrzeuge der gehobenen Mittelklasse ab Werk mit einem so genannten bivalenten Antrieb ausrüsten. Projektleiter Peter Boisen begründet die Initiative so: "Wir glauben, dass das Thema Erdgas als Autotreibstoff immer wichtiger wird. Benzin und Diesel werden immer knapper und teurer, ein zufrieden stellender Wasserstoffantrieb wird noch mindestens 10 bis 15 Jahre auf sich warten lassen. Da drängt sich Erdgas als Alternative auf."

Tatsächlich bieten Autos wie die Volvo-Modelle V70 Bi-Fuel und S 80 Bi-Fuel eine Reihe von Vorteilen. Zunächst einmal: Es handelt sich um vollkommen "normale" Fahrzeuge. Sie sehen aus wie ihre ausschließlich Benzin verbrennenden Brüder, und sie fahren sich auch so. Die Höchstgeschwindigkeit (205 km/h) ist identisch, bei der Standardbeschleunigung von 0 auf 100 braucht das Auto im Gasmodus 0,5 Sekunden länger als bei Benzinbetrieb - eine Differenz, die man getrost vergessen kann.

Gastanks statt Ersatzrad

Auch das Platzangebot bleibt gleich. Die drei Gastanks (einmal 75 Liter und zweimal 12,5 Liter) sitzen unter dem Fahrzeugboden. Dafür schrumpfte der Benzintank auf 30 Liter, und es gibt kein Ersatzrad mehr in den Bi-Fuel-Modellen. Einzige Veränderungen gegenüber den reinen Benzin- oder Dieselmodellen: Unter der Tankklappe haben die Bi-Fuel-Autos nicht nur den Einfüllstutzen für das Benzin, sondern auch den Anschluss für die Gasbetankung. Und im Cockpit gibt es entsprechend zwei Tankfüllstandsanzeigen sowie einen Bi-Fuel-Wahlknopf.

Technisch musste natürlich einiges verändert werden, etwa an der Motorelektronik sowie an Nockenwelle und den Ventilsitzen. Auf den Bi-Fuel-Betrieb wurden übrigens sowohl im Kombi (V 70) als auch in der Limousine (S 80) der Reihenfünfzylinder mit 2,4 Liter Hubraum und 140 PS (103 kW) umgerüstet. In der Praxis funktioniert der Antrieb so: Beim Anlassen läuft der Motor stets mit Benzin, bis das Kühlwasser eine Temperatur von 15 Grad erreicht hat. Dann wird automatisch auf Gasantrieb umgeschaltet. Sind die Gastanks (Reichweite rund 300 Kilometer) leer, wird mit Benzin weiter gefeuert (Reichweite ebenfalls rund 300 Kilometer). Wer manuell zwischen Gas- und Benzinbetrieb hin- und herschalten möchte, kann dies mit dem Bi-Fuel-Taste im Cockpit tun.

Kombimodell hilft Spritsparen

Im Fahrtest funktionierte das ohne irgendwelche Anzeichen von Verschlucken des Motors oder anderen Reaktionen. Der Wagen schnurrt - besonders im Gasbetrieb - angenehm leise dahin. "Spektakulär unspektakulär", sagt Volvo-Ingenieur Jörg Lober. Warum aber sollte jemand auf die Idee kommen, ein Bi-Fuel-Auto zu kaufen, das im Falle des Kombimodells V70 exakt 59.261 Mark kostet und damit 4889 Mark mehr als der vergleichbare Benziner? Zum Beispiel darum: Mit Erdgas fährt man rund die Hälfte billiger als mit Benzin. Ein Kilo CNG (compressed natural gas) kostet in Deutschland im Schnitt 1,30 Mark. Auf 100 Kilometer braucht der V70 rund 6,3 Kilo Erdgas zum Preis von etwa 8,20 Mark. Im Benzinbetrieb verbrennt der Wagen knapp neun Liter Sprit, der mehr als das Doppelte kostet. Das Verhältnis zwischen Erdgas- und Erdölpreis wird übrigens bis Ende 2009 konstant bleiben, denn mindestens bis dahin ist die steuerliche Förderung von CNG festgelegt.

Ein anderer Vorteil ist der geringere Schadstoffausstoß. Erdgas besteht überwiegend aus Methan und verbrennt sauberer als etwa Benzin. Der Ausstoß von Kohlendioxid verringert sich im Vergleich mit dem Benzinbetrieb um etwa 20 Prozent; äußerst gering sind auch die Kohlenwasserstoff- und Stickoxid-Emissionen. Außerdem werden Erdgas-Autos von diversen regionalen Gasversorgern gefördert; in Berlin, Augsburg und Hamburg gibt es beispielsweise recht hohe Anreize, ein CNG-getriebenes Mobil zu fahren.

Gaszapfsäulen im Kommen

Nachteile sind allerdings auch vorhanden. Neben dem höheren Kaufpreis, der sich jedoch rasch amortisieren lässt, sind das vor allem die Reichweite im Gasbetrieb und das noch dünne Erdgas-Tankstellennetz. Knapp 200 Stationen gibt es bislang in Deutschland, vor allem in den Ballungsräumen. Bis Ende des Jahres sollen weitere 100 Gaszapfsäulen dazukommen.

Damit man die problemlos findet, will Volvo die neue Software für sein Navigationssystem entsprechend programmieren. Für ihre Bi-Fuel-Autos liegen den Schweden übrigens schon 400 Vorbestellungen aus Deutschland vor. Ab Sommer kommen die Fahrzeuge auf die Straßen; im kommenden Jahr sollen insgesamt 1000 Modelle verkauft werden. Peter Boisen: "Wir geben richtig Gas."